Informationsversammlung zu Milch

Milchmarkt: Positive Signale vom Weltmarkt

Milchpreis
Margarete Schreyer
am Donnerstag, 09.01.2020 - 09:06

Mit dem Milchpreis, der Kombihaltung und der QM-Milch kamen auf der Informationsversammlung des BBV Ostallgäu drei heiße Eisen zur Sprache.

Nadler

Ebenhofen/Lks. Ostallgäu - Nachdem die Milch immer noch das wichtigste Gut der Allgäuer Landwirtschaft ist, lud der BBV Ostallgäu seine Mitglieder kurz vor Weihnachten zu einer Informationsversammlung „Milch“ ein. Mit Direktorin Isabell­a Timm-Guri und Charlotte Hörner waren an diesem Vormittag zwei Fachfrauen als Referentinnen nach Ebenhofen gekommen. Sie erläuterten aktuelle Herausforderungen für bayerische Milchviehhalter, skizzierten die Milchmarkt-Entwicklung in diesem Jahr, berichteten über Veränderungen beim QM-Milch-Standard und informierten über Kälbertransporte und die Kombinationshaltung für Betriebe mit Anbindehaltung.

Kreisobmann Josef Nadler freute sich über den guten Besuch und forderte die Teilnehmer zur gemeinsamen Diskussion über die derzeitige Agrarpolitik auf. „Auch der Aufstand unserer Landwirte war in der jetzigen Phase sehr wichtig“, betonte er.

Bei ihrer Betrachtung des Milchmarktes stellte Hörner dar, dass im Vergleich zu 2018 in den ersten zehn Monaten des Jahres 2019 im Schnitt 0,3 % weniger Milch aus Deutschland an die Molkereien geliefert wurde. Hier habe wohl der trockene Sommer die Erzeugung beeinflusst. Derzeit steige die Milch­anlieferung wieder. Der Milchpreis zeigte im Herbst eine ganz leichte Tendenz zum Besseren. In der Preisgestaltung gibt es jedoch regionale Unterschiede. „Im Süden wird mehr bezahlt als im Norden“, so Hörner. 
 

Exportchancen steigen

Hörner

Durch eine Steigerung des Verwertungspreises von Magermilch erhöhte sich der Kieler Rohstoffwert, obwohl der Butterwert deutlich tiefer als in den letzten Jahren war. Die Nachfrage nach abgepackter Butter zeige sich zwar sehr rege, die nach Blockbutter jedoch nicht. „Feste Preis­tendenzen und ein reger Absatz bei Molkepulver und Käse versprechen auf lange Sicht ein stabiles Preisniveau“, machte Hörner deutlich. Die Milchanlieferung in der EU erhöhte sich gegenüber 2018 um 0,4 % auf 120,2 Mio. t. Am stärksten steigerten Irland, Großbritannien und Polen die Produktion. 

Global bestehe die Nachfrage nach Milchprodukten weiterhin. Dabei seien die Preise etwas höher, die gehandelte Menge jedoch geringer. Laut Hörner nähert sich hier das Markt­gefüge langsam dem in Europa an. „Das bedeutet, dass die Exportchancen unserer Milch steigen und damit auch für Butter, Magermilch und Käse.“ Besonders die USA nehmen viel Käse aus der EU ab. Wie sich allerdings die geplanten Strafzölle auf das Marktgeschehen auswirken, stehe derzeit noch in den Sternen. Auch China importiert kräftig Milchprodukte. „Es geht wohl jetzt stabil weiter“, lautete Hörners Vorhersage für das kommende Jahr. Man erhoffe sich sogar eine leichte Steigerung der Milchpreise bei den neuen Preisverhandlungen im Frühjahr. „Entscheidend dabei ist, dass die Nachfrage nach Milchprodukten weiterhin anhält und diese somit nicht eingelagert werden müssen“, betonte Kreis­obmann Nadler.

QM-Milch-Standard 2020

Hörner informierte über den neuen Standard bei der QM-Milch. Seit 1. Januar sei der derzeit noch angewandte Standard ohne jeglichen Übergangszeitraum vom „QM-Milch-Standard 2020“ abgelöst. Dabei werden zukünftig fünf Kriterien mehr abgefragt. Diese seien 

  • Ermittlung des Trächtigkeitsstatus
  • und von haltungsbedingten Mängeln/Technopathien,
  • eine effiziente antibiotikareduzierte Behandlung (zur Eutergesundheit),
  • die Lagerung von Arzneimitteln
  • und das ordentliche Erscheinungsbild des Betriebes.

Damit erhöhe sich die Zahl der Kriterien von bisher 64 auf 69. Die maximal erreichbare Punktzahl liegt ab Januar bei 81 (bisher 72), die Mindestpunktzahl bei 61 statt bisher 54. Für die Mindestpunktzahl müssen dann 75 % der möglichen Punkte erreicht werden, bis jetzt genügten 72 %. „Das Erreichen der Mindestpunktzahl ist eine Hürde, die dem Großteil der Milcherzeuger keine Probleme bereiten sollte“, so Hörner. 
Künftig gebe es auch noch drei sogenannte Fokusbereiche, nämlich

  • Tierschutz,
  • Milchhygiene und
  • „betriebliches Umfeld“.

