Gebäude

Prägend für die Allgäuer Kulturlandschaft

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Dr. Josef Hiemer
am Freitag, 15.10.2021 - 09:21

Die Landwirtschaft und ihre Bauten sind wesentlicher Teil der regionalen Baukultur. Eine Ausstellung zeigt Stallbauten.

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Anlass einer Ausstellung „Stallbauten“ in Kempten war der dramatische Umbruch in der Landwirtschaft: der Rückgang der Zahl der Betriebe auf der einen und das Wachstum der Betriebe auf der anderen Seite. „Das Wachstum generiert große Gebäude, die nicht immer glücklich in die Landschaft gesetzt werden“, sorgt sich Franz Schröck, Architekt beim Holzforum Allgäu.

Den „Stall von der Stange“ könne man nicht überall hinstellen. Man müsse bewusst auf den Ort und das Gelände eingehen. Um nachhaltig zu bauen, sollten natürliche Materialien verwendet und „kein Sondermüll“ auf die Wiese gestellt werden.

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Das Holzforum Allgäu – ein Zusammenschluss der Akteure in der Wertschöpfungskette Holz vom Waldbauern über den Säger, Schreiner bis zum Architekten – beschäftigt sich schon längere Zeit mit der Verwendung von Holz im Stallbau. Dank der Aktivitäten des 1. Vorsitzenden des Holzbauforums, Hugo Wirthenson, wurden in der Ausstellung 20 gelungene Beispiele für in die Landschaft gut eingebundene, neue Stallbauten, vorwiegend aus dem Allgäu, dem angrenzenden Oberbayern, aber auch aus Vorarlberg und der Schweiz vorgestellt.

Weitere Stationen der Wanderausstellung waren Immenstadt, Kaufbeuren, Illerbeuren und Eglofs. Denkbar sind weitere Stationen über das Allgäu hinaus. Daneben enthielt die Ausstellung sechs preisgekrönte Arbeiten des bundesweiten Architekturwettbewerbes „Stall der Zukunft für 2016“, die am Lehrstuhl von Prof. Florian Nagler, TU München, Lehrstuhl „Entwerfen und Konstruieren“, angefertigt wurden.

Anregungen aus Vorarlberg und der Schweiz

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Konrad Knoll, langjähriger Bauberater am AELF Kaufbeuren und seit 1. 7. 2021 am AELF Weilheim, appelliert daran, bei Baumaßnahmen nicht nur an das Tierwohl und die Arbeitswirtschaft zu denken, sondern eine ganzheitliche Sicht einzunehmen. „Wichtig sind individuelle Lösungen“, sagt er. Ein Blick über die Landesgrenzen hinweg nach Vorarlberg und in die Schweiz könne hier wertvolle Anregungen liefern. Dort finde man oft neue und sehr kreative Lösungsansätze.

Knoll bedauerte, sich auf wenige Beispiele beschränken zu müssen, gebe es im Allgäu doch viel mehr beispielhafte Stallbauten, die eine Würdigung verdient hätten. Die vorgestellten Ställe (vgl. Seite 7, oben) haben folgen Gemeinsamkeiten:

  • Sie sind von den Landwirten zusammen mit Architekten, Bauberatern und Baufirmen als individuelle, maßgeschneiderte Lösungen entwickelt worden
  • Sie sind nachhaltig und dauerhaft gebaut
  • Durch Verwendung von unbehandeltem Holz schonen sie Klima und Umwelt
  • Sie erfüllen alle höchste Anforderungen an das Tierwohl.
  • Sie sind in die Landschaft eingebunden, was jedoch bei innerörtlichen Lösungen schwierig sei.

Flache Ziegeldächer gewünscht

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Eine von Knoll durchgeführte, private Umfrage bei über 160 Personen habe ergeben, dass Nicht-Landwirte nicht zu große Stallgebäude mit flachen, ziegelgedeckten Dächern wünschten, wie er erklärte. Besonders geschätzt seien begrünte Dächer. Knoll, der Gründächer ebenfalls schätzt, hat aber volles Verständnis, wenn angesichts der enormen Kosten kaum Gründächer bei Stallgebäuden gebaut werden.

Natürlich belassenes Holz im Stallbau komme den Verbraucherwünschen ebenfalls entgegen, während sie selbst beim Bau ihres Einfamilienhauses dem Baustoff Holz gegenüber oft sehr reserviert seien, wie Knoll kritisch anmerkte. Auf Kritik stießen Stallbauten besonders auch dann, wenn eine Eingrünung fehlte.

Verbraucher stellen überschaubare Ansprüche

Knoll hat die Erfahrung gemacht, dass die Verbraucher insgesamt aber eher überschaubare Ansprüche an den Stallbau stellen. Eine klima- und umweltgerechte Bauweise sei heute für alle Baumaßnahmen wichtig, nicht nur für landwirtschaftliche Gebäude.

Knoll selbst ist erfreut, dass er in seinen Beratungen seit 20 Jahren neben Tierwohl und arbeitswirtschaftlichen Aspekten auch Klima- und Umweltaspekte mit habe einfließen lassen. Diese seien heute allgemein akzeptiert. Stets habe er die Verwendung von unbehandeltem Holz empfohlen, etwa auch für massive Stalldecken.

Besucher der Ausstellung erhielten eine umfangreiche, kostenfreie Dokumentation mit einer ausführlichen Darstellung aller ausgewählten und vorbildhaften Stallgebäude mit Beschreibung, Plänen und Bildern.

 

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