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Botschafterin für die Milch

Milchprinzessin stellt sich auch der Diskussion

Packt an: Die Liebe zur Landwirtschaft, für die auf dem elterlichen Hof der Grundstein gelegt wurde, will die Milchprinzessin zu ihrem Beruf machen.
Anja Kersten
am Freitag, 12.08.2022 - 08:16

Nach der Milchprinzessin braucht man in dem kleinen Ort Kreuzanger bei Bobingen (Lks. Augsburg) nicht lange zu suchen. Ein Riesenplakat an der Scheune des Milchviehbetriebes zeigt, dass hier die Milchprinzessin Philomena Mögele daheim ist.

Das Plakat war eine Überraschung ihrer Tanten als sie zur Milchprinzessin gewählt wurde, erzählt Philomena.

Die seien von der Wahl ihrer Nichte so begeistert gewesen, dass sie ihr ein unvergessliches Geschenk machen wollten. Sie habe rein gar nichts geahnt und sich über das große Paket gewundert, erzählt Philomena. Umso größer war die Freude, als sie das Plakat ausrollte und sich selbst als Milchprinzessin anstrahlte. „Na ja, ein bisschen gewöhnungsbedürftig war es schon, sich selbst so riesig zu sehen.“

Arbeitgeber steht hinter dem Amt

Viel unterwegs: Philomena Mögele ist bayerische Milchprinzessin.

Es waren natürlich nicht nur die Tanten, die sich über ihre Wahl zur Milchprinzessin freuten. Es kamen viele Glückwünsche von Eltern, Geschwistern, Freunden, Bekannten und auch ganz besonders von ihrem Arbeitgeber Josef Veit in Oberhagenried (Münsterhausen), bei dem sie ihr Praxisjahr für das duale Studium Landwirtschaft in Triesdorf macht. Das ganze Team und die Familie auf dem Lehrbetrieb hat am Tag der Wahl auf ein Plakat am Melkgebäude gesprayt „Wir gratulieren zur Milchprinzessin“, erzählt sie mit einem Lachen.

Allein das zeige, wie sehr ihr Arbeitgeber hinter ihrer Bewerbung und auch ihrem jetzigen Amt stehe. Es waren nämlich auch er und ihre Mutter, die ihr den Schubs für die Bewerbung gegeben haben. „Die Milchkönigin und die Milchprinzessin kenne ich von klein auf. Man sieht sie oft auf Fotos und in der Zeitung“, sagt die 20-Jährige. Als sie dann ihrem Arbeitgeber und ihrer Mutter gegenüber ganz beiläufig erwähnte, dass eigentlich doch bald eine neue Milchkönigin und eine -prinzessin gesucht werde, waren sich beide einig: „Da bewirbst du dich.“

Mutter Ulrika sagt: „Philomena ist offen, kommt mit den Leuten sehr leicht ins Gespräch, hat ein enormes Wissen, steht mit beiden Beinen im Leben und vor allem steht sie voll hinter der Landwirtschaft.“ Eine Ernährung ohne Milchprodukte könne sie sich tatsächlich nicht vorstellen, antwortet Philomena und sagt, dass sie täglich Naturjoghurt und jeden Tag Käse, am liebsten Bergkäse, isst.

Für ein regionales Lebensmittel werben

Die stolze Familie: Als Philomena (Mitte) zur Milchprinzessin gewählt wurde, war die Freude bei den Eltern Stefan und Ulrike Mögele und den Geschwistern Stefan (l.) und Karolina (r.) groß. Milchprinzessin Philomena studiert derzeit Landwirtschaft dual.

Sie möchte als Milchprinzessin ihren Teil dazu beitragen, dass Milchprodukte in der Gesellschaft wieder als ein regionales, gesundes, hochwertiges Nahrungsmittel gesehen werden, und das vor allem bei jungen Leuten. Viele junge Leute setzten sich heute mit Ernährung auseinander und würden ihr Wissen aus den sozialen Medien und dem Internet beziehen.