Auch innerhalb dieser Bereiche muss eine Mindestpunktzahl erreicht werden. Wenn dies der Fall ist, bleibe das Prüfintervall wie bisher bei drei Jahren. Werden die Mindestpunkte nicht erreicht, wird nach 18 Monaten wieder geprüft. Auch die sogenannte Unbedenklichkeitsbescheinigung für Futtermittel sei Ende 2019 ausgelaufen und werde dann nicht mehr akzeptiert. Futtermittel müssen von zertifizierten Lieferanten kommen.

Durch die Tierhaltungsskandale der jüngsten Vergangenheit habe es auch Veränderungen bei der Kontrollorganisation in Bayern gegeben. Jetzt werden die Kontroll- und Vollzugsaufgaben der Veterinär- und Lebensmittelüberwachung in großen Betrieben von den Kreisverwaltungsbehörden an die „Kontroll­behörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen“ (KBLV) überführt. Bis die Umorganisation greift, werde ein „Kontrollprogramm Rindergroßbetriebe“ durchgeführt.

Landwirte behandelt wie Schwerverbrecher

Mit speziellen Veranstaltungen will der BBV die Betriebsleiter noch genauer über Arten und Anforderungen sowie über Rechte und Pflichten von Landwirten und Prüfern bei den Vor-Ort-Kontrollen informieren. Zu diesem Thema entwickelte sich bei den Versammlungsteilnehmern eine rege Diskussion. Es wurde von einer Kontrolle berichtet, bei der über 15 Leute aufmarschiert seien und die Betriebsinhaber wie Schwerverbrecher behandelt wurden. „So etwas darf nicht passieren“, machte Michael Haußer deutlich und forderte, nur Kontrolleure mit mindestens zweijähriger Praxis als Tierarzt einzusetzen.

Hörner bat die Landwirte, solche überfallartigen Kontrollen unbedingt beim BBV zu melden. Kritisch sehen die Bauern auch anonyme Anzeigen und das Geschäftsmodell der „Soko Tierschutz“. „Diese Spannungen zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft haben wir derzeit, deshalb müssen wir unbedingt im Gespräch mit allen Beteiligten bleiben“, machte der Kreis­obmann deutlich.

Zwischenlösung für Kälber in Bayern?

Timm-Guri

Keine frohe Botschaft hatte Isabella Timm-Guri zum Thema Kälbertransporte im Gepäck. Sie informierte über den intensiven Einsatz des BBV, um schnell die derzeit dramatische Situation auf dem Kälbermarkt in Blauzungenrestriktionsgebieten zu verbessern. „Bei der Landesversammlung des BBV Ende November haben wir dieses Problem auch Ministerpräsident Söder eindringlich geschildert. Er sagte daraufhin eine bayerische Zwischenlösung zu, die nun sehr schnell auf den Weg gebracht werden muss“, so Timm-Guri. 

Wie in Österreich bereits passiert, sieht sie im Moment auch bei uns nur durch ein nationales Handeln eine Verbesserungschance. Dass hier schnellsten gehandelt werden muss, machten auch die Versammlungsteilnehmer deutlich, „sonst wird hier politisch ein Markt kaputt gemacht, den man später nur ganz schwer wieder zurückholen kann“, so der Tenor.

Kombinationshaltung soll Strukturbruch verhindern

Timm-Guri stellte auch die in diesem Jahr gemeinsam von BBV, VMB und den Molkereiverbänden erarbeitete Beschreibung der Kombinationshaltung vor. Da in den vergangenen Jahren das Thema Tierwohl in den Fokus von Gesellschaft und Markt­akteuren gerückt ist, wurde auch die ganzjährige Anbindungshaltung auf den Prüfstand gestellt. „Bei der Kombinationshaltung geht es nicht um gesetzliche Vorgaben, sondern um eine Diskussion mit den Markt­akteuren, die immer mehr Tierhaltungsstandards fordern, aber gleichzeitig nicht zum Totengräber der kleinen Betriebe werden wollen“, betonte Timm-Guri.

Neben dem Laufstall soll die Kombinationshaltung eine Möglichkeit für die Weiterentwicklung der Milchviehhaltung sein. Dabei habe man aber nicht die Betriebe aus dem Blick verloren, bei denen auch diese Haltung nicht möglich ist. Im Mittelpunkt der Beschreibung der Kombinationshaltung stehe der Umfang an Bewegung für die Milchkühe. 

Kombinationshalter bieten ihren Milchkühen entweder mindestens 120 Tage Bewegung oder alternativ 90 Tage Bewegung und dann zusätzlich besondere Tierwohlmaßnahmen im Stall an. „Wir haben uns als BBV aktiv daran beteiligt, eine Branchenlösung zur Kombinationshaltung zu entwickeln. Wir wollen so einen Wettlauf der Marktakteure und einen damit verbundenen Strukturbruch in der bayerischen Milcherzeugung unbedingt verhindern“, betonte Timm-Guri.
Laut Nadler gibt es auch Gespräche mit den Landratsämtern über eine unkomplizierte Umsetzung. Auch in Zusammenarbeit mit der LfL wird für die Kombinationshaltung nach praktikablen Lösungen gesucht.