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Was die nächsten Jahre zu tun ist

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Toni Ledermann
am Montag, 26.07.2021 - 14:17

AELF-Leiter Rainer Nützel überreicht im Unterallgäu den neuen Wald-Wirtschaftsplan an Landrat Alex Eder.

Anhofen/Lks. Unterallgäu Um kommunale Waldbestände weiterzuentwickeln, werden alle 20 Jahre Wirtschaftspläne erstellt. Darin sind alle wichtigen und nötigen Forstarbeiten fixiert, die in den nächsten Jahren unternommen werden müssen, um die grundsätzlichen waldbaulichen Ziele in der jeweiligen Region zu erreichen. Den neuen Plan hat jetzt der Leiter des Landwirtschaftsamtes Krumbach-Mindelheim, Rainer Nützel, bei Anhofen an Landrat Alex Eder übergeben, denn die forstliche Betriebsleitung und -ausführung hat der Landkreis per Vertrag dem AELF Krumbach-Mindelheim übertragen.

Dem Landkreis Unterallgäu gehören 65 ha Landkreiswälder. Damit zählt er zu den mittelgroßen kommunalen Waldbesitzern im Unterallgäu, erklärte Nützel. Verteilt über das gesamte Landkreisgebiet befinden sich viele kleine, aber interessante und wertvolle Waldstücke im Eigentum des Landkreises. Die rund 70 Teilflächen verteilen sich auf drei „Eigentümer“, nämlich den Naturschutz, für den Maximilian Simmnacher, Fachkraft der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises gekommen war, dem Tiefbau und der Abfallwirtschaft (Deponie Breitenbrunn). Der größte Waldbesitzer ist das Fachgebiet „Naturschutz“.

Der Behördenleiter erläuterte: „Oftmals handelt es sich um Ausgleichsflächen oder um naturschutzfachlich interessante Komplexe aus Offenland und Wald, wie beispielsweise das Hundsmoor bei Hawangen oder das Kettershauser Ried.“ Dies zeige sich auch in der Baumartenverteilung in diesen Landkreis-Teilflächen: Nur 21 % Fichte, 10 % Buchen, 15 % Eichen und 19 % Edellaubhölzer wie Esche, Ahorn, Linde und Kirschen, 22 % Schwarzerle, sowie 13 % weitere Laubhölzer.

Wirtschaftsplan ist notwendig

Nach dem Waldgesetz, so Nützel weiter, gilt der Landkreis Unterallgäu, wie jede Kommune, als Waldeigentümer. Dieser Wald ist damit ein Körperschaftswald – und benötigt einen Wirtschaftsplan. Dieser werde alle 20 Jahre erstellt, und nach zehn Jahren vom Amt überprüft, etwa ob die darin enthaltenen Maßnahmen durchgeführt wurden, ob sie noch passen? „Denn wir gehen auch in diesem Bereich mit Natur um. Und Borkenkäfer, Stürme und weitere Ereignisse halten sich natürlich nicht immer an diese Pläne“, wie Nützel anmerkte.

Der Forstexperte wies auch darauf hin, dass die Erhaltung und Weiterentwicklung der Biodiversität, oder Aspekte der Verkehrssicherung entlang von Kreisstraßen als Betriebsziel für den Landkreis-Wald mindestens genauso im Fokus stehen, wie eine forstliche Bewirtschaftung. Haupthintergrund dieser Regelung sei „Nachhaltigkeit“, denn ein öffentlicher Wald müsse nachhaltig bewirtschaftet werden. Darunter falle u. a. die Vorgabe, dass nicht mehr Holz genutzt werden darf, wie zuwächst.
Jedoch sei dies leichter gesagt, als getan ist, so Nützel, denn woher weiß der Förster, wie viel Holz hinzugewachsen ist? Deshalb werde wiederkehrend eine Inventur durchgeführt, wie bei jedem Kaufhaus. Vereinfacht gesagt werden dabei im Stichprobenverfahren die Bäume gezählt, eine Methode, die durchaus wissenschaftlich begründet sei. Dann werde gutachterlich entschieden, was in den kommenden 20 Jahren getan werden muss.

Die Übergabe des neuen Plans erfolgte bei Anhofen in einem 1,2 ha großen Wäldchen. Hier stehen etwa 30 Jahre alte Erlen, die flächig mit Spätblühender Traubenkirsche unterlaufen sind. In einem ersten Schritt müsse nun diese invasive Baumart, welche die heimische Flora verdrängt, zurückgeschnitten werden, erklärte Nützel. Danach sollen die Erlen in den kommenden fünf Jahre durchforstet werden, damit diese größere Kronen und stabilere Wurzen entwickeln können.

Dank vom Landrat

Auf die Frage des Landrats, wer die pflegerischen Maßnahmen durchführt, erläuterte Simmnacher, dass dazu möglichst eigene Kräfte eingesetzt werden sollen, da man bei den Arbeiten weitgehend auf Handarbeit angewiesen ist. Andernfalls werde man auf die Forstbetriebsgemeinschaft zugehen, zumal der Landkreis bei dieser Selbsthilfeorganisation auch Mitglied ist.

Landrat Eder begrüßte es, dass die Übergabe des Wirtschaftsplans direkt vor Ort erfolgte. So habe er sehen können, welche Maßnahmen im Einzelfall getroffen werden. „Ich finde es spannend, wie viel Hintergrundarbeit darin steckt und auch unser Teil der Behördenlandschaft davon profitieren kann, wenn die richtigen Leute miteinander reden, die davon Ahnung haben.“ Eder bedankte sich bei Nützel und allen am Zustandekommen dieses Wirtschaftsplans beteiligten Personen sowie den Helfern.