Sowohl sie als Milchprinzessin als auch die Milchkönigin seien keine Wissenschaftlerinnen und keine Politikerinnen, aber sie seien fachlich kompetent, selbst jung und könnten damit vielleicht leichter einen Zugang zu den jungen Leuten bekommen, um mit ihnen sachlich zu diskutieren. „Ich kann mich mit jedem unterhalten, selbst wenn er eine andere Meinung hat, solange es sachlich ist und ich nicht persönlich angegriffen werde.“

Sie spricht in diesem Zusammenhang auch einen Facebook-Eintrag an, den sie zum Tag der Milch gemacht hat. In ihrem Beitrag hatte sie Fakten über das Milchland Bayern aufgezählt und wurde dafür mit hämischen Kommentaren angegriffen. „Schön ist das nicht“, sagt sie darüber, aber es relativiere sich wieder, wenn man weiß, dass 5 % der Facebook-Nutzer 50 % der Kommentare schreiben. Über manche Kommentare kann sie nur den Kopf schütteln, wie zum Beispiel, dass bei einem Melkroboter den Tieren die persönliche Beziehung zum Menschen fehle und sie darunter leiden würden.

Weil sie bereits vielen Influencern aus der Landwirtschaft auf Facebook und Instagram folgt, sei sie auch darauf vorbereitet gewesen. „Ich nehme das ganz locker“, lächelt sie, „dafür ist die Unterstützung im echten Leben umso größer“. Überall, ob bei größeren öffentlichen Auftritten oder kleineren wie bei Wochenmärkten, Dorffesten und Veranstaltungen, freue man sich, wenn sie komme. Selbst wenn sie privat unterwegs sei, werde sie als die Milchprinzessin erkannt. Weil die Anfragen und die Auftritte so zahlreich sind, sei es gut, dass es die Milchkönigin und die Milchprinzessin gibt. „Eine allein würde das nicht schaffen“, erklärt Philomena und sagt, dass sie in nur diesem Monat schon 1500 Kilometer mit dem Auto durch ganz Bayern gefahren sei und zwar von Garmisch bis Cham. Jetzt lerne sie Bayern richtig kennen.

In ganz Bayern für die Milch unterwegs

Dass sowohl Milchprinzessin als auch Milchkönigin in diesem Jahr aus Schwaben kommen, sei reiner Zufall und noch nie da gewesen. „Aber die Veronika an der Grenze zu Pfaffenhofen ist schon fast Oberbayerin“, lacht sie. Sie stünden in engem Kontakt, sprechen die Termine gegenseitig ab und haben auch gemeinsame Auftritte. Es sei schön, sich auszutauschen und zu zweit als Botschafterinnen der Milch, der Landwirtschaft und auch der Molkereien unterwegs zu sein.

Ihr Anliegen sei es, Produktkönigin der bayerischen Milchwirtschaft zu sein. Das brachte sie bereits bei ihrer Bewerbung zum Ausdruck, die sie unter den Slogan „Vom Feld bis zum Tank“stellte und der sie bei der Arbeit im Stall und auf dem Feld zeigt. Nicht nur für das Bewerbungsvideo, sondern auch im echten Leben hat sich Philomena der Landwirtschaft verschrieben. Sie absolviert ein duales Studium Landwirtschaft in Triesdorf und wird im September ihr Praxisjahr beendet haben. Landwirtschaft sei so interessant, so umfangreich, so vielseitig, dass sie das einfach studieren wolle, sagt sie über die Wahl ihres Studienfaches. Dabei mitgespielt habe sicher auch, dass sie ihre Kindheit auf dem Bauernhof als sehr glücklich empfunden habe. „Die Kinder waren immer dabei, ob im Stall oder draußen“, erzählen ihre Eltern Ulrika und Stefan Mögele. Auch sie hätten immer das Gefühl gehabt, dass die Kinder auf dem Bauernhof sehr zufrieden aufwachsen, auch wenn sie mitangepackt haben und es noch immer tun. Dass jetzt zwei ihrer Kinder Landwirtschaft lernen, Tochter Karolina macht eine landwirtschaftliche Lehre, Philomena studiert Landwirtschaft, das freue sie umso mehr. Wer weiß, ob Stefan, der jetzt 14 ist, nicht auch noch Landwirtschaft lernt.