Engagement

Politik wird immer wichtiger

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Dr. Michael Ammich
am Mittwoch, 02.06.2021 - 16:34

Landwirtschaft muss mehr erklärt werden, findet Josephine Glogger-Hönle aus Attenhofen. Dazu hat sie Info-Tafeln angefertigt und am Feldrand aufgestellt.

Das muss echte Liebe sein. Seit ihrem siebzehnten Lebensjahr hilft Josephine Glogger-Hönle ihrem Vater mit großer Leidenschaft in der Außenwirtschaft. Ihre Liebe zur Landwirtschaft geht soweit, dass die 22-Jährige auch andere Menschen an ihrer Freude am Arbeiten in der freien Natur teilhaben lässt. Am Rand von mehreren Äckern und am Wald hat sie solide gezimmerte Info-Tafeln aus Holz aufgestellt, mit denen sie den Spaziergängern und Radfahrern in der Attenhofener Flur (Lks. Neu-Ulm)wesentliche Elemente der pflanzlichen Urproduktion erklärt. Die Passanten nehmen sich oft und gern die Zeit, die Info-Tafeln ausgiebig zu studieren, hat die Jungbäuerin festgestellt.

Josephine Glogger-Hönle

Dabei hat Josephine Glogger-Hönle weder eine landwirtschaftliche Ausbildung noch ein Agrarstudium absolviert, sondern an der LMU München ihren Bachelor in Politikwissenschaft und Geografie gemacht – und das ganz bewusst. „Ich habe mich für die Politik entschieden, weil diese für die Landwirtschaft immer wichtiger wird.“ Mit ihrem Studium hofft Josephine für die sich zuspitzenden Auseinandersetzungen zwischen den gesellschafts- und umweltpolitischen Strömungen gerüstet zu sein. In ihrem Bundestagspraktikum beim Neu-Ulmer SPD-Abgeordneten Dr. Karl-Heinz Brunner konnte sie tief in den Maschinenraum der Berliner Politik eindringen. Und praktische Erfahrungen in der Landwirtschaft hat sie ja ausreichend auf dem Hof ihrer Eltern gesammelt.

Josephines Vater Anton Glogger-Hönle bewirtschaftet den Ackerbaubetrieb in Attenhofen zusammen mit seiner Frau Karin, einer ausgebildeten Hauswirtschafterin und Naturpädagogin. Der Betriebsleiter arbeitet als Berater für den Erzeugerring für Pflanzenbau Südbayern und ist den Landwirten der Region bestens aus seinen vielen Vorträgen auf Futterbautagen und anderen Veranstaltungen bekannt.

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Karin Glogger-Hönle hatte schon des Öfteren Schulklassen und Kindergartengruppen zu Gast auf dem Betrieb. Den Bauernhof als Lernort will sie künftig intensivieren. Und auch Josephines Großmutter Klothilde Hönle war und ist als Neu-Ulmer Kreisbäuerin und jetzige Ehrenkreisbäuerin eine feste Säule des bäuerlichen Lebens und der ländlichen Kultur in der Region.

Josephine selbst hat im April eine Arbeitsstelle beim Verein i.m.a. – information.medien.agrar angetreten. Als Koordinatorin für das Projekt „Landwirtschaft macht Schule“ will sie möglichst viele Bäuerinnen und Bauern motivieren, aktiv in den Schulunterricht zu gehen. Auf der anderen Seite spricht sie auch Lehrkräfte an, damit sie die Landwirtschaft in ihren Unterricht einbinden. Josephine hat das große Glück, dass sie auch nach der Coronakrise ihrer Arbeit für den Verein im Homeoffice auf dem elterlichen Bauernhof nachgehen kann. Im Netzwerk „Land schafft Verbindung“ (LsV) hat sie eine glückliche Verknüpfung von Politik und Landwirtschaft gefunden.

„Als ich in München studierte, habe ich die Demonstrationen des LsV mitbekommen. Das hat meine Neugier geweckt und ich bin in die LsV-WhatsApp-Gruppe eingetreten.“ Dabei habe sie gemerkt, dass ein großes Potenzial in dem Netzwerk steckt, erinnert sich Josephine. „Ich wollte nicht nur zusehen und kritisieren, sondern dabei mithelfen, dieses Potenzial auszuschöpfen.“ So kam die Attenhofenerin zur Pressearbeit und wurde schließlich als Pressesprecherin das Gesicht des LsV Schwaben.

Einen Fragebogen für die Abgeordneten

Im Bayern-LsV wirkt sie im „Team Öffentlichkeitsarbeit“ mit und plant derzeit eine unabhängige Website, die Bäuerinnen und Bauern eine Entscheidungshilfe bei der Bundestagswahl im Herbst geben soll. Bis dahin möchte sie allen schwäbischen Bundestagsabgeordneten einen Fragebogen zustellen, auf dem sie ihre Haltung zu den drängenden Fragen der Landwirtschaft bekennen sollen. Auch dem LsV Deutschland arbeitet Josephine in Sachen Öffentlichkeitsarbeit zu.

