Bauernhof-Frühschoppen

Ökologie - Bauern brauchen Luft zum Atmen

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Michael Ammich
am Montag, 01.10.2018 - 13:27

Landwirtschaftsvertreter machen bei Politikergespräch im Donau-Ries ihre Probleme deutlich.

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Allein von der Ökologie und vom Tierschutz kann keine bäuerliche Familie leben. Wenn die Bevölkerung auch künftig noch Lebensmittel aus der Region kaufen will, muss sie den landwirtschaftlichen Betrieben auch ein ökonomisches Wirtschaften und bei allen Anforderungen an den Umweltschutz und das Tierwohl noch Luft zum Atmen lassen. So lautete die Botschaft, die der Donau-Rieser BBV bei seinem Bauernhof-Frühschoppen auf dem Betrieb von Alexandra und Günter Löfflad in Enkingen im Donau-Ries den örtlichen Kandidaten vor der Wahl mit auf den Weg gab.

Kreisobmann Karlheinz Götz stellte dem versammelten BBV-Kreisvorstand die zum Frühschoppen erschienenen Landtagskandidaten vor: MdL Wolfgang Fackler (CSU, Donauwörth), Franz Ost (Listenkandidat CSU, Donauwörth-Riedlingen), Eva Lettenbauer (Bündnis 90/Die Grünen, Daiting-Reichertswies), Georg Wiedemann (SPD, Oettingen) und Ulrich Singer (AfD, Nördlingen). Neben Götz und Kreisbäuerin Ruth Meißler beteiligten sich an der Diskussion vom BBV-Kreisvorstand auch die Vizekreisbäuerin Susanne Löfflad (Balgheim), Michael Mair (Münster), Sabine Fackler (Wemding), Friedrich Wenig (Nähermemmingen), Gerhard Östreicher (Möttingen), Annelene Helmle (Niederhofen), Irene Thum (Forheim), Beate Deisenhofer (Wörnitzstein) und BBV-Kreisgeschäftsführer Michael Stiller.

Der Kreisobmann machte den Politikern den Stellenwert der Landwirtschaft im Donau-Ries-Kreis deutlich. Rund 2300 Betriebe bewirtschaften hier insgesamt 106 000 ha Äcker, Wiesen und Wald. Die tiefgründigen Böden im Ries bieten beste Voraussetzungen für den intensiven Ackerbau. So seien die Landwirte in der Region bei der extremen Sommertrockenheit glimpflich davongekommen. Trotz unterdurchschnittlicher Erträge sei die Versorgung mit Grundfutter gewährleistet. Größere Ertragseinbußen seien jedoch bei den Zuckerrüben und Kartoffeln zu erwarten. Götz erinnerte an die zahlreichen Unternehmen im Landkreis, die landwirtschaftliche Produkte verarbeiten, darunter Aviko und die Zuckerfabrik in Rain, die Schnellermühle und die Molkerei Zott.

Anliegen der Bauern

In all den landwirtschaftlichen Betrieben und nachgelagerten Unternehmen gibt es nicht nur Arbeitskräfte, sondern auch Wähler – Grund genug, dass sich die Landtagskandidaten ernsthaft mit den Anliegen der Bäuerinnen und Bauern befassen. Und diese sind zahlreich. So haben die bayerischen Landwirte allein in den Jahren 2011 bis 2015 insgesamt 19 200 ha produktive Fläche verloren, erklärte Götz. Das entspricht der Fläche eines kleineren Durchschnittsbetriebs. Dazu kommen noch erhebliche Verluste an Grund und Boden durch die Ausgleichsflächen für Bau- und Infrastrukturprojekte. „Aber eigentlich sollten ja die Landwirte im Außenbereich privilegiert sein“, stellte Götz fest. Kreisbäuerin Ruth Meißler wies darauf hin, dass es rund um Nördlingen mit die besten Böden Deutschlands gebe.
Eva Lettenbauer erinnerte an das gescheiterte Volksbegehren der Grünen, das einen Flächenverbrauch von höchstens 5 ha pro Tag in Bayern forderte. Eine solche Beschränkung würde einen starken Anreiz zu einem bewussteren Umgang mit den Flächen bieten. Am System der Ausgleichsflächen wollte die Grünen-Kandidatin jedoch nicht rütteln. Allerdings sollten Alternativen wie die ökologische Aufwertung von Flächen mehr gefördert werden. Außerdem müssten Städte und Gemeinden dafür sorgen, dass Bauvorhaben verstärkt im Innenbereich geplant und umgesetzt werden.
Mit ihren Bauprojekten gehen die Unternehmen meist dorthin, wo ihnen die billigsten Flächen angeboten werden, stellte SPD-Kandidat Georg Wiedemann fest. Hier müssten die Kommunen mehr zusammenarbeiten, anstatt sich gegenseitig Konkurrenz zu machen. „Der bäuerliche Grund und Boden ist für die Sicherstellung der Versorgung mit Lebensmitteln da“, bekräftigte Wolfgang Fackler. 90 % der Fläche Bayerns seien übrigens nicht zubetoniert, sondern Natur. Die Bürgermeister gerieten jedoch häufig unter Druck, wenn sich in ihren Gemeinden im Außenbereich ein Gewerbe ansiedeln und Arbeitsplätze schaffen will. Um ungenutzte Flächen in den Dörfern zu revitalisieren, bedürfe es geeigneter Programme und Steuererleichterungen bei Reinvestitionen. Letztere konnte sich die CSU im Bund nicht durchsetzen, bedauerte der CSU-Abgeordnete. „Wir brauchen beim Flächenverbrauch keine Verbote, sondern Anreize zur Revitalisierung und Ausgleichsflächen mit Augenmaß.“
BBV-Kreisgeschäftsführer Michael Stiller forderte eine Änderung der immissionsschutzrechtlichen Vorschriften, um Gewerbetreibenden eine Niederlassung in aufgegebenen innerörtlichen Hofstellen zu erleichtern. Kritik kam auch von Michael Weng. „Die Kommunen weisen ein Baugebiet nach dem anderen aus, nur um ihre Einwohnerzahl zu erhöhen.“ Ulrich Singer von der AfD sind besonders die Flutpolder ein Dorn im Auge. Sie führten letztlich dazu, dass Landwirte enteignet werden. Zudem sei das Leerstandsmanagement in den Städten seit Jahren vernachlässigt worden.

