Digitaler Austausch

Palmöl muss nicht sein

Palmöl Schmuckbild
Toni Ledermann
am Donnerstag, 01.04.2021 - 15:06

Unterallgäuer Landfrauen im BBV informierten sich bei einem Online-Fachreferat über Alternativen.

Waschmittel, Lippenstift und Biosprit haben neuerdings eines gemeinsam: Überall ist Palmöl drin. Aber nicht nur da: Auch Fertigsuppen, Schokoriegel, Eiscreme, Kekse, Kerzen, Frittierfett, Haarshampoos und Margarine enthalten mittlerweile das im unverarbeiteten Zustand durch Karotine orange gefärbte Pflanzenöl.

Unterallgäus Kreisbäuerin Margot Walser und ihr Vorstandsteam haben für eine Online-Informationsveranstaltung Petra Düring vom BBV Bildungswerk, Geschäftsführerin Oberbayern, und Referentin „Märkte und Landfrauen“ des Bezirksverbands Oberbayern, engagiert. Ihr Thema lautete „Palmöl in Lebens- und Futtermitteln“.

Mit einer Bambusstange wird geerntet

Doch woher stammt überhaupt Palmöl? Ölpalmen entwickeln ab dem dritten Jahr Früchte. Die Ernte der Fruchtstände erfolgt bei jungen Palmen mit einer langen Bambusstange, an deren Ende eine Art Sichel befestigt ist. Mit einem Ruck werden die Stiele der Fruchtbüschel durchtrennt. Die Ölpalme (Elaeis guineensis) ist ursprünglich in den Regenwäldern von Westafrika beheimatet und war dort als Nutzpflanze bekannt.

Referentin BBV Petra Düring

Erste Berichte über das Palmöl gelangten 1466 durch portugiesische Seeleute nach Europa. Die Pflanze selbst wurde erst 1763 wissenschaftlich beschrieben. 1848 kam die Ölpalme nach Asien, zunächst als Zierpflanze in Botanischen Gärten: je zwei Palmen aus dem Botanischen Garten von Amsterdam und von Réunion nach Bogor (Indonesien) und von da später weiter nach Singapur und Sumatra. Derzeit kommt Palmöl vor allen Dingen aus zwei Ländern: Malaysia und Indonesien, die sich seit Jahren ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Marktführerschaft liefern. Sie schaffen gemeinsam über 85 % der globalen Palmölproduktion. Indonesien produzierte im Wirtschaftsjahr 2008/09 rund 19,5 Mio. t, das sind 44 % der Welternte, auf einer Fläche von 7,1 Mio. ha und Malaysia etwa 18 Mio. t auf 4,5 Mio. ha Plantagengrund.

Die Anbaufläche für die Palmölproduktion steigt stetig – und ein Ende ist nicht abzusehen. Die Produktion weltweit beträgt 74 Mio. t, 2002 waren es noch 28 Mio. t. Allein Indonesien plant die Plantagen bis 2025 auf 20 Mio. ha auszudehnen und andere Länder weiten die Flächen ebenfalls aus. Welche Staaten liegen vorn beim Verbrauch? Das sind Indonesien mit 20 % und Indien mit 13 %. Die EU liegt mit 9 Prozent gleichauf mit China. Deutschland liegt bei etwa 1,1 Mio. t/Jahr. Das entspricht rund 1,5 % der Weltproduktion an Palmöl.

Warum wird Palmöl so gerne eingesetzt? Es ist bereits bei Zimmertemperatur fest, im Gegensatz zu Sonnenblumen-, Oliven- und Rapsöl und muss deshalb nicht gehärtet werden. Es ist geschmacksneutral, lange haltbar und wird deshalb nicht schnell ranzig und durch die Mischung von Palmöl mit anderen Ölen lässt eine streichfähige Margarine herstellen. Weiter ist es industriell gut verwertbar und vor allem deutlich billiger als andere Pflanzenöle.

