Milchmarkt

QM-Milch: Anpassungen waren nötig

Milchmarkt
Michael Ammich
am Donnerstag, 30.04.2020 - 08:55

Hans Jürgen Seufferlein vom VMB bei der MEG Nordschwaben.

Bissingen/Lks. Dillingen - Wer ist verantwortlich für die anhaltende Tierwohl-Debatte? Die Verbraucher mit ihren ganz eigenen Vorstellungen von Landwirtschaft? Der Lebensmittelhandel, der auf die Verbraucherforderungen reagiert? Die Bauern selbst, aus deren Reihen immer wieder Verstöße gegen das Tierschutzgesetz vermeldet werden? Oder sind es die Medien, die jeden Tierschutzskandal auf Bauernhöfen verallgemeinern? Wie dem auch sei, die Agrarbranche muss reagieren. Der Milchsektor tut dies, indem er neue Standards für das Qualitätsmanagement (QM) Milch gesetzt hat. Was sich hier ab 2020 ändert, erklärte der Geschäftsführer des Verbands der Milcherzeuger Bayern (VMB), Dr. Hans-Jürgen Seufferlein, auf der Jahresversammlung der MeG Nordschwaben .

In Bissingen begrüßte Vorsitzender Manfred Schiele die regionalen Vertreter der MEG Nordschwaben und legte ihnen die Kennzahlen aus dem Jahr 2019 vor. Demnach zählte die MEG 200 Lieferanten, die ihre Milch drei Molkereien andienten. 86 Milcherzeuger lieferten insgesamt 34,1 Mio. kg an die Molkerei Zott, 113 insgesamt 57,4 Mio. kg an die Molkerei Gropper und ein MeG-Mitglied gab seine Biomilch an die Molkerei Scheitz ab. Damit belief sich die Milchliefermenge der MEG Nordschwaben auf 91,5 Mio kg, das sind durchschnittlich 462 000 kg pro Mitgliedsbetrieb. Mit den Milchauszahlungspreisen zeigte sich Schiele halbwegs zufrieden. Die Molkerei Gropper bezahlte im Jahresschnitt 33,92 ct und die Molkerei Zott 34,00 ct, jeweils ohne Korrektur, Nachzahlung und GVO-Zuschlag.

MEG im Clinch mit
der Molkerei Zott

Was Schiele und die MEG-Mitglieder aber immer noch verärgert, ist die Vertragspraxis der Molkerei Zott, die zwischen Laufstall- und Anbindehaltung unterscheidet. Immerhin: Bis zum Auslaufen des aktuellen Liefervertrags im Jahr 2021 sicherte die Molkerei laut Schiele den Anbindehaltern zu, die Erfassung ihrer Milch nicht einzustellen und sie bei der Bezahlung nicht schlechter zu stellen. Ab 2021 werde der bisherige Milchkaufvertrag in eine Milchlieferverordnung und einen Kaufvertrag aufgeteilt.
Uneinigkeit herrscht seit Mai 2019 zwischen der MEG Nordschwaben und der Molkerei Gropper über den Glyphosatzeinsatz in den Lieferbetrieben. „Da gibt es bis heute keine Lösung, die Molkerei schweigt zu diesem Thema“, sagte Schiele. Weil es nach wie vor keine vertragliche Vereinbarung zum Glyphosateinsatz gebe, bestehe für die Gropper-Lieferanten folglich auch keine Verpflichtung zum Glyphosatverzicht. Falls es anders komme, werde die MEG nicht mitspielen, versicherte der Vorsitzende. Zugleich gab er jedoch zu bedenken, dass der Einsatz des umstrittenen Pflanzenschutzwirkstoffs auf absehbare Zeit wohl ohnehin gesetzlich untersagt werden könnte.