Der Betrieb Glogger-Hönle wurde bereits im Jahr 1596 erstmals urkundlich erwähnt. Seither ist er ohne Unterbrechung im Besitz der Familie. Von ihrem Vater hat Josephine das Wertschätzen der bäuerlichen Urproduktion gelernt, die Liebe zum bäuerlichen Beruf und die Dankbarkeit. Der konventionelle Ackerbaubetrieb bewirtschaftet im Nebenerwerb rund 50 ha Nutzfläche und 8 ha Wald. Bis 2011 standen Mastschweine auf dem Hof. „Damit haben wir aber aufgehört, als der Schlachtbetrieb in Weißenhorn, an den wir unsere Schweine lieferten, aufgegeben hat. Den Transport zum Schlachthof in Ulm wollten wir den Tieren nicht zumuten.“

Seit Josephine ihren Vater in der Außenwirtschaft begleitet, hat sie eine wachsende Entfremdung der Bevölkerung zur Landwirtschaft festgestellt. „Die wenigsten Leute wissen, was auf den Feldern wächst, und viele lassen ihre Hunde in die Wiesen und Äcker laufen. In der Erntezeit kommt es immer wieder vor, dass Radfahrer keinen Platz machen wollen, wenn wir mit unseren Maschinen zu den Feldern fahren.“
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Dem fehlenden Verständnis für das bäuerliche Arbeiten wollte Josephine nicht weiter tatenlos zusehen. Sie kam auf die Idee, Info-Tafeln mit Erklärungen am Feldrand aufzustellen. Ihr Vater unterstützte sie und half ihr beim Anfertigen der soliden Holzständer, auf die sie laminierte DIN A4-Blätter heftete. Die Texte steuert Anton Glogger-Hönle bei, die Fotos nimmt Josphine auf den eigenen Feldern auf. Die Schilder stehen an Orten, die häufig von Spaziergängern und Radfahrern frequentiert werden. Auf insgesamt neun Tafeln wird ihnen erklärt, was die Landwirte in der Region anbauen und wie sie dabei arbeiten. Je nach Jahreszeit und Kultur werden die Taflen unterschiedlich bestückt.

Die Tafel „Hereinspaziert“ ermuntert die Passanten, auf einem mit Hackschnitzeln ausgelegten Weg ein Stück weit in eine Zwischenfruchtkultur hinein zu spazieren. Dabei werden ihnen die einzelnen Pflanzen der Mischung vorgestellt und die Vorteile der Zwischenfrüchte erklärt: Bienenweide, Humus- und Nährstoffaufbau, Winterquartier für Insekten, Deckung für Säugetiere und Vögel.

Die Tafel „Energieprotz Mais“ macht auf das energiereiche Futter für Rinder und den nachwachsenden Rohstoff als regionalen Energielieferanten für die Menschen aufmerksam. Auch um das Thema Pflanzenschutz drückt sich Josephine nicht herum. Auf einer weiteren Tafel zeigt sie auf, dass der integrierte Pflanzenschutz der Erzeugung von gesunden Lebensmitteln dient. Beikräuter und Gräser werden gezielt mit Wirkstoffen behandelt, wenn sie in Konkurrenz zur Kulturpflanze stehen, erfährt der Leser. Außerdem beuge der Pflanzenschutz Krankheiten der Kulturpflanzen vor, wie sie etwa durch ungünstige Witterungseinflüsse entstehen können.

Lob für die Schilder an den Feldern

„Zähl doch mal…“ fordert ein Schild die Passanten auf, all die Tiere zu erfassen, die ihnen in der bäuerlichen Flur begegnen. Dabei werden sie feststellen, dass es so unsagbar viel mehr Tiere auf den Feldern und Wiesen gibt, als in ihren Hausgärten.

Auf einem weiteren Schild ist ein Gedicht angebracht, das Anton Glogger-Hönle selbst verfasst hat. Es schildert die Freuden des Landwirts an seinem Beruf, an seiner Arbeit in und mit der Natur. „Das Gedicht findet großen Anklang“, sagt Josephine. „Oft stehen Leute an der Tafel und lesen es sich gegenseitig vor.“ Aber auch die Landwirte der Umgebung finden Lob für die Schilder an den Feldern. Josephine hofft, dass die Texte und Bilder nicht nur den Intellekt der Menschen ansprechen, sondern auch ihre Seele berühren. „Es wäre schön, wenn jemand nach dem Betrachten der Tafeln die Landwirtschaft in sein Herz schließt.“