Öffentlichkeit

Noch mehr tun für Außendarstellung

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Michael Ammich
am Montag, 25.03.2019 - 08:52

Günzburger BBV-Obleute stellen Überlegungen zur besseren Kommunikation an.

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Oberwiesenbach/Lks. Günzburg Der Verein „Unsere Bayerischen Bauern“, die Aufklärungsarbeit der Landfrauen, Imagefilme, Plakat- und Protestaktionen – ist das alles vergebliche Liebesmüh? Kann es wirklich sein, dass sich die Bevölkerung umso mehr von der modernen konventionellen Landwirtschaft abwendet, je mehr sie der Berufsverband und die bäuerlichen Familien damit vertraut machen? Der Frust sitzt tief nach dem erfolgreichen Volksbegehren zur Artenvielfalt. Die Selbstzweifel mehren sich, von immer mehr Bäuerinnen und Bauern wird der ökologische Landbau als Rettungsanker gesehen. Wie konnte es dazu kommen? Eine klare Antwort auf diese Frage lieferte BBV-Bezirkspräsident Alfred Enderle auf der Frühjahrstagung der Günzburger Ortsbäuerinnen und Ortsobmänner in Oberwiesenbach.

Verantwortlich für den großen Zuspruch des Volksbegehrens machte Alfred Enderle eine ganz Reihe von Multiplikatoren, angefangen von den Kirchen, die sich hinter das Volksbegehren stellten, über die Medien bis hin zu den Lehrern. Komme es zur zweiten Abstimmung über den Gesetzesantrag, werde sich der Fokus der Gesellschaft noch einmal stark auf die Landwirtschaft richten, sagte der Bezirkspräsident. Diese Chance gelte es dann vonseiten des Berufsverbands durch eine intensivierte Öffentlichkeitarbeit zu nutzen. Ja, man könne dabei sogar von den Initiatoren des Volksbegehrens lernen, die äußerst geschickt vorgegangen seien.
Enderle verglich das kritische Dauerfeuer aus den Medien und Umweltschutzorganisationen mit einer Art „Gehirnwäsche“. Eine Folge davon seien die weltweiten Freitagsdemonstrationen der Schülerinnen und Schüler für einen besseren Klimaschutz. Enderle machte die Lehrer mit verantwortlich, dass so viele junge Menschen offenbar die Zerstörung ihrer Zukunft befürchten. Vergessen werde dabei, dass die Menschen heute im Rhein wieder baden können und ihre Lebensmittel so sicher seien wie nie zuvor. Von Jahr zu Jahr steige die Lebenserwartung der Bevölkerung. „Wie kann das sein, wenn doch alles zerstört und vergiftet ist?“
Enderle sah die Gefahr heraufziehen, dass die Medien zunehmend Haltungen anstelle von Fakten transportieren. Damit würden sie sich ins populistische Fahrwasser begeben und zur Spaltung der Gesellschaft beitragen. „Es ist erschreckend, wie wenig Wissen über die Landwirtschaft in den Medien vorhanden ist“, ärgerte sich der Bezirkspräsident und zog daraus die Schlussfolgerung, dass der Bauernverband seine Öffentlichkeitsarbeit weiter intensivieren und die Bevölkerung noch mehr mitnehmen muss.
Der BBV dürfe sich nicht um Probleme herumdrücken, sondern müsse sie offensiv angehen. „Ansonsten werden wir Schiffbruch erleiden.“ Um gegen die Vorurteile und Anwürfe aus den Medien bestehen zu können, gelte es innerhalb des Berufsverbands offen zu diskutieren, nach außen jedoch geschlossen und geschickt aufzutreten. Er selbst dürfe aber immer wieder auch Schönes und Ermutigendes erfahren, so der Bezirkspräsident. Dazu gehörten beispielsweise die optimistische Tatkraft der jungen Bäuerinnen- und Bauerngeneration, ihre Offenheit für Innovationen.
