Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Markenfleisch

Regionale Rindermast für Feneberg

Ein eingespieltes Team (v. l.) Georg Abele, Geschäftsführer Markenprogramme, sowie die Einkäufer Simon Gökeler und Lothar Köberle.
Susanne Lorenz Munkler
am Montag, 03.10.2022 - 10:51

Das Markenfleischprogramme „Prima Rind“ und „Prima Kalb“ gibt es seit 20 Jahren.

Ein Weideochse am Spieß, Spaß und Unterhaltung erwartet die Besucher des Jubiläumsfests am 2. Oktober in Schmidsfelden.

Kempten/Lks. Oberallgäu 2500 Rinder und 1000 Kälber finden jährlich unter der Marke „Prima Weiderind“ und „Prima Kalb“ in den Filialen der Allgäuer Einzelhandelskette Feneberg regen Absatz. „Auch in Zeiten der Energiekrise, wo die Menschen mehr denn je aufs Geld schauen, haben wir offensichtlich treue Kunden, die Qualität, aber auch die Philosophie schätzen, die hinter unseren Markenprogrammen steht“, sagt Georg Abele, Geschäftsführer der Markenprogramme.

Schon in der BSE-Krise vor 20 Jahren zeigten „Prima Rind“ und „Prima Kalb“ Stärke. Zutiefst verunsicherte Verbraucher vertrauten Feneberg und kauften dort ihr Fleisch. Die von der BSE-Krise geschüttelten Bauern konnten sich auf die Abnahme-Garantie verlassen, in einer Zeit, in der Rindfleisch allerorten zum Ladenhüter wurde. Auch weil Feneberg seinerzeit einer der wenigen Rindfleischvermarkter war, der den Fleischerzeugern mit stabilen Preisen den Rücken stärkte, haben sich die Marken-Programme heute etabliert. Damals wie heute erhielten die Landwirte Preise, die über den notierten Marktpreisen lagen.

Lieferverträge mit 20 Landwirten

Heute unterhält Abele mit rund 200 Landwirten Lieferverträge, die in der Regel über einen Zeitraum von drei Jahren laufen. Die Landwirte müssen sich nur um die Aufzucht der Ochsen und Färsen kümmern, nicht aber um den Transport, die Schlachtung, Verarbeitung und Vermarktung ihrer Tiere. Und nicht um die Preise. Ideal sei die Mast für Feneberg vor allem für Landwirte, die im Nebenerwerb arbeiten oder diversifiziert haben. Und Abele sucht weiterhin nach neuen Weiderindern und Vertragspartnern.

An drei Kreuzungs-Rassen ist der Prima-Rind Geschäftsführer interessiert: Blonde d´Àquitäne x Braunvieh, Belgier x Braunvieh und Fleckvieh. Für Betriebe, die gerade in der Umstellungsphase sind, etwa weil der Hofnachfolger nur noch im Nebenerwerb wirtschaften möchte, sei die Mast von Ochsen und Färsen eine interessante Alternative. Bereits zu Beginn der Umstellungsphase gibt Feneberg bereits eine verlässliche Vertragszusage. Der Vertrag gilt dann für drei Jahre und wird automatisch von Jahr zu Jahr verlängert.

Vertragliche Regelungen

In den Verträgen wird geregelt, wie viel Ochsen oder Färsen der jeweilige Vertragspartner liefern kann und muss. „Das ist wichtig für unsere Absprachen mit dem Handel. Wir müssen scharf kalkulieren können“, erklärt Abele. Im Schnitt liefern seine Vertragspartner 15 Tiere im Jahr. Die Bauern sind lediglich verpflichtet, nicht mit anderen Partnern zu kooperieren. Eine zusätzliche Direktvermarktung stehe jedem frei.

Der Vorteil für den Landwirt: Er erhält stabile Preise für seine Tiere, die im Jahresschnitt erheblich über den notierten Marktpreisen liegen. Er hat eine Abnahmegarantie und sobald seine Ochsen und Färsen Schlachtreife besitzen (nach 20 bis 30 Monaten) braucht er sich eigentlich um nichts mehr zu kümmern. „Ein Anruf bei mir genügt und der Tiertransport fährt in zwei bis vier Wochen vor“, betont Abele.

Die Mastrinder würden im nahegelegenen Kemptener oder Buchloer Schlachthof geschlachtet, in der Feneberg Metzgerei verarbeitet und die Produkte in den Filialen verkauft. Der Landwirt bekomme das vereinbarte Geld aufs Konto. Wenn der Landwirt das möchte, könne er natürlich seine Tiere auch selbst zum Schlachthof bringen. Der Mäster verpflichtet sich vertraglich außerdem, die Tiere während der Mast ausschließlich mit eigenem Grünlandfutter zu füttern. Nur bis 30 % Silomais sind erlaubt. Weidehaltung während der Vegetationszeit ist verpflichtend.

Auch Vorteile für die Tiere

Auch für die Tiere selbst bringt Prima Rind viele Vorteile. Durch den von Feneberg festgelegten 100-km-Radius von der Firmenzentrale sind die Transportwege kurz und für die Tiere stressfrei. „Und rund 3500 Kälber bleiben dadurch zur Mast in der Region und werden nicht exportiert“, betont Abele.

Heute seien die Markenprogramme so gefragt, dass man neue Lieferanten brauche. Geschäftsführer Abele und Hannes Feneberg haben deshalb auch das Label auf „Prima Weiderind“ erweitert. So können sie zusätzlich auch das Fleisch von Milchkühen unter dem Markenprogramm speziell für Hackfleisch vermarkten.

Den 20. Geburtstag und anhaltenden Erfolg der Produktlinie will man am 2. Oktober im Glasmacherdorf Schmidsfelden entsprechend feiern. Den Auftakt bildet um 10 Uhr der Gottesdienst im Festzelt. Für den musikalischen Rahmen sorgt eine Gruppe Alphornbläser sowie die Altstadtmusikanten. Ein abwechslungsreiches Angebot an Speisen und Getränken ist vorhanden, das kulinarische Schmankerl ist der Weideochs am Spieß.

Das Angebot am Sonntag ist vielseitig: Es kann den Glasmachern bei der Arbeit zugeschaut und auf dem Kunsthandwerkermarkt Schmuck und weitere Deko aus Glas erworben werden. Ein Kinderprogramm ist ebenfalls geboten – unter anderem kann selbst Glas geblasen oder mit Glas gebastelt werden. Zudem werden Führungen durch das Museum angeboten.

Ideal ist die Mast vor allem für Landwirte, die im Nebenerwerb arbeiten oder diversifiziert haben.