Bilanz

Nicht nur die Milch zählt

2_Spitzenkühe bei der Festvermarktung von Ostenried u. Zwiesler
Josef Berchtold
Josef Berchtold
am Freitag, 05.02.2021 - 10:41

Die AHG vermarktete im Vorjahr fast 2400 Jungkühe, davon 2058 von der Rasse Braunvieh. Die höchsten Preise erzielten Töchter von Cadence und Hotspot. Was neben der Milchmenge noch wichtig, weiß AHG-Bereichsleiter Hans Steuer.

Seit 28 Jahren arbeitet Hans Steurer bei der AHG und ist gemeinsam mit Werner Schmid für die Zuchtviehversteigerungen zuständig. Kempten gilt als größter Jungkuhmarkt Bayerns und traditionell wird ein großer Teil über Kaufauftrag vermarktet – in diesem Jahr 60 Prozent. Im Coronajahr 2020 waren die Märkte eine besondere Herausforderung. Der erste Aprilmarkt musste abgesagt werden und zwei Märkte fanden als Festvermarktung statt. Bis heute sind die Auktionen nur unter strengen Auflagen möglich.

Das AHG-Team aber hat es trotz dieser schwierigen Voraussetzungen geschafft, die stattliche Zahl von 2373 Jungkühen zu vermarkten, davon 2107 über die Auktionen in Kempten und Buchloe. Trotz Corona wurden nur 99 Jungkühe weniger abgesetzt als im Jahr zuvor. Mit fast 87 Prozent aller verkauften Kühe ist Braunvieh die bedeutendste Rasse. Die besten Preise werden mit durchschnittlich 1614 Euro auf der Auktion erzielt. Das Vermarktungsjahr geht vom 1. Oktober bis 30. September, wobei der Höchstpreis mit 1720 Euro im September 2020 erzielt wurde.

Vermarktung in andere Regionen

Traditionell spielt der Verkauf in andere Regionen eine große Rolle. Beispielsweise ist das Braunvieh in Norddeutschland oder Italien sehr beliebt. Allein 448 Jungkühe, das sind 22,6 Prozent aller Tiere, wurden in ein anderes EU-Land verkauft. Die meisten Tiere gingen nach Italien inkl. Südtirol (357), gefolgt von Tschechien (34) und Holland (27). Weitere 426 (21,4 %) Jungkühe gingen innerhalb Deutschlands in andere Bundesländer, davon 232 Tiere (9,8 %) nach Baden-Württemberg. Die Vermarktungsquote auf den Auktionen lag mit 95,1 Prozent um zwei Prozent höher als im Vorjahr.
Die AHG wertet jedes Jahr aus, von welchen Stieren die teuersten Jungkühe auf den Auktionen vermarktet wurden. Im Vermarktungsjahr 2018/19 führte noch Anibal mit 1748 Euro vor Variant mit 1679 Euro, Blooming mit 1675 Euro, Harley mit 1643 Euro und Vox mit 1642 Euro. Hinten lagen die damals noch jungen Hotspot-Töchter mit 1509 Euro. Im Jahr 2019/20 sah es für Hotspot besser aus (Tab. 2): Mit durchschnittlich 1710 Euro bei 57 versteigerten Jungkühen lag er auf Platz zwei. Nur Cadence lag noch ein Stück darüber: 1799 Euro wurden im Schnitt für seine 24 Töchter bezahlt. Dazu Hans Steurer: »Die Cadence-Töchter sind herausgestochen.“ Sie würden zwar tendenziell von den besseren Betrieben stammen, die aber die ganz guten Kühe oft behalten. Die Töchter von Hotspot erinnern Steurer an die seines Vaters Hobbit, dessen Töchter auch gute Preise erzielten.
Auf Platz drei mit 1701 Euro bei 84 Töchtern liegt Vassli. „So stelle ich mir einen guten töchtergeprüften Stier vor“, sagt Steuer. Wie bereits bei seinem Halbbruder Payssli waren die Töchter von Vassli sehr gut zu vermarkten, sie gaben viel Milch, waren stabil und hatten ordentliche Euter. Harley kam durch die hohe Milchmenge seiner Töchter auf Platz vier.

Kompakte und korrekte Kühe sind gefragt

Worauf kommt es beim Jungkuhverkauf an? Was wollen die Käufer und was nicht? Dazu Steurer: „Die Käufer wollen es nicht, wenn Kühe sehr scharf sind!“ Kompakte und korrekte Kühe mit Substanz, einem guten Fundament und guten Eutern seien besser zu vermarkten als sehr große und scharfe Kühe. Die Milchmenge sei natürlich wichtig. Während Kühe unter 25 kg Milch nur schwer zu vermarkten sind, seien Kühe um 30 kg Milch enorm gefragt. Ob die Leistung dann bei 30 oder 35 kg Milch liegt, sei für den Preis weniger wichtig. Auch Kühe mit 27 oder 28 kg Milch lassen sich sehr gut vermarkten, wenn sie im Exterieur überzeugen und die Melkbarkeit passt. Die Cadi-Töchter etwa seien oft durch eine mittlere Milchmenge, aber ein gutes Exterieur aufgefallen.
Kühe mit sehr kurzen und dünnen Zitzen lassen sich schwer vermarkten, ebenso Kühe mit zu enger Strichstellung. Die Melkbarkeit sollte nicht unter 2,0 kg/min liegen. Steurer berichtet: „Kühe mit schlechter Melkbarkeit oder solche, die die Milch nicht herunterlassen, werden von Produktionsbetrieben nicht geduldet.“ Und die Größe? „Zu große Kühe sind ein Manko“, sagt er. Hier habe es ein Umdenken gegeben, auch auf den Tierschauen. Bei der Schärfe sei diesese Umdenken auf den Schauen noch nicht ganz gelungen, hier bestrafe man Kühe mit etwas mehr Muskulatur immer noch zu stark.