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Waldbau

Mischwald: Auswahl der Baumarten breit streuen

Laub- und Nadelbäume
AELF Kempten
am Donnerstag, 31.10.2019 - 07:32

Der Klimawandel schreitet voran und die Dominanz der Fichte geht unter. Weitere Baumarten sind nötig.

Förster Marcus Fischer sieht in der im Westallgäu vorkommenden Tanne eine dieser „Verstärkungskräfte“. Doch sie alleine reicht bei weitem nicht aus. Gerade im Landkreis Lindau kommt den Laubbaumarten künftig eine steigende Bedeutung zu.

Laubbäume sind derzeit noch stark unterrepräsentiert. Neben der Baum­artenmischung und der passenden Waldbehandlung ist auch ein angepasster Wildbestand eine Grundvoraussetzung. Nur wenn alle Maßnahmen gleichermaßen erfolgreich sind, kann der Wald einer guten Zukunft entgegenwachsen und alle gewünschten Funktionen erfüllen. Förster Marcus Fischer vom staatlichen Forstrevier Lindenberg berichtet über die Vorzüge und die Beteiligten eines stabilen Mischwaldes.

Wer streut, rutscht nicht!

Förster Marcus Fischer

Mischwald heißt, nicht alles auf eine Karte zu setzen. Das Risiko wird minimiert, die Stabilität und Regenerationsfähigkeit erhöht. Mischwald heißt aber auch, dass Laubholz in einem merklichen Umfang am Wald­aufbau zu beteiligen ist. Denn die verschiedenen Baumarten stabilisieren und ergänzen sich gegenseitig. So wird der Wurzel- und Kronenraum optimal ausgenutzt.

Laubbaum­arten verbessern die Nährstoffversorgung der Nadelbäume, indem sie über den Laubfall den Humus anreichern. Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass die Wuchsleistung von Mischwäldern die von Monokulturen deutlich übersteigt. Ein Waldbesitzer, der auf Mischwald setzt, ist flexibler hinsichtlich der Holzvermarktung, da er verschiedene Rohstoffe anbieten kann und somit Preisschwankungen nicht so stark ausgeliefert ist. Und auch die Natur profitiert von Mischwäldern. Der Artenreichtum steigt und der Mischwald ist durch seinen Strukturreichtum ein attraktiver Lebensraum für Wildtiere.

Wer auf viele Baumarten setzt, der streut das Risiko für sich und seinen Wald. Wer auf viele Baumarten setzt, den trifft ein Schädling, der nur eine Baumart befällt, kaum, da der Wald in seiner Grundsubstanz dennoch steht.

Bäume im Bergmischwald

Es gibt eine Vielzahl von Baumarten. Jedoch sind nicht alle für den Anbau im Westallgäu geeignet. Für höhere Lagen bietet sich häufig die Artzusammensetzung eines Bergmischwaldes an. Er besteht neben der Fichte vor allem aus folgenden heimischen Arten:

  • Weißtanne (Abies alba),
  • Rotbuche (Fagus sylvatica),
  • Bergahorn (Acer pseudoplatanus).

Für den Bergmischwald im West­allgäu wäre beispielsweise ein Anteil von 1/3 Fichte, 1/3 Weißtanne und 1/3 Laubholz eine stabile, naturnahe und ertragreiche Mischung.

„Mit Blick auf die Klimaänderung können Waldbesitzer in weiten Teilen des Landkreises Lindau aus einem großen Strauß an heimischen Mischbaumarten auswählen. Diese haben gegenüber Baumarten aus anderen Gegenden der Welt den Vorteil, dass wir hier auf einen reichen wissenschaftlichen und praktischen Erfahrungsschatz setzen können“, sagt Fischer. „Gesellschaftliches Ziel ist nicht irgendeine mit Bäumen bewachsene Fläche zu haben, die im besten Fall etwas Brennholz abwirft. Wir brauchen Wälder die ihre umfangreichen Funktionen erfüllen.“

Regenreiche Lage nutzen

Dies gelinge am besten durch Mischung und Vielfalt. Und das Gute sei, dass alle davon etwas haben: „Die Natur, wir Menschen und unser Klima.“ Fischer empfieht daher, bei Anpflanzungen in erster Linie auf heimische Baumarten zu setzen. Gerade im regenreichen Westallgäu habe man dafür noch die Möglichkeiten, die Waldbesitzern in trockenen Gegenden Deutschlands fehlen.

Förster beraten kostenfrei

Die Eignung von Baumarten und die empfohlene Mischung setzt eine intensive Analyse der örtlichen Verhältnisse voraus. Die Bayerische Forstverwaltung bietet hierzu eine eigene Beratung an. Nachfolgend einige dieser möglichen Mischbaumarten für das Westallgäu:

  • Flatterulme (Ulmus laevis),
  • Schwarzerle (Alnus glutinosa),
  • Sommerlinde (Tilia platyphyllos),
  • Spitzahorn (Acer platanoides),
  • Stieleiche (Quercus robur),
  • Vogelbeere (Sorbus acuparia),
  • Vogelkirsche (Prunus avium),
  • Wildbirne (Pyrus pyraster),
  • Winterlinde (Tilia cordata).

Im unteren Landkreis Lindau, in dem jetzt schon ein deutlich wärmeres Klima vorherrscht, ist selbst der Bergmischwald kaum noch als Wald der Zukunft geeignet. Gerade die Fichte ist dort allenfalls in sehr geringen Mischungsanteilen sinnvoll. Es steigt die Dominanz der Laubbäume. Die bereits zuvor genannte Baum­artenpalette erweitert sich unter anderem um folgende Arten:

  • Esskastanie (Castanea sativa),
  • Elsbeere (Sorbus torminalis),
  • Hainbuche (Carpinus betulus),
  • Feldahorn (Acer campestre),
  • Walnuss (Juglans regia).

Ob und welche Baumarten sich für den jeweiligen Wald eignen, hängt von einer Vielzahl von standörtlichen und waldbaulichen Faktoren sowie den Zielen des Waldbesitzers ab. Waldbesitzer, die Interesse an der Weiterentwicklung ihres Waldes in einen zukunftsfähigen Mischwald haben, können sich an ihren staatlichen Förster wenden. Gerne berät dieser vor Ort zu den waldbaulichen Möglichkeiten und deren staatlicher Förderung. Die Beratung ist für Waldbesitzer sogar kostenfrei.

Eine waldfreundliche Jagd

Voraussetzung für den Aufbau von klimastabilen Mischwäldern ist, dass die neue Baumgeneration nicht gefressen wird. Der Aufwuchs der jungen Bäume funktioniert bei einem angepassten Rehwildbestand auch ohne Schutzmaßnahmen. Dies sollte der Anspruch sein, den Waldbesitzer und Jäger teilen, um den Wald artenreich und zukunftsfähig zu machen. Eine waldfreundliche Jagd tut nicht nur dem Wald gut. Strukturreiche Mischwälder bieten dem Wild einen optimalen Lebensraum.

Ein Waldumbau kann am besten gelingen, wenn das Miteinander funktioniert. Waldbesitzer sollten mit dem jeweiligen Jagdpächter  die Probleme klar ansprechen und die notwendigen Ziele vereinbaren.