Landfrauen

Zu regionalen Lebensmitteln greifen

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Anja Kersten
am Mittwoch, 01.04.2020 - 12:44

Ehrenlandesbäuerin Annemarie Biechl beim Landfrauentag in Schwabbruck

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Schwabbruck/Lks. Weilheim-Schongau Die Augen aufzumachen beim Einkaufen und Lebensmittel aus der Region zu kaufen, dazu rief Kreisbäuerin Christine Sulzenbacher auf dem Landfrauentag in Schwabbruck auf. „Wir als Verbraucher bestimmen, was im Regal liegt“, wandte sie sich an die Landfrauen und Ehrengäste, die in den frühlingshaft geschmückten Saal zum Schäferwirt nach Schwabbruck gekommen waren und bei den humorvollen vorgetragen Liedern des Landfrauenchores Pfaffenwinkel unter die Leitung von Andrea Tafertshofer auch etwas zum Schmunzeln hatten.
Die Landwirtschaft stehe derzeit vor großen Herausforderungen, denn die Gesellschaft habe eine völlig neue Sichtweise auf die Nutztierhaltung. „Ob es uns passt oder nicht, damit müssen wir uns beschäftigen“, erklärte die Kreisbäuerin, warum es so wichtig sei, dass ganz nach dem diesjährigen Jahresthema der Landfrauen „Region gestalten“ sich jede von ihnen einbringe. Denn heute säße jeder noch vor einem mit regionalen Lebensmitteln reich gefüllten Teller, stellten die Landfrauen es bildlich dar. Das sei einer flächendeckenden Landwirtschaft, einer gepflegten Kulturlandschaft und vielen Weiterverarbeitungsbetrieben wie Metzger, Bäcker und Molkereien zu verdanken. Doch wenn es so weitergehe, die Anforderungen im Bereich Tierwohl immer größer werden, aber nicht bezahlt werden, dann müssten viele Betriebe aufhören. Dann verändere sich nicht nur die Kulturlandschaft, besonders im Grünlandbereich und in den Alpengebieten, sondern auch unsere Ernährung. Mehr und mehr wären wir als Verbraucher auf importierte Ware angewiesen, bei der bei der wir keinen Einfluss mehr auf die Tierhaltung und Tierwohl haben, zeichnete Christine Sulzenbacher ein düsteres Bild.

Düngeverordnung ist immer ein Thema

Doch damit noch genug. Denn 2040, so das Szenario, würden sich die enormen Vorschriften der Düngeverordnung auswirken. Deutschland sei dann nicht mehr wettbewerbsfähig, Importe aus Gemüse, Obst und Brotgetreide aus Ländern mit weniger Auflagen Standard. Regional erzeugtes Gemüse sei dann Mangelware.

Was man dagegen machen kann? Regionale Lebensmittel kaufen, egal, ob bio oder konventionell und gezielt nachfragen, zum Beispiel beim Bäcker, woher er das Getreide für das Brot, die Semmeln oder die Brezen beziehe. „Nur so können wir etwas beeinflussen. „Dein Einkauf von heute entscheidet über dein Essen von morgen“, betonte die Kreisbäuerin die Verantwortung jedes einzelnen.
Auch die Ehrengäste Erwin Sporrer, Altbürgermeister von Schwabbruck, Landrätin Regina Bartusch, Martin Huber, stellvertretender Kreisobmann, Florian Heiland, Ortsobmann von Schwabbruck und Angelika Hutter vom AELF Weilheim hoben in dem von der Kreisbäuerin und ihrer Stellvertreterin Maria Lidl moderierten Grußwort die Bedeutung der Region hervor und kauften regionale Lebensmittel ein. Ein Lob gab es in diesem Zusammenhang auch für den „Schäferwirt“, bei dem es nach dem Gottesdienst mit Pfarrer Sebastian Schmidt Zwiebelrostbraten vom Alllgäuer Weiderind zum Mittagessen für die Landfrauen gab.

Viehhaltung verbieten, Cannabis erlauben

„Wir leben in einer verrückten Zeit“, drückte es Ehrenlandesbäuerin Annemarie Biechl in ihrem Referat „Region gestalten“ sehr treffend aus. Auf der einen Seite wolle man die Viehhaltung verbieten, auf der anderen Seite Cannabis erlauben. Die Nutztierhaltung sei nach Meinung der Gesellschaft schlecht und nicht artgemäß, aber der „Pudel darf ins Bett“. Prominente forderten dazu auf, wie auf der Oscar-Verleihung geschehen, auf die Milch im Kaffee zu verzichten, weil „diese Milch den Kälbern entzogen würde“. Dass jedes 6. Kind in einem Krisengebiet lebe, davon hätte bei der Oscar-Verleihung niemand gesprochen, so die ehemalige Landesbäuerin. Auch das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ habe gezeigt, dass Gesellschaft und Landwirtschaft noch nie so weit auseinander gelegen hätten wie heute. Was die Gesellschaft als eine Sehnsucht nach einer besseren Welt verstand, „das hat uns tief verletzt.“ Schon immer habe die Landwirtschaft vor Herausforderungen gestanden, was momentan aber geschehe „ist nicht annehmbar“ und nannte Düngeverordnung, die Diskussion um die Anbindhaltung oder Tiertransporte.
Nein, es sei ihr nicht langweilig gewesen, meinte Waltraud Ranz, Bäuerin auf einem Milchviehbetrieb in Schwabsoien, bei ihrem Bericht über das gemeinsame Projekt der BBV-Landfrauen in Kenia, bei dem sie teilgenommen hat. Die gemeinnützige Gesellschaft wurde 2017 von den Landfrauen im Bayerischen Bauernverband gegründet. Sie hat das Ziel, Frauen im ländlichen Raum in Entwicklungs- und Schwellenländern zu fördern. „Denn wer könne Bäuerinnen besser beraten eine Bäuerin?“ formulierte Waltraud Ranz den Ansatz hinter diesem Projekt.

Landfrauen-Projekt mit kenianischen Bäuerinnen

Auch sie selbst machte bei ihrem Aufenthalt die Erfahrung, dass man unter Bäuerinnen schnell ins Gespräch kommt. Da müsse man nicht einmal dieselbe Sprache sprechen. Anhand vieler Fotos informierte sie über das Land und zeigte mit welchen Schwierigkeiten die Frauen dort zu kämpfen haben. Die Landwirtschaft sei sehr kleinstrukturiert. Oft besitzen die Familien nicht mehr als ein kleines Stück Land um die Hütte und eine Kuh.
Die Arbeit machen in der Hauptsache die Frauen. Die Männer schauen oft nur zu. Trotzdem müssten die Frauen das Einverständnis ihrer Männer holen, wenn sie ein von den Landfrauen angebotenes Seminar besuchen wollen. Weil die Kälbersterblichkeit sehr hoch ist und die Kälber oft mangelernährt sind, war es Ziel der Seminare diese zu verringern. Die Milch sei oft die einzige Einnahmequelle der Familie, selbst das Kolostrum werde deshalb in vielen Fällen verkauft.