Entwicklungen

Original Braunvieh hält sich gut

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Externer Autor
am Montag, 21.06.2021 - 15:26

Fachberater Stefan Immler informiert über den Bestand, Leistungsentwicklung, neue Prüfstiere und Neuerungen zur Antragstellung ab 2021.

Bei gut 1000 Original Braunviehtieren hat sich der Bestand an Original Braunviehtieren in Bayern stabilisiert, 18 Kühe mehr, aber 13 Jungrinder weniger. Damit hat sich der OBV Bestand seit dem Tiefststand Anfang 2000 fast verdreifacht. Positiv ist auch, dass 92 organisierte Betriebe im Allgäu und im übrigen Bayern wenigstens ein OBV Tier halten.

Reine Allgäuer sindleicht rückläufig

Der Anteil der Kühe mit reiner Allgäuer Abstammung ging leider deutlich auf 18,3 % zurück. Das Durchschnittsalter aller OBV Kühe liegt bei 6,6 Jahren, bei den Mutterkühen bei 8,00 Jahren. Trotz der vielen Neuzugänge an jungen Kühen in den letzten Jahren liegt das Alter deutlich über den Vergleichszahlen anderer Rassen. Die reinen Allgäuer heben sich nochmals davon ab. Die Milchkühe sind 7,7 Jahre und die Mutterkühe gar 9,0 Jahre alt. Die beiden ältesten OBV Kühe sind mittlerweile 17 Jahre alt.

Das Original Braunvieh findet besonders in den nördlichen Bundesländern neue Freunde. Mittlerweile halten dort 33 Betriebe OBV Tiere mit gesicherter Abstammung. Zurzeit sind dies 64 Kühe, in der Mehrzahl wiederum als Mutterkühe und 26 Stück Jungvieh. Besonders fällt auf, dass hier der Anteil an Tieren mit reiner Allgäuer Abstammung besonders hoch ist. 27 Kühe und 11 Jungtiere sind in dieser „Kategorie A“ eingestuft.

Nicht nur der Bestand an weiblichen Tieren nimmt kontinuierlich zu, sondern auch die Zahl der eingesetzten Deckbullen. Im letzten Jahr wurde für 13 Stiere eine Halteprämie beantragt und ausbezahlt. Die Ausdehnung der Stierhaltung hilft seltene Abstammungen zu erhaltenen und einer Verengung der Blutlinien vorzubeugen.
Wie beim Braunvieh hat sich die durchschnittliche Milchleistung im Jahr 2020 bei den Originalen nicht weiter erhöht. Dies ist auch nicht das vorrangige Ziel bei den Originalen, sondern die stetige Verbesserung der Fitnesseigenschaften, wie Langlebigkeit, und der Erhalt der sehr guten Masteigenschaften der Kälber und Rinder sowie der hervorragenden Fleischqualität. Beim Vergleich der Leistungen zwischen den verschiedenen Rassen ist zu beachten, dass ein Großteil der Tiere in extensiv bzw. biologisch wirtschaftenden Betrieben steht. Trotzdem sind einzelne Kühe mit 8000 kg und höherer Jahresleistung vorhanden.

