Landfrauentag

Nachdenklich, heiter und nützlich

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Anja Kersten
am Mittwoch, 26.02.2020 - 10:02

Der Augsburger Landfrauentag inspiriert auf viele Arten.

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Gersthofen/Schwabmünchen - Nachdenkliches, Heiteres, Nützliches, Musik, Tanz, Gespräche bei Kaffee und Kuchen – Kreisbäuerin Andrea Mayr und ihre Kreisvorstandschaft hatten auf dem Landfrauentag des Kreisverbandes Augsburg in Gersthofen und Schwabmünchen ein so buntes Programm zusammengestellt, dass der Nachmittag wie im Flug verging. Mit heiteren und frühlingshaften Weisen und dem Lied „herzlich willkommen“ eröffnete der Landfrauenchor den Landfrauentag. Nachdenkliche Worte für die derzeitige Situation und damit auch für ihre Zukunft in der Landwirtschaft fanden Martina Grob von der Kreisvorstandschaft und Johanna Sailer, Studierende des einsemestrigen Studiengangs Hauswirtschaft in Schwabmünchen. Bürokratie, eine Umwelt, die immer weniger vorhersehbar ist, Verbraucher, die Artenschutz- und Umweltschutz fordern, aber nichts dafür bezahlen wollen, erfüllten sie als junge Bäuerinnen mit Sorge. Dass sie dennoch ihren Beruf „als den schönsten Beruf der Welt“ empfinden würde, hätte mit ihrer Leidenschaft zu tun für diesen Beruf oder wie Johanna Sailer es ausdrückte „für diese Berufung“. Genau wie schon bei ihren Großeltern und Eltern verändere und entwickele sich die Landwirtschaft weiter. „Nur mit Innovationen können wir die Herausforderungen bewältigen, eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren und gleichzeitig die natürlichen Ressourcen schonen“, machte Martina Grob deutlich. Und so wie sie stolz seien, Bäuerinnen zu sein, sollten auch die Verbraucher stolz auf ihre Landwirte sein, die hochwertige Lebensmittel erzeugen und dabei nicht vergessen, dass hinter jedem Stück Käse und jedem Glas Weis ein hartes Stück Arbeit stecke. So viel Spaß die Arbeit auch mache, die „Arbeit muss sich lohnen“, so Johanna Sailer, denn nur dann würden sich auch weiterhin jungen Menschen für den Beruf der Bäuerin und des Bauern entscheiden und weiterhin wertvolle und gesunde Lebensmittel erzeugen.

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Auch die Ehrengäste konnten sich diesen Wünschen der jungen Bäuerinnen nur anschließen. „Es geht um Existenzen“, machte Schwabmünchens Bürgermeister Lorenz Müller das Ausmaß deutlich und fügte hinzu, dass er die Bäuerinnen und Bauern nicht nur als Berufsstand, sondern auch für ihr Engagement in den Dörfern schätze. „Sie sind das Herz ihrer Familie, ihres Dorfes, ihrer Region“, hob der Leiter vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Augsburg, Wolfgang Sailer die Bedeutung dieses Berufsstandes. „Bringt euch weiter ein“, rief Bezirksbäuerin Christiane Ade die Frauen auf und fügte hinzu, dass schon viel gewonnen sei, wenn die ältere Generation den Stolz auf die Arbeit der Landwirtschaft an die Jugend weitergeben würde. Sie sei sicher, dass jeder landwirtschaftliche Betrieb, der weitermachen möchte, auch seinen Weg finden werde. „Gegessen werden muss immer“, blickte Landrat Martin Sailer optimistisch in die Zukunft und ergänzte, dass es momentan eine Rückbesinnung auf Heimat und damit auch auf regionale Produkte gäbe.

Das war dann auch schon das Stichwort für Ulrike Klaus in Schwabmünchen und Stefan Grassmann in Gersthofen, die in ihrem Vortrag „wie man Menschen schneller einschätzt“ wunderbar humorvoll Szenen aus einem Hofladen nachspielten und auf diese Weise vier verschieden Typen von Menschen darstellte. Den Stetigen, der die Sicherheit liebt, harmonisch ist, aber keine schnellen Entscheidungen treffen kann, den Dominanten, der weiß, was er will, nicht viel fragt, sondern handelt, den Initiativen, der Menschen begeistern kann und was bewegen und will und als vierten Typ den Gewissenhaften, bei dem Zahlen, Daten und Fakten eine wichtige Rolle spielen. Egal, welche Ausprägung ein Mensch hat, „jede hat etwas Gutes und in jedem von uns steckt etwas von jedem Typ“, erklärte Ulrike Klaus. Wenn man wisse, welche Ausprägung der andere hat, einfach gesagt wie er tickt, dann könne man ganz anders mit ihm umgehen und kommunizieren. Nicht nur in einem Hofladen, sondern auch in der Familie.

Es mache beispielsweise wenig Sinn, bei einem „Stetigen“ Druck aufzubauen, damit er sich entscheidet, erklärte sie „Wenn ein initiativer Typ in den Hofladen kommt, dann lachen Sie einfach mit und gehen auf das Gespräch ein“. In ihrem unterhaltsamen Vortag machte sie den Landfrauen an vielen Beispielen klar, was Körpersprache und Mimik bewirken können. „Richten Sie sich auf beim Sprechen und stehen Sie auf beiden Beinen. Und wenn sie bis jetzt keinen festen Händedruck hatten, dann üben Sie einen und gewöhnen Sie sich einen an“, gab sie den Landfrauen mit auf den Weg.
Nicht weniger unterhaltsam ging es am Nachmittag mit der Tanzgruppe „Augusthana Edle Patrizier“ weiter, die Renaissance-Tänze zeigten. Und wer bis jetzt dachte, dass Arbeits- und Schutzkleidung ein eher langweiliges Thema für eine Modenschau ist, der wurde an diesem Nachmittag eines Besseren belehrt. Chic, modisch und manchmal sogar ziemlich „heiß“ zeigte die SVLFG bei einer Bühnenshow Schutz- und Arbeitsbekleidung.