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Waldumbau

Neue zukunftsfähige Wälder schaffen

Das Risiko streuen: Eine Mischung von verschiedenen Baumarten empfiehlt Wolfram Rothkegel.
Toni Ledermann
am Freitag, 23.09.2022 - 09:52

Der Waldumbau ist das Hauptthema der Versammlung der FBG Günzburg-Krumbach.

Vorstellungsrunde: Geschäftsführer Kay Reiff (2. v. r.) stellte die neuen Mitarbeiterinnen (v. l.) Stefanie Bestler und Sabrina Bernhauer vor, ebenso den neuen Mitarbeiter Benjamin Löffler (r.). Weiter zeigt das Bild die langjährige Mitarbeiterin Ulrike Reißler (3. v. l.).

Günzburg „Fehlendes“ Kalamitätsholz, aber auch Einschnittreduzierungen wegen des Lockdowns und Personalmangel haben Bauholz zu einem „raren Produkt mit stark anziehenden Preisen“ gemacht. Wilhelm Baumeister, der Vorsitzende der FBG Günzburg-Krumbach, schimpfte: „Diese Preise hätten meines Erachtens weit höhere Rundholzpreise gerechtfertigt. Hier hat die verarbeitende Seite die Marktlage zum Teil schamlos ausgenützt.“ Auch Holzpellets seien betroffen. Das lasse vermuten, dass das Sägerestmaterial gesucht und ordentlich honoriert wird.

Bei der Generalversammlung der FBG Günzburg-Krumbach für das Wirtschaftsjahr 2020/2021 wurde Bilanz gezogen. Im Jahr 2020 sowie im 1. Quartal 2021 habe es massiv an Niederschlägen gefehlt, erinnerte Baumeister. Er sprach von 150 Liter pro Quadratmeter, und dazu sei es im Schnitt 2 °C zu warm gewesen. Es seien zwar noch Niederschläge gekommen, jedoch konnte die Trockenheit der Vorjahre nicht ausgeglichen werden.

Fatale Folgen erwartet

Waldbautrainer Wolfram Rothkegel: Für ein kräftiges Wurzelwachstum ist eine richtige Pflanzung wichtig.

In der vergangenen Vorstandschaftssitzung habe man die Problematik „Bahnneubau zwischen Ulm und Augsburg“ diskutiert. „Am wenigsten neue Trassen durch unsere Waldgebiete sind wohl vom autobahnnahen Ausbau zu erwarten. Alle anderen Varianten ergäben zahlreiche Einschneidungen in West-Ost-Richtung in unseren bewaldeten Höhenrücken“, erklärte Baumeister. Zu befürchten sei, dass die Schneisen letztlich Windwurf, Trockenschäden durch Verlust des Kleinklimas, sowie Grundwasserstandsveränderungen zur Folge haben.

Allerdings: Einem Beitritt zur Bürger-Initiative „Bischt“ stimmte die Vorstandschaft nicht zu – wegen zu vielen, für den Wald konträren Interessen. Beim Bau werde zwar der Flächenverlust entschädigt – jedoch die jahrzehntelangen Schäden am verbleibenden Bestand gingen zu Lasten der Waldbesitzer.

„Waldbautrainer“ für Südbayern,

Im Anschluss kam der „Waldbautrainer“ für Südbayern, Wolfram Rothkegel von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), zu Wort. „Waldumbau heißt nicht nur neue zukunftsfähige Wälder zu schaffen und zu bewirtschaften.“ Rothkegel war 23 Jahre lang Revierleiter in Zusmarshausen, seit 13 Jahren ist er Waldbautrainer und bietet Schulung und Beratung für Forstleute aus ganz Bayern an. Wichtig ist aus seiner Sicht ein jeweils zielgerichtetes Vorgehen bei der Waldarbeit. Er hob die Vorteile der Naturverjüngung hervor und sprach sich für eine Mischung von verschiedenen Baumarten aus. Frei nach dem Motto: Wer streut rutscht nicht. Wichtig sei auch, vorab zu klären, wie viel Zeit in der Pflege eines Bestandes aufgewendet werden kann.