Große Vielfalt an Besamungsstieren

Über die Besamungsstationen steht den Betrieben eine große Auswahl an Original-Besamungsbullen zur Verfügung. Über 40 OBV-Stiere wurden z. B. im vergangenen Jahr von der Station Memmingen eingesetzt. Gemeinsam mit der Station Greifenberg wurden 1318 Erstbesamungen mit OBV-Sperma registriert. Die hohe Zahl an Erstbesamungen zeigt, dass OBV-Stiere auch gezielt zur Rückkreuzung von Brown Swiss eingesetzt werden.
Im großen Pool der OBV-Genetik werden Stiere mit reiner Schweizer Abstammung, wie Landgraf OB oder Stiere aus der Kombination Schweiz x Allgäu, wie die Stiere Vulkan OB, Phönix oder Harax angeboten. Das zahlenmäßig größte Kontingent stellen die Stiere mit reiner Allgäuer Blutführung. Dazu zählen Idan, Singau, Ilian und Armin als töchtergeprüfte Vererber sowie Sieger, Ideal und Poker, deren erste Töchter jetzt abkalben. Bei der Anpaarung sollte dies stets berücksichtigt werden. Insbesondere sollten Kühe mit reiner Allgäuer Abstammung ausschließlich mit Allgäuer OBV Bullen belegt werden.
Die beiden jüngsten Prüfstiere sind nachfolgend detailliert beschrieben:
  • Mit Waller OB 10/00356840 hat die Besamungsstation Greifenberg einen OBV-Prüfstier mit seltener Blutführung im Einsatz. Waller geht ausschließlich auf alte Allgäuer OBV-Linien zurück. Vater ist der Bulle Wurf, der in Baden Württemberg stärker im Einsatz war, von dem aber bisher kein Sohn in den Besamungseinsatz gestellt wurde. Auch der Muttersvater Globus, der auf die bekannte Gauner-Linie zurückgeht, ist in der OBV-Population eher selten vertreten. Zwei Söhne von Globus sind im Besamungseinsatz: Granat von der Bayern Genetik und Gauner OB von der RBW. Mit Ilanz taucht ein weiterer Stier mit Württemberger Wurzeln in der 3. Generation des Pedigrees auf. Danach folgen mit Nilan, Amkil, Walhall und Pozol bekannte Vererber der OBV Zucht. Waller eignet sich aufgrund seiner seltenen Blutführung besonders zur Anpaarung an Töchter des Bullen Singau, der in den letzten Jahren stark im Einsatz war.
  • Pepe OB 10/00346780 ist ein Sohn des bekannten OBV-Vererbers Perseus, der Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre stark in der Besamung eingesetzt war. Perseus war wegen seiner leichten Geburten viel auf Jungrinder besamt worden. Außerdem besticht er auch heute noch mit einer hervorragenden Persistenz (127) und Nutzungsdauer (118) bei seinen Töchtern. Mit einem Gesamtzuchtwert von 76 liegt er nach wie vor im guten Mittelfeld bei den OBV Bullen. Leider ist sein Spermavorrat aufgebraucht, so dass Pepe wohl die letzte Option war, einen Perseus Sohn in die Besamung einzustellen. Pepe hat eine reine Allgäuer Blutführung und geht mütterlicherseits auf den Deckstier Nilpam zurück. Nilpam ist ein Nilpo Sohn aus einer Amtsrat Tochter. Auf der mütterlichen Seite stehen mit Amkil, Idoseus, Amlex, Walhall und Pozol weitere bekannte OBV Vererber im Pedigree.

Förderanträgenur noch online

Im aktuellen Förderjahr 2021 stehen weitreichende Veränderungen im Fördervollzug an. Zahlungs- und Förderanträge können fortan ausschließlich online gestellt werden. Der Zeitraum für die Antragstellung beginnt für beide Antragsstufen am 15. September und endet mit Ablauf des 15. November 2021. Aktuell erfolgt die Umsetzung der technischen Plausibilisierung, um falsche Eingaben durch Antragsteller möglichst ausschließen und gestellte Zahlungsanträge für das ZAP freigeben zu können.
Der Fördervollzug der Maßnahmen im Tierzuchtprogramm wechselt im Rahmen der Neuausrichtung der Landwirtschaftsverwaltung zum 1. Juli 2021 für alle Tierarten (Rind, Pferd, Schaf und Ziege) an das Sachgebiet L1.3 Investitionsförderungen, Leader, des AELF Coburg-Kulmbach. Die fachliche Zuständigkeit für die Beratung im Sinne der Erhaltung tiergenetischer Ressourcen wird ab 1. Juli 2021 von den künftigen Sachgebieten L2.3 T Nutztierhaltung, bisher Fachzentrum für Rinderzucht, wahrgenommen.