Mit neuen Ideen voran

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Margarete Schreyer
am Montag, 02.09.2019 - 11:26

Bioerlebnistag auf der Allgäuer Festwoche

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Kempten Nachdem heuer regionale Biolandwirte und Verarbeiter die Vielfalt der heimischen Bioprodukte auf der Allgäuer Festwoche bereits eine Woche lang in der Halle 12 präsentiert hatten, stellten sich beim Bioerlebnistag am letzten Ausstellungssonntag zahlreiche Erzeuger und Verbände den Fragen der Festwochen-Besucher. Die Öko-Modellregion Oberallgäu Kempten hatte zu dieser Veranstaltung in den Stadtpark geladen und zeigte mit vielen Informationen, Ausstellungen und Kostproben, was im Bereich Bio in der Region passiert. Mit dabei war auch die Bayerische Biokönigin Carina I., sie hatte die Moderation auf der Bühne übernommen.

Markenfleischprogramm Allgäuer Hornochse

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„Biomilch und Biofleisch gehören zusammen“, war das Motto am Stand der Öko-Modellregion. Projektmanagerin Cornelia Bögl und Projektmitarbeiterin Beate Reisacher wurden nicht müde, den Besuchern den Zusammenhang zwischen Milch- und Fleischerzeugung zu erklären. Mit dem „Allgäuer Hornochse“ konnte nun unter der Regie der Öko-Modellregion ein Modellprojekt gestartet und gleichzeitig eine Produktmarke geschaffen werden. Es wird von engagierten Bäuerinnen und Bauern umgesetzt und erhält viel Unterstützung von Bioanbauverbänden, Ämtern sowie Verbrauchern. „Wir haben ein Markenfleischprogramm vor allem für Geschwisterkälber installiert, dies kann jedoch nur funktionieren, wenn es einen Mehrwert für Tiere, Menschen und für die Region gibt“, betonte Bögl.
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Neben der Erzeugung nach den Richtlinien eines Bioverbandes gelten für das Fleischprogramm weitere verbindliche Standards wie beispielsweise kraftfutterfreie Fütterung der Rinder, Weideaufzucht oder horntragende Tiere. Zudem werden unter der Marke „Allgäuer Hornochse“ ausschließlich Fleisch und Wurstprodukte von Tieren aus Milchviehbetrieben vermarktet, vom Kalbfleisch über Ochsen- und Färsenfleisch bis zu Wurstprodukten aus Milchkühen. „Jetzt bei der Festwoche haben wir den Allgäuer Hornochsen auf die Weide gelassen“, sagte Reisacher zum Start des Projektes und freute sich über die ersten Kunden. So will der Kemptener Bioladen ProNatur in Zukunft ganze Tiere abnehmen und komplett selber verwerten. Auch die Genussmanufaktur in Leutkirch-Urlau habe bereits Interesse angemeldet.

Logo für Produkte aus Aufzucht an Mutter/Amme

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Walter Schwärzler von der Erzeugergemeinschaft „Demeter HeuMilch Bauern“ erläuterte auf Stadtparkbühne die Kriterien der Kälberaufzucht dieser Gemeinschaft. Seit Mai 2019 haben sich die Mitglieder die mutter- und ammengebundene Kälberaufzucht zum Standard gemacht. Somit enthalten ab sofort alle Produkte mit dem Logo-Siegel der „Demeter HeuMilch Bauern“ Milch von Kühen, die sich um Kälber kümmern dürfen. „Unser Ziel war es, die Verantwortung für das Kalb nicht nach drei Wochen abzugeben“, betonte Schwärzler. Dies bedeute zwar mehr Aufwand, aber die Erfahrungen der Landwirte seien durchwegs positiv, „die Kälber gedeihen gut und Kälberdurchfall ist kaum ein Thema“, betonte er. Auch bei Manfred Gabler aus Haldenwang-Fleschützen dürfen die Kälber sechs Wochen lang bei den Müttern bleiben, danach bekommen sie ihre Milch am Eimer, haben aber noch Kontakt zur Mutter. Die größte Herausforderung sei das Trennen der Kälber von den Müttern, „wir haben deshalb eine Trennungsphase von rund zehn Tagen“, so Gabler.

Gemüse aus solidarischer Landwirtschaft

Dass im Allgäu nicht nur Milch erzeugt, sondern auch Gemüse angebaut werden kann, wurde am Stand der „Solidarischen Landwirtschaft“ deutlich. Barbara und Hubert Jörg stellten dort den Besuchern ihr Betriebskonzept vor. Bereits im vierten Jahr bauen sie als Alternative zur Milch für eine Solidargemeinschaft Gemüse an. Jede teilnehmende Familie zahlt einen festen Jahresanteil und bekommt dafür einmal wöchentlich eine Kiste frisches, regionales Biogemüse. Mit dem Ertrag von 1 ha Ackerfläche und dem großen Folientunnel werden mittlerweile 81 Mitglieder versorgt.
Als Blühbotschafterinnen animierten Sabine Hantel, Olivia Marktanner und Simone Saurer die Besucher, in ihrem Umfeld naturnahe Lebensräume zu schaffen. „Wir wollen die Leute ermutigen, ihre Gärten oder Balkone mit insektenfreundlichen Gewächsen zu bepflanzen und damit die Artenvielfalt zu unterstützen“, erklärten sie. Bei ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit machen sie aber auch Vorschläge für die Bepflanzung kommunaler Flächen. „Uns ist vor allem eine gute Kommunikation mit den Landwirten wichtig, denn sie gestalten einen Großteil unserer Lebensräume, ohne sie ginge gar nichts“, betonten die drei Frauen.
Auch an den Ständen vom Bioring und den Anbauverbänden war Information Trumpf. Dort konnten die Besucher ihr „Bio-Wissen“ an Quizspielen testen, sich nach regionalen Einkaufsmöglichkeiten erkundigen oder Wissenswertes über die Bedeutung der Hörner bei der Kuh erfahren.