„Zielbäume“ sollten alle fünf Jahre kontrolliert werden, und die sie bedrängenden Bäume entnommen werden, damit die grüne Krone, die wichtig fürs Wachstum ist, erhalten bleibt, empfiehlt Rothkegel. Wichtig sei auch, Biotopbäume zu erhalten. „Machen Sie aktiven Waldbau mit kontinuierlicher Pflege und punktuellem Vorgehen. Nutzen Sie auch die Beratungsangebote der Förster und Forstleute des AELF und der FBG und halten Sie den Kontakt mit Waldnachbarn“, riet er. Weitere Informationen gebe es in Merkblättern der LWF, sowie im Internet unter: www.waldbesitzerportal-bayern.de.

Mitgliederzahl wächst an

Geschäftsführer Kay Reiff erklärte, dass im Forstwirtschaftsjahr 20/21 50 neue Mitglieder hinzugekommen seien. Nun seien es 1374 Mitglieder mit 11 267 ha Wald. Für über 400 Mitgliedern wurde die Bundeswaldprämie beantragt. Die 23 Pfarrpfründestiftungen seien nicht mehr als Einzelmitglieder bei der FBG gemeldet. Diese seien nun unter der Diözese Augsburg zusammengefasst worden. 33 Mitglieder seien aufgrund von Waldverkäufen oder Übergabe des Waldes an die nächste Generation ausgetreten. „Wir betreuen die Wälder von 52 Mitgliedern über Waldpflegeverträge, erklärte Reiff weiter, mit einer Gesamtfläche von 869,75 ha: 40 Privatwaldbesitzer mit 198 ha, vier Pfarr- und Kirchenwälder mit 76 ha und acht Kommunalwälder mit 595 ha.

Zum Holzmarkt: Zu Beginn des Geschäftsjahrs 2021 haben die Preise noch bei 50 € pro Festmeter gelegen, seien dann auf über 100 € angestiegen. Die FBG vermarktete insgesamt 30 255 fm Holz, am meisten Fichte mit 28 591 fm, was über 95 % der vermarkteten Holzmenge ist. Die restlichen Nadelhölzer wie Tanne, Kiefer, Lärche und Douglasie mit 626 fm, fielen damit kaum ins Gewicht. 18 % der vermarkteten Menge waren Langholz, 5326 Festmeter. Weit mehr war es beim Kurzholz mit 19 317 fm (fast 68 %). Weitere fielen Industrieholz (Papierholz) mit 1232 fm und Hackmaterial mit 2716 fm an.

Durch die sehr engagierte Leistung des FBG-Teams und mithilfe der Kollegen vom Amt konnten 2021 nach den Corona-Beschränkungen noch acht Veranstaltungen durchgeführt werden. Bei den Themen ging es unter anderem um den Waldumbau in Landensberg, Standorterkundung in Kemnat und Pflanzschulungen in Nattenhausen und Reifertsweiler.

Stellvertretende Landrätin Monika Wiesmüller-Schwab wies auf die gute Zusammenarbeit von FBG und Landkreis hin. AELF-Abteilungsleiterin Eva-Maria Birkholz, appellierte an die Waldbauern den Borkenkäfer nicht zu unterschätzen. Waldpflege sei nicht nur nach „Waldkatastrophen“ nötig, sondern dauernd. Dabei sei es erforderlich, mehr Mischbaumarten zu pflanzen. „Jeder Laubbaum trägt dazu bei den Forst stabiler zu machen und hat seinen eigenen Marktwert.“ Dazu sei ein planmäßiges Vorgehen notwendig, wobei Amtskollegen und die Forstleute jederzeit ihre Unterstützung anbieten.