Tierwohldiskussion

Ein weiterer Schwerpunkt des politischen Frühschoppens war die Tierwohldiskussion. Die Betriebe müssten hier ständig neue Anforderungen erfüllen, klagte Karlheinz Götz. „Aber wir können ja nicht alle fünf Jahre einen neuen Stall bauen.“ Gehe es mit der Auflagenflut so weiter, werde es in Deutschland bald keine Tierhaltung mehr geben. Diese Entwicklung sei im Landkreis Donau-Ries bereits deutlich zu spüren. „Will die Gesellschaft wirklich, dass gerade die kleineren bäuerlichen Betriebe ihre Tierhaltung aufgeben?“, fragte Michael Stiller die Landtagskandidaten.
Dem entgegnete Eva Lettenbauer, dass die Grünen sehr wohl zwischen bäuerlicher und industrialisierter Tierhaltung zu unterscheiden wüssten. „In unserer Region dominiert ganz klar die bäuerliche Landwirtschaft.“ Als Rezept gegen die Schleuderpreise des Handels im Fleischbereich führte Lettenbauer eine klare und für Verbraucher leicht nachvollziehbare Kennzeichnung von Produkten aus besonders artgerechter Tierhaltung an. „Wir brauchen hier nicht Dutzende verschiedene Labels.“
Die Landwirtschaft müsse auf dem Feld und im Stall stattfinden und nicht im Büro, verlangte AfD-Kandidat Singer. Anstelle von immer mehr Auflagen und Dokumentationspflichten solle die Gesellschaft den Landwirten mehr Vertrauen entgegenbringen.
Günter Löfflad hat das „Gefühl, dass die Gesellschaft den konventionellen Betrieb verachtet“. Er selbst habe für seine Mastschweine vor wenigen Jahren einen Außenklimastall gebaut, der schon heute nicht mehr den Anforderungen der Tierwohl-Initiative entspreche. Dem Einzelhandel sei doch nur daran gelegen, sich über die immer neuen Tierschutzauflagen die großen industrialisierten Betriebe zu sichern. Die kleineren Betriebe könnten sich die Umsetzung dieser Auflagen nämlich oft gar nicht leisten. „Die Gesellschaft bringt den Lebensmitteln einfach keine Wertschätzung mehr entgegen“, stellte Vizekreisbäuerin Susanne Löfflad fest.

Hängepartie

Hier wollte CSU-Listenkandidat Franz Ost gleich einmal etwas klarstellen: Es gebe sowohl große ökologisch wirtschaftende als auch große konventionelle Betriebe, die sich in der Anzahl der gehaltenen Tiere oft kaum unterscheiden. Karlheinz Götz machte den Landtagskandidaten bewusst, in welche Hängepartie die Politik die Zuchtsauenhalter mit dem Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration zum Jahresende ohne praktikable Alternative gebracht hat. „Wird hier nicht bald eine Lösung gefunden, bedeutet dies das Ende für die deutsche und bayerische Ferkelerzeugung.“ Das konnte Annelene Helmle nur bestätigen: „Wir sind in unserem Zuchtsauen- und Schweinemastbetrieb bereits so weit, dass wir keine neuen Jungsauen mehr einstellen.“

Bundesstraßenausbau

Schließlich sprach Karlheinz Götz den geplanten Ausbau der Bundesstraßen 2, 25 und 466 im Donau-Ries-Kreis an. Auf den dann dreispurigen Kraftfahrstraßen dürften Schlepper nicht mehr fahren, sodass sie auf die häufig zurückgebauten Strecken durch die Städte und Dörfer ausweichen müssen. Dann heiße es dort sofort: „Und jetzt kommen die Landwirte mit ihren Monstermaschinen daher.“ Wenn der Bauer schon Grund und Boden für den Straßenausbau bereitstelle, dann wolle er auf diesen Straßen auch fahren, betonte der Kreisobmann. Demgegenüber erklärte der MdL Wolfgang Fackler, dass die Straßenbaubehörden zuvorderst auf die Verkehrssicherheit achten müssten, und langsame Schlepper seien auf Kraftfahrstraßen nun einmal ein erhebliches Sicherheitsrisiko. Besser wäre es, die ausgebauten Bundesstraßen gar nicht erst als Kraftfahrstraßen auszuweisen.