Mangelndes Interesse
der Mitglieder

An den Versammlungen der MEG Nordschwaben nahmen im Jahresschnitt 62 % der Mitglieder teil. Schiele bedauerte die Passivität mancher Mitglieder, die gleichwohl von der intensiven Arbeit des Vorstands und der Vertreter profitieren würden. Eine langjährige Freundschaft und Zusammenarbeit verbindet den MEG-Vorsitzenden Manfred Schiele mit dem VMB-Geschäftsführer Dr. Hans-Jürgen Seufferlein. Das nahmen die MeG-Mitglieder zum Anlass, mit einem Glas Sekt auf den jeweils 60. Geburtstag der beiden „Kämpfer“ anzustoßen. Seufferlein wurde von Schiele mit einem nahrhaften Präsent bedacht, Schiele erhielt wiederum von der MEG ein Geschenk, das ebenfalls durch den Magen wandern wird.
Die genannten Präsente werden den beiden Jubilaren sicher weniger schwer im Magen liegen als die ständig neuen Anforderungen und Differenzierungsversuche des LEH im Milchbereich. „Ich habe mir nicht vorstellen können, dass auch die Rinderhaltung einmal mit dem Begriff der Massentierhaltung in Verbindung gebracht wird“, sagte Seufferlein. Dazu kämen noch die Diskussionen um die Anbindehaltung und die muttergebundene Kälberaufzucht. Mit fachlichen Argumenten sei hier bei den Kritikern kaum durchzudringen, zumal sich ein Teil der Gesellschaft inzwischen gegen jede Form von Nutztierhaltung wende. Hier sei die Milchbranche stark gefordert. Sie solle nicht nur in die Defensive gehen oder ihre Kritiker wiederum selbst kritisieren, sondern sich mehr darum bemühen, gute Botschaften in die Gesellschaft zu tragen. Außerdem höre er, so Seufferlein, immer weniger von der Bündelung der Milch.

QM-Milch soll Standards sicherstellen

Um die Interessen der Milcherzeuger, des Handels und der Verbraucher zusammenzuführen, wurde 2011 der Verein „QM-Milch“ gegründet. Sein Ziel ist es, ein hohes Qualitätsniveau entlang der gesamten Produktionskette zu sichern. Zu diesem Zweck gibt er bundesweit einheitliche Produktionsstandards vor, die über die gesetzlichen Vorgaben und die gute fachliche Praxis hinausgehen. Mit dem QM-Milch-Standard 2020 soll der Lebensmitteleinzelhandel stärker in die Vereinsarbeit eingebunden werden – in der Hoffnung, dass die LEH-Konzerne auf diesem Weg zu einer gemeinsamen Linie finden.
Die Akzeptanz der QM-Milch-Standards und die Weiterentwicklung des QM-Milch-Systems sollen Seufferlein zufolge verhindern, dass sich die im Vergleich mit den LEH-Konzernen schwächeren Molkereien gegenseitig bei den Produktionsstandards überbieten. Zugleich gelte es, importierte Rohmilch und Milchprodukte denselben Standards zu unterwerfen, die bei den heimischen Produkten vorherrschen. Aufgrund der erhöhten gesellschaftlichen Anforderungen an die Milcherzeugung wurden Änderungen an den QM-Milch-Standards notwendig, sagte Seufferlein. Diese traten zum 1. Januar 2020 in Kraft. Die wichtigsten Änderungen auf Erzeugerseite und neue Zusatzkriterein für QM-Milch sind
  • die Ermittlung des Trächtigkeitsstatus,
  • das Vermeiden von haltungsbedingten Mängeln bzw. Technopathien,
  • eine effiziente antibiotikareduzierte Behandlung mit Blick auf die Eutergesundheit,
  • die ordnungsgemäße Lagerung von Arzneimitteln und
  • ein ordentliches Erscheinungsbild der Milchviehbetriebe.

Tierschutz, Milchhygiene und betriebliches Umfeld

Zusätzlich gibt es künftig drei Fokusbereiche: Tierschutz, Milchhygiene und betriebliches Umfeld. Auch innerhalb dieser Fokusbereiche muss eine bestimmte Mindestpunktzahl erreicht werden. Als Beispiel für den Fokusbereich Tierschutz nannte Seufferlein die regelmäßige, fachgerechte Klauenpflege. Im Bereich der Milchhygiene kommt es beispielsweise auf die Sauberkeit der Kühe an. Mit den neuen QM-Milch-Standards wird nurmehr eine Überbelegung von höchstens zehn Prozent akzeptiert. Schwankungen im Tierbestand seien ja schließlich nicht zur Gänze vermeidber, sagte Seufferlein.
Werden im Bereich des Tierschutzes Rechtsverstöße festgestellt, kommt es zum Abbruch des Audits und zur Durchführung eines Sonderaudits. Wie bisher werden QM-Kühe beim Schlachten und bei der Vermarktung als QS-Ware anerkannt, nachdem die Rahmenvereinbarung zwischen QS und QM-Milch weiterhin gilt. Ab 2020 müssen alle Futtermittellieferanten zertifiziert sein, damit sie lieferfähige Futtermittel in das QM-Milch-System einspeisen können.