Abschließend warf Enderle einen Blick auf die Biobranche. Diese gehe intern davon aus, dass sich das hohe Preisniveau der Bioprodukte langfristig nicht halten lässt. Aufgrund der immer schärferen Auflagen für die konventionelle Landwirtschaft gebe es schon heute einen Trend zur Vermischung der Unterschiede zwischen bio und konventionell. Je mehr die konventionelle Landwirtschaft die Düngung und den Pflanzenschutz zurückfährt, desto mehr schwinde der Markenwert von Bioprodukten. In der Folge müsse inzwischen selbst die Bioheumilch durch ein Tierwohl-Label aufgewertet werden.
Auch Kreisobmann Stephan Bissinger ärgerte sich über die ständigen medialen Angriffe gegen die konventionelle Landwirtschaft. Durch die Debatten um den Umwelt-, Klima- und Tierschutz sei die Weiterentwicklung der Betriebe in der Verbandsarbeit ins Hintertreffen geraten. Das Volksbegehren zum Artenschutz habe sich zu einer „professionellen Hetzkampagne gegen die Landwirtschaft“ entwickelt, es wolle einseitig die Rechte der Bauern einschränken. „Alle haben das Gefühl, etwas ändern zu müssen, und ein Gesetzentwurf, den kaum jemand gelesen, aber viele unterschrieben haben – das alles erinnert mich an den Brexit.“
Die Bauern könnten nur zustimmen, dass sich in der Landwirtschaft etwas ändern muss, und sei es beim Thema „Bürokratie“, sagte der Kreisobmann. Das Ziel aller Bäuerinnen und Bauern sei es, professionell Landwirtschaft zu betreiben. Dazu gehörten ihre großen Anstrengungen im Umwelt- und Tierschutz. Diese sollten allerdings wissenschaftlich untermauert sein und nicht nur auf Emotionen basieren. Allen Versuchen, einen Keil zwischen die konventionelle und ökologische Landwirtschaft zu treiben, erteilte Bissinger eine strikte Absage. „Alle unsere Betriebe sind Familienbetriebe.“
Die Gesellschaft sei „verblödet“, meldete sich ein Landwirt in der anschließenden Diskussion zu Wort. Die Bevölkerung habe sich von den Initiatoren des Volksbegehrens zu einem billigen Ablasshandel verleiten lassen und sich mit einer Unterschrift ein gutes Gewissen erkauft, hatte Bezirkspräsident Enderle schon zuvor festgestellt. Den Fingerzeig auf die im Grunde ohne jedes Hintergrundwissen agierende Bevölkerung wollte Christiane Ade so jedoch nicht stehen lassen. „Woher sollen die Menschen denn auch wissen, wie es in der Landwirtschaft zugeht?“, fragte die Bezirksbäuerin und verwies auf sich selbst. Noch vor 25 Jahren, bevor sie in einen Stadt-Bauernhof bei Neu-Ulm eingeheiratet hat, habe auch sie sich keine großen Gedanken zur Landwirtschaft gemacht.
„Wir können nur etwas verändern, wenn wir auch den Verbraucher ändern“, warf ein Biobauer ein. Das lasse sich jedoch höchstens punktuell beispielweise durch den Kontakt zu Direktvermarktern erreichen. „Also müssen wir Bündnisse mit dem Lebensmitteleinzelhandel schmieden, hier muss der BBV noch mehr ansetzen.“ Schließlich könne der Verbraucher nur das kaufen, was ihm in den Supermärkten angeboten wird. Demgegenüber blieb Enderle bei seiner Linie, zuvorderst am Verbraucher anzusetzen. Es sei höchste Zeit für den Berufsverband und die Landwirtschaft, noch mehr Geld für die Öffentlichkeitsarbeit in die Hand zu nehmen.

Bezirksbäuerin Christiane Ade appellierte an die Bäuerinnen und Bauern, ihre Höfe in noch größerer Zahl für Projekte wie „Landfrauen machen Schule“ zur Verfügung zu stellen. Hier herrsche ein großer Mangel. Weiter vermisste Ade ein öffentliches Bekenntnis der Landwirtschaftsämter zum hohen Ausbildungsstand der Bauernschaft. Ein Landwirt hielt die Zielvorgabe des Volksbegehrens von 30 % Ökobetrieben zwar für falsch. Angesichts der „Pro-Bio-Stimmung“ in der Gesellschaft solle sich der BBV jedoch mit Kritik an dieser Zielvorgabe zurückhalten. „Gar nichts dazu sagen geht nicht“, stellte Enderle klar. Der Berufsverband könne jedoch gern von einer marktorientierten Entwicklung des ökologischen Landbaus sprechen. MA