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Direktvermarktung

Regionale Wertschöpfung: Gut für Klima und Ernährungssicherheit

Lohnt sich ein Stand auf dem Nordfelderhof? Christine Kleinle (Bildmitte) vom Hofladen Kleinle in Lauingen bietet Gemüse, Kartoffeln, Eier und Selbstgemachtes aus der Bauernküche an. „Ich bin zum 19. Mal dabei! Und es hat immer gut geklappt.“
Brigitte Auer
am Mittwoch, 16.11.2022 - 08:37

19. Großer Bauernmarkt auf dem Nordfelderhof bei Dillingen

Werbung für Donaumoos Angus-Rinder machte Jutta Delle: „Sie sind hier geboren und aufgewachsen.“

Nordfelderhof / Lks. Dillingen Die Eltern von Vincent liefern die Rinder aus ihrem Bullenmastbetrieb wie viele Tierhalter direkt zum Schlachthof. Dass Selbstvermarktung erfolgreich funktionieren kann, durfte der Bauernsohn auf dem 19. Großen Bauernmarkt lernen, der im Oktober auf dem Nordfelderhof bei Dillingen ausgerichtet wurde. Unter dem Motto „Kurze Wege – Große Wirkung“ fanden in diesem Jahr bundesweit Veranstaltungen zum Tag der Regionen statt. Der von der Agenda 21 im Landkreis Dillingen veranstaltete Markt lockte wie in früheren Jahren mehrere Tausend Besucher auf das Gelände des Maschinen- und Betriebshilferings Dillingen. Über 40 Fieranten boten in zwei großen Hallen eine breite Vielfalt an regional erzeugten und qualitativ hochwertigen Lebensmitteln an: Kartoffeln und Gemüse, Fleisch- und Wurstspezialitäten vom Schwein bis zum Strauß gehörten dazu, Freilandeier und Eierteigwaren, Ziegenkäse und Wohlfühlmilch, Brot und süßes Backwerk, Fruchtaufstriche, -säfte und -liköre, Gartengeräte und Kunsthandwerk und vieles mehr.

Die Erfolgsgeschichte des Bauernmarktes hat viele Väter und Mütter: Allen voran die Erzeuger aus Bauernstand und Handwerk, (v. l.) Marktleiter Hermann Ehnle, Kreisbäuerin Annett Jung, Brigitte Steinle vom AELF-NW, Landrat Markus Müller, OB Frank Kunz.

Wen die ansprechenden Auslagen auf den Geschmack gebracht hatten, der konnte wählen zwischen Bauernschmankerln aus der Region, Lachsforellenbrötchen, Kaffee oder Glühmost, Kuchen oder Bauernhofeis. Dillingens OB Frank Kunz zeigte sich stolz darauf, wie gut die Produzenten in der Region aufgestellt sind. „Mit solchen Veranstaltungen wird das Bewusstsein geschaffen, dass es vor Ort das gibt, was der Mensch braucht.“ Landrat Markus Müller stellte in seinem Grußwort heraus, dass kurze Transportwege für die Wertschöpfung vor Ort, für Transparenz regional erzeugter Lebensmittel und für resiliente Strukturen stehen. „Regionale Wertschöpfung, Klimaschutz und Ernährungssicherheit gehören zusammen.“ Regionale Identität brauche den Erhalt der landwirtschaftlichen Betriebe als unverändert wichtigen Wirtschaftszweig und des Lebensmittelhandwerks vor Ort als zuverlässigen Lieferanten regionaler Lebensmittel. Damit sei der Bauernmarkt eine tragende Säule des Donautal-aktiv-Projektes, das im vergangenen Jahr in Zusammenarbeit zwischen den Landkreisen Dillingen und Günzburg gestartet ist.

Obstpresse zeigt Kindern, wie Saft entsteht

Ursprünglich kam die Idee für den Bauernmarkt aus dem AELF Wertingen, erinnert sich Brigitte Steinle, Bereichsleiterin Landwirtschaft am AELF. Die Veranstaltung habe sich im Laufe der Jahre zu einem gut organisierten Event entwickelt. Heute ist an alles gedacht, einschließlich Absperrdienst der Freiwilligen Feuerwehr Fristingen und Shuttlebus. Verantwortlich für die Organisation zeichnet Marktleiter Hermann Ehnle, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Lauingen. Seine Leidenschaft gilt regionalen Äpfeln von den Obstbaumwiesen. Eine Obstpresse vor Ort macht den Kindern erfahrbar, wie Saft entsteht: „Die Kinder sollen wissen, wo er herkommt.“ Äpfel stehen auch bei den Kindern der Josef-Anton-Schneller-Mittelschule hoch im Kurs: „Das Problem ist, dass die Kinder die Apfelringe, die wir zur Verkostung anbieten wollten, selbst aufgefuttert haben“, beklagt schmunzelnd Lehrerin Ruth Kummer. Selbstgemachte Bioseifen und Schutzengelchen ergänzen das Angebot der 8 C. Mit Schubkarren und Sackkarre bieten sie den Marktbesuchern einen Bringservice zum Parkplatz an.

Kreisbäuerin Annett Jung nutzte den Regionalmarkt, um mit sämtlichen Direktvermarktern die aktuelle Lage auf den Betrieben zu besprechen. „Es sind ja zum Glück ganz verschiedene Anbieter da: Erzeuger mit Hofladen, mit Automaten, mit Direktvertrieb, Verarbeiter. Darunter auch Frauen mit eigenem Gewerbe wie Bruni Wallner mit ihrer Maultäschle Filz-Manufaktur aus Giengen a. d. Brenz.“ Jung interessiert sich für die Stellung der Frauen in der Branche, fragt nach, was sie bewegt. „Gefreut hat mich persönlich, dass die CeresAward-Gewinner vom Fleckviehhof Kraus in Deubach bei Augsburg mit ihrer A2-Milch in Dillingen waren. Das sehe ich als Indiz für die Strahlkraft des Bauernmarktes.“