Kleinbauern werden oft vertrieben

Doch Palmöl hat nicht nur Vorteile. Eine Reihe an Nachteilen zählt Petra Düring auf: Rodung von Tropenwäldern und die Zerstörung von Lebensräumen zum Beispiel (mehr dazu lesen Sie auf Seite 9). Palmöl steht deshalb in der Kritik: Dass nur 20 % der Palmölplantagen von Kleinbauern bewirtschaftet werden, zeigt, wer das Sagen hat. Die Kleinbauern werden oft vertrieben oder landen als Arbeiter auf neuen Plantagen mit widrigen Arbeitsbedingungen. Als Reaktionen auf die Kritik hat schon 2004 der WWF einen runden Tisch ins Leben gerufen, an dem Unternehmen bis hin zu Banken und Nichtregierungsorganisationen sitzen, um Verbesserungen zu erreichen.

Wie stark dieses Öl in den Produkten des täglichen Bedarfs verwendet wird, zeigte die Referentin ebenfalls und spornte die Bäuerinnen an, bei Einkäufen die Inhaltsstoffe der Lebensmittel zu kontrollieren: Oft werden sie auf Palmöl stoßen. Auch in Kinderprodukten bekannter Marken. In der Futtermittelbranche liegt der Palmölanteil bei 26 %.

Im Video sehen Sie mehr zu den Kritikpunkten rund um die Produktion von Palmöl:

 

Margot Walser hatte die Veranstaltung eröffnet und sich erfreut gezeigt, dass doch viele Frauen an dieser Veranstaltung teilnahmen. Sie dankte Johann Utler vom BBV-Organisationsteam für die vorbereitenden Arbeiten zu diesem Termin und wies darauf hin, dass das Thema „Palmöl“ bisher weitgehend im Dunkeln lag und blickte kurz auf die bisher durchgeführten Versammlungen zurück. Aber auch politisch war der BBV aktiv: So gab es verschiedene Gespräche, unter anderem mit dem heimischen Abgeordneten Stefan Stracke. Sie ging auch auf die Problematik der Roten Gebiete ein, welche die Landwirtschaft belasten, da sie bei der Bearbeitung Probleme aufwerfen.
Weiter forderte die Kreisbäuerin, dass Bauern unbedingt ein Einkommen erwirtschaften müssen, mit dem sie auskommen können und darüber hinaus auch Finanzmittel benötigen, um Investieren zu können. Daher appellierte Walser an die Politiker aller Ebenen, sich hierfür einzusetzen. Sie betonte, dass die Bauern-Außenarbeit die Natur vorgibt und es deshalb unrealistisch sei, wenn diese Arbeit der Bauern am „grünen Tisch“ verbindlich festgelegt werde.

Bauernverband empfiehlt nachhaltigere Alternativen

Palmöl komplett durch Alternativen zu ersetzen, sei schwer möglich, machte Petra Düring vom BBV Weilheim an Zahlen deutlich. Würde man in Deutschland das Palmöl komplett austauschen, wären für die Gewinnung der „Ersatz-Pflanzenöle“ rund 1,4 Mio. ha mehr Anbaufläche nötig. Doch Palmöl ist umstritten, unter anderem aufgrund der Rodung von Regenwälder und der damit verbundenen Zerstörung von Lebensräumen. Rewe Österreich hat seine Eigenmarken von Palmöl auf Alternativen umgestellt und auch Spar Österreich hat 2018 Palmöl in seinen Eigenmarken ersetzt.

Für den Bayerischen Bauernverband überwiegen die Nachteile von Palmöl, gab Petra Düring die Position des Bauernverbandes wieder. Er rufe dazu auf, „Palmöl in Lebensmitteln durch nachhaltigere heimische Alternativen wie zum Beispiel Butter oder heimische Pflanzenöle zu ersetzen“. Außerdem fordere er, dass bei der Produktion von Palmöl soziale, ökologische und qualitative Standards eingehalten und kontrolliert werden müssen. Die Politik müsse sich eindeutig zu Biokraftstoffen aus heimischen Pflanzenrohstoffen, wie Rapsöl, bekennen und dies verstärkt fördern. Angeregt werde auch, dass Milcherzeuger bzw. Rinderhalter auf Milchaustauscher ohne Palmölzusatz setzen.

Lesen Sie mehr: Weltweit wird mehr als 70 % des erzeugten Palmöls in Nahrungsmittel eingesetzt, etwa 5 % in Energie und nur 1,2 % in Futtermittel. In Deutschland ist der Palmölverbrauch zur Energiegewinnung dagegen mehr als doppelt so hoch, wie in Lebensmitteln. Hier finden Sie den Artikel.

Mit Material von Anja Kersten