Beratung

Prüfender Blick in den Auwald

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Externer Autor
am Montag, 08.07.2019 - 09:40

FBG und AELF Mindelheim informieren über die Bewirtschaftung von Flussstreifen.

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Stockheim/Lks. Unterallgäu Es ist Tradition: Forstbetriebsgemeinschaft und Abteilung Forsten des AELF Mindelheim laden im Sommer zu drei Forstbegängen mit unterschiedlichen Themen ein. Der erste Termin war nun den Unterallgäuer Auwäldern gewidmet.

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Diplom-Forstwirt Raymund Ball begrüßte als FBG-Mindelheim-Repräsentant die Gäste, so auch die Mitveranstalter, LFD Rainer Nützel und Marcel Lyschik vom AELF Mindelheim. Lyschik schilderte den Ist-Zustand der Auwälder im Unterallgäu. Neben der Iller gebe es vor allem an der Wertach diese Art der Wälder, die durch folgende Kriterien gekennzeichnet sind: Flussbegleitend aber schmal, überwiegend nährstoffreiche, wüchsige Böden, die sehr unterschiedlich wasserversorgt sind, meist überhöhte Rehwildbestände und damit starken Verbissbelastungen haben und mit den Baumarten Esche, Ahorn, Eiche, Weißerle, Traubenkirsche und Fichten bestockt sind.

Auwälder oft im Landschaftsschutzgebiet

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Große Teile der Auwälder befinden sich im Landschaftsschutzgebiet mit entsprechenden Bewirtschaftungauflagen. So könne dort kein Kahlschlag über 0,25 ha durchgeführt werden. Nadelholz ist nur bis zu 20 % möglich. Ökonomisch gesehen sei die Situation im Auwald „eher unbefriedigend“, so Lyschik. Gleichwohl sei der ökologische Zustand momentan „gut“. Problem der Auwälder sei, dass die alten und großen Laubbäume allmählich wegen Krankheiten oder Überalterung absterben. Die Eschen etwa wegen des Eschentriebsterbens. Hinzu komme, dass die für diesen Standort eigentlich ungeeigneten Fichten unter Borkenkäferbefall leiden. Zudem werde die Naturverjüngung stark verbissen oder habe wegen extremer Verunkrautung keine Chance hoch zu kommen. Wegen der Nähe zum Wasser sei freilich auch verstärkt der Biber unterwegs… Lyschiks Fazit: Die sich meist in unbefriedigendem Zustand befindlichen Auwälder verändern sich schleichend weiter negativ, was Nutzungsmöglichkeit aber auch die ökologische Wertigkeit betreffe.

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Was ist zu tun? „Nichtstun“ sei kurzfristig vertretbar. Längerfristig habe dies aber negative Auswirkungen.“ Es gebe drei Möglichkeiten:
  • Extensive Bewirtschaftung bzw. langsame Umwandlung. Dazu gehöre die Nutzung von Einzelbäumen nach Bedarf und Nachpflanzen von passenden Baumarten auf Teilflächen oder einzeln. Der Einzelschutz wertvoller Arten gegen Wildverbiss sei notwendig. Stellenweise Pflege und Entbuschung, um der Verjüngung zu helfen. Die Struktur werde dabei belassen und Totholz sowie Höhlenbäume gefördert. „Dies fördert die Biodiversität und der Waldcharakter bleibt erhalten. Dies ist relativ günstig, doch wirtschaftlich eher uninteressant“, bilanzierte der Fachmann.
  • Auf besseren Standorten sei auch der Umbau zu naturnahem Wirtschaftswald möglich. Dabei sollten Teilbereiche eingeschlagen und die Fläche durch Mulchen oder Hacken vorbereitet werden, um passendes Laubholz zu pflanzen, etwa Ahorn, Ulme, Eiche, Kirsche, wobei die Flächen vor Wild geschützt, und diese Anlagen über mehrere Jahre gepflegt werden müssen. „Dies ist relativ aufwendig und teuer, aber bringt zukünftig einen wertigen und stabilen Wald.“
  • Der Referent wies als dritte Maßnahme auf historische Bewirtschaftungsmethoden beim Niederwald hin: Geeignete Teilbereiche werden auf den Stock gesetzt und wenn nötig von Büschen befreit. Voraussetzung sei ein möglichst flächiger, maximal mittelalter Bewuchs mit Weißerle und Esche. Im Folgejahr treiben diese Baumarten aus den Stöcken mehrfach aus und wachsen zur neuen Waldgeneration heran. Die Umtriebsdauer betrage maximal 30 Jahre. „Dies ist eine alte Bewirtschaftungsmethode zur Brennholznutzung mit nur geringen Kosten. Eine Förderung nach dem Vertragsnaturschutzprogramm „Wald“ ist möglich.“

Vor der Pflanzung den Boden untersuchen

Nützel regte an, vor der Pflanzung per Bohrstock den Untergrund zu begutachten, um die richtige Baumart zu pflanzen. Im übrigen habe die Grauerle mit der Schwarz- oder Roterle nichts zu tun. Es sind „Schwestern“, aber die Grauerle werde nicht alt! Mit rund 30 bis 40 Jahren sei sie völlig ausgewachsen, so Nützel.