Waldbau

Ohne Fördermittel geht nichts mehr

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Susanne Lorenz-Munkler
am Mittwoch, 15.07.2020 - 08:12

MdB Stephan Stracke besichtigt vor Ort Holzbringung und Nasslager in Ostallgäu

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Dankbar zeigten sich die Rechtler aus Pfronten und Nesselwang und die Vertreter der forstlichen Zusammenschlüsse des Ostallgäus angesichts des Besuches von MdB Stephan Stracke. Der informierte sich vor Ort über die Situation im Wald nach den Februarstürmen, über verschiedene Möglichkeiten der Holzbringung und die Preissituation auf dem Holzmarkt.

Gabi Schmölz, Vorsitzende der FBG Füssen, betonte bei der Begrüßung, dass die rege Teilnahme der Waldbesitzervertreter, Behördenvertreter und Rechtler die Notwendigkeit einer waldbaulichen Förderung verdeutliche.

Auch Stephan Kleiner, Bereichsleiter Forsten am AELF Kaufbeuren, betonte: „Ohne Förderung holen unsere Waldbesitzer das Sturmholz nicht mehr aus dem Wald. Denn dabei zahlen sie im Moment drauf.“

Transportkosten 35 €/fm, Holzpreis 30 €/fm

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Erste Station des Waldbegangs war ein Forst des Rechtlerverbands Nesselwang. Ein Fichtenreinbestand auf rund 1500 m Höhe, dem der Februarsturm „Sabine“ arg zugesetzt hatte: Rund 1000 fm Schadholz lagen in äußerst schwierigem alpinen Gelände und mussten zum Teil mit dem Seilkrahn aus den Hängen und Tobeln geholt werden.

Rechtler-Chef Thomas Theil erläuterte diese Technik der Holzbringung. Die Funktionsweise der Seilbahn erklärte Forstdienstleister Thomas Hösle. Für einen Festmeter zu transportierendem Holz fielen 35 € Kosten an, der Erlös für das Holz liege derzeit aber nur mehr knapp über 30 € pro Festmeter.

Was mach‘ ich da eigentlich?

Der Geschäftsführer der FBG Füssen, Dieter Stosik, erklärte weitere Hintergründe. „Wir müssen die Stämme dringend aus dem Wald schaffen, da sie potenzielles Brutmaterial für den Borkenkäfer darstellen. Aber Sturmholz kann derzeit nicht einmal mehr gehäckselt verkauft werden, da der Markt zusammengebrochen ist. Der Freistaat gibt jetzt gottseidank Zuschüsse, wenn wir das gehäckselte Material im Bestand wieder ausbringen. Vom Nährstoffsaldo her ist das gut. Aber als Wirtschafter denkt man sich manchmal schon: Was mach‘ ich da eigentlich?“

Das Hackgut könnte seiner Meinung nach fossile Brennstoffe ersetzen. Aber auch beim Energieholz sei derzeit ein totaler Preisverfall zu beklagen. „Jedes Holzsegment auf dem Markt ist überflutet“.

Das Überangebot resultiere aus den Februarstürmen, aber auch aus dem flächigen Fichtensterben in Mitteldeutschland. „Wir haben das Glück, dass sich bei uns heuer der Käfer zurückhält. Wir müssen aber schauen, dass sich die Population nicht wieder aufbaut. Das Holz muss raus. Gehäckseltes Holz ist für den Käfer uninteressant.“

Nur noch Schadholz aufgearbeitet

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Die zweite Station, die der Ostallgäuer Bundestagsabgeordnete besichtigte, war ein Nasslagerplatz des Rechtlerverbandes Pfronten im Vilstal. Christian Neutzner, Vorsitzender des Rechtlerverbandes Pfronten, stellte seinen Verband vor. Dieser existiert in der jetzigen Form seit 1923.

Die 432 Anteilseigner besitzen etwa 2400 ha eigenen Wald. Dabei handle es sich um sehr viel Schutzwald. Die jährlichen Hiebsmengen lägen zwischen 6000 bis 9000 Festmetern. Die Forstwirtschaft mache etwa ein Drittel des Umsatzes des Rechtlerverbands aus.

Seit 2019 aber sei der Einschlag komplett weggefallen. „Wir haben nur Schadholzaufarbeitungen gemacht. Sonst nichts. Auch die Hiebsplanung 2020 wurde auf 2021 verschoben, weil die Februarstürme etwa 9000 fm Schadholz hinterlassen haben. Seit Mitte April waren drei Seilbahnen am Laufen, ein Harvester, ein Rückezug, ein Seilbagger, und eine Seilraupe.

Und nachdem man derzeit keine Chancen sehe, das Holz zu vermarkten, hat der Rechtlerverband Pfronten im Vilstal ein Nasslager eingerichtet, wo momentan 5800 fm Holz gelagert werden.

Allein für die Bringung und Aufarbeitung des Holzes habe man 200 000 € vorfinanzieren müssen. Neutzner: „Es ist für einen Forstbetrieb derzeit nicht lustig. Ohne Förderung wäre das nicht mehr möglich.“

Gesamtinvestition für das Nasslager bei 70 000 €

Man habe wie andere forstliche Zusammenschlüsse über Trockenlager nachgedacht, aber in Pfronten keinen Platz gefunden. Das Wasser für das Nasslager werde aus dem „Kalten Bach“ entnommen in einer 1,1 km langen Leitung. Das Gefälle sorge für den nötigen Druck.

Die Gesamtinvestition für das Nasslager lag allein bei 70 000 €. „Das ist nur möglich, da wir 80 Prozent Förderung erhalten“, wiederholte sich Neutzner. Auch nach dem Orkan Wiebke 1990 sei das Holz drei Jahre im Nasslager gelagert worden.

„Ein Jahr Lagerung geht gut, zwei gehen gerade noch. Dann hat man mit dementsprechenden Einbußen bei der Holzqualität zu rechnen. Aber erst wenn der Preis sich auf 65 bis 70 € erhöht, verkaufen wir“, so Neutzner.

Revierleiter Manfred Zinnecker stellte die Fördersituation dar: Die bayerischen Programme griffen sehr gut. Für Seilbringung gebe es entweder pauschal 30 € im Schutzwald und dessen Einzugsbereich oder 15 € pauschal in Abhängigkeit, wieviel Festmeter pro Laufmeter Seillänge gebracht werden. „Wichtig ist, dass man den Waldbesitzern gut unter die Arme greift“.

Guten Eindruck mitgenommen

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MdB Stephan Stracke zeigte sich beeindruckt. „Ich habe einen guten Eindruck mitgenommen, was die Bemühungen hier angeht. Ich habe auch die Abhängigkeiten, die es gibt, verstanden. Mir wurde deutlich, wie wichtig es ist, dass wir diese Förderungen fortführen auf einem hohen oder noch höheren Niveau. Und dass es wichtig ist mit der Gesellschaft darüber zu diskutieren. Wir müssen immer wieder deutlich machen, wie wichtig auch die Holznutzung ist. Und dass Holznutzung auch Klimaschutz bedeutet.“