Potenzial für mehr Bio ist da

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Margarete Schreyer
am Mittwoch, 27.02.2019 - 14:22

Regionale Mitgliederversammlung der Allgäuer Bioland-Betriebe

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Bertoldshofen/Lks. Ostallgäu Im Allgäu wirtschaften derzeit 657 Ökobetriebe nach den Richtlinien von Bioland, rund 85 % davon sind Milcherzeuger. 27 neue Betriebe wurden im vergangenen Jahr in der Region bei Bioland aufgenommen, gekündigt hatten fünf. Drei davon gaben ihre Höfe auf, zwei wechselten zu anderen Anbauverbänden. Mittlerweile kommen etwa 25 bis 30 % der bayernweiten Bioland-Verbandsbetriebe aus dem Allgäu.

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Diese Zahlen nannte Martin Hermle, Teamleiter und Berater an der Bioland-Geschäftsstelle Kempten, bei der Bioland Regionalversammlung in Bertoldshofen. Die zahlreichen Bäuerinnen und Bauern der elf Allgäuer Bioland-Gruppen, die an diesem Morgen angereist waren, konnte der Saal beim Königswirt kaum fassen. Regionalsprecher Stefan Schreyer freute sich, auch den Bioland-Landesvorsitzenden Josef Wetzstein als Hauptreferenten, die Bayerische Biokönigin Carina I. und den Vorsitzenden des Agrarausschusses des Bayerischen Landtags, Dr. Leopold Herz aus Wertach, begrüßen zu können.

In Bayern derzeit auf 10 % der Nutzfläche Bio

Wie Wetzstein ausführte, werden derzeit 10 % der bayerischen landwirtschaftlichen Nutzfläche ökologisch bewirtschaftet. Im Koalitionsvertrag zwischen CSU und Freien Wählern steht: „Die bundesweite Spitzenposition Bayerns im ökologischen Landbau wollen wir kraftvoll ausbauen. Wir wollen den Anteil der ökologisch bewirtschafteten Flächen in Bayern mittelfristig verdoppeln.“ Wenn man „mittelfristig“ als einen Zeitraum von rund 10 Jahren sehe, bedeute dies, dass jetzt auch von politischer Seite die entsprechenden Rahmenbedingungen gestellt werden müssen, so der Landesvorsitzende. Die Aussichten für einen Umbau der Land- und Lebensmittelwirtschaft sieht er sehr positiv, „denn regionale Qualität ist gefragt und das System Biolandbau wird praxisreif“. Der Verband müsse nun ein gemeinsames Ziel entwickeln, um mit Partnern verstärkt eine Biowertschöpfungskette zu schaffen.

Kooperation mit Lidl rückt Bio ins Bewusstsein

Die neue Kooperation zwischen dem Lebensmittelriesen Lidl und Bioland sei nur ein Beispiel dafür, wie die hochwertigen Bioprodukte vermehrt in die Mitte der Gesellschaft gebracht werden können. Innerhalb des Verbandes habe man die Chancen und Risiken dieser Zusammenarbeit intensiv diskutiert. Vertraglich abgesichert seien dabei sieben Mindestkriterien zu Sortiment oder Lieferbeziehung, Fairplay-Regeln, die Erzeuger, Hersteller und Zulieferer absichern und eine Ombudsstelle zur Schlichtung von Verstößen gegen die Leitlinien.
Wetzstein versuchte den Biobauern die Angst vor zu geringem Absatz für Bioprodukte zu nehmen, die viele bei einer Ausweitung des Ökolandbaus umtreibt: „Auch wenn der Biomarkt wächst, werden insgesamt ja nicht mehr Lebensmittel erzeugt, dann wird eben mehr Bio gegessen“, so seine Meinung. Potenzial für mehr Absatz von Biolebensmitteln sieht er zudem in den Öko-Modellregionen, hierfür wurden in Bayern 27 neue Anträge gestellt.
Wetzstein ging auch auf das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ ein, das Bioland unterstützt hat. „Es geht hier um Dinge, die auch wir Bauern in den letzten 20 bis 30 Jahren verursacht haben, deshalb sind wir hier in erster Linie gefragt“, betonte er. Massiv ärgere ihn jedoch, dass von den Gegnern des Volksbegehrens mit Halbwahrheiten gearbeitet wird. „Es wird beispielsweise die Zielformulierung für 30 % Ökolandbau als gesetzliche Grundlage vermittelt“, so Wetzstein. Für ihn ist indes klar, dass nach einem Zustandekommen des Volksbegehrens mit den Landwirten zusammen, ob konventionell oder bio, ein vernünftiger Gesetzesentwurf ausgehandelt werden muss.

Verschiedene Meinungen zum Volksbegehren

Dass es zum Volksbegehren auch unter den Bioland-Bauern verschiedene Meinungen gibt, zeigte dann die kontroverse Diskussion. „Ein Verband wie Bioland muss auch unterschiedliche Ansichten aushalten“, sagte der Landesvorsitzende und bat die Bäuerinnen und Bauern, sich nicht auseinanderdividieren zu lassen. „Wenn aber Gesetze nicht mehr das widerspiegeln, was die Gesellschaft will, sind wir auf der falschen Seite“, betonte er.
Nach den Berichten aus dem Bioland-Jahr, aktuellen Informationen aus der Beratung und der Gruppenarbeit wurden langjährige Mitglieder geehrt und Neumitglieder vorgestellt. Ein leckeres Bioessen und von den Bäuerinnen gebackene Kuchen sorgten für das leibliche Wohl.

Mit einem speziellen Bioland-Programm unterhielt der Mundart-Kabarettist Broadway Joe am Nachmittag und forderte dabei immer wieder zum Mitsingen auf. Sein Abschlusslied „Ja den Verband, den gibt es in ganz Deutschland, doch wir sind stolz aufs Allgäu-Bioland“ spiegelte dabei bestens die Stimmung auf der Versammlung wider.