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Strukturwandel

Milchmarkt - Kampf um jeden kleinen Bauern

Alpenmilch_jo
Axel Effner
am Freitag, 28.02.2020 - 10:20

Die Mitgliederversammlung der Alpenmilch EG in Palling zeigt Wege für ein neues Risikomanagement im Kuhstall auf.

Palling/Lks. Traunstein - Auf dem Milchmarkt werden die Karten gerade in vielerlei Hinsicht neu gemischt. Wachsende Rohstoffmengen und gekündigte Absatzmargen, die Diskussion ums Tierwohl und zunehmende Konkurrenz aus dem Ausland machen den Milchproduzenten hierzulande zu schaffen. Dazu kommt der aktuelle Boom von Produkten aus Milchimitaten, die im Zuge eines veganen Lebensstils starken Zuspruch finden.

Beratungskonzept von Bayern MeG und der Molkerei Bergader

Eine rege Diskussion über die Marktveränderungen prägte die Versammlung der Milcherzeugergemeinschaft Alpenmilch EG Chiemgau und Rupertiwinkel in Palling. Zur Sprache kam dabei auch ein verbessertes Risikomanagement im Kuhstall. Vorstand Josef Helminger wies darauf hin, dass sich die Zahl der Mitglieder von 3000 im Jahr 1971 auf inzwischen 650 reduziert habe. Diese lieferten im vergangenen Jahr rund 200 Mio. kg Milch.

Aufgrund der anhaltenden Diskussion über das Tierwohl werde der Druck auf Milchviehbetriebe mit Anbindehaltung immer größer, informierte Helminger. Zahlreiche Milcherzeugergemeinschaften (MeG) hätten deshalb unter Führung der Bayern MeG und der Molkerei Bergader in Waging am See ein Beratungskonzept erarbeitet. Dieses soll gerade kleineren Betrieben den Weg von ganzjähriger Anbindehaltung zur Kombinationshaltung mit Weidehaltung, Bewegungsbox oder Laufstall-Lösungen aufzeigen.

Der Vorstand legte den Mitgliedern die kostenlose Beratung bei Bergader ans Herz, weil sonst – in Folge von Absatzproblemen der Molkerei beim Handel – Abschläge bei den Milcherlösen drohen. „Wir kämpfen dabei um jeden kleinen Bauern.“ Als wichtigen Schritt zum Schutz der Regenwälder und damit zum Umweltschutz riet Helminger, nicht nur Futtermittel ohne Gentechnik, sondern auch mit dem Siegel „Herkunft Europa und GUS“ zu verwenden.

Warum ein verbessertes Risikomanagement im Kuhstall in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen wird, zeigte Markus Seemüller, Geschäftsführer der Bayern MeG auf. Von bayernweit 29.000 Milcherzeugern vertritt sie als größter Verband 14.000 Milchbauern mit einem Produktionsvolumen von knapp 5,7 Mrd. kg Milch.

Seemüller zufolge sei der Milchmarkt von einem Paradigmenwechsel gekennzeichnet, nämlich konzentrierter Handel sowie überproportionaler Zuwachs bei Milchimitaten. Dies lasse den Absatz klassischer Milchprodukte sinken. In der Folge hätten zahlreiche Privatmolkereien bereits beträchtliche Milchkaufverträge gekündigt, was die Abhängigkeit vom Export verstärke.

Werksschließung bei Danone in Rosenheim

Angekündigte Werksschließungen wie bei Danone in Rosenheim sowie die Zahlungsunwilligkeit oder Insolvenzen von Molkereien sorgen für zusätzliche Verunsicherung beim Milchgeld als Existenzgrundlage bäuerlicher Betriebe.

Zur Absicherung des Milchgeldausfalls für maximal drei Monate stellte Seemüller die Vor- und Nachteile verschiedener Versicherungsmodelle vor. Nach intensiver Prüfung habe sich die Bayern MeG für die Milchgeldabsicherung über eine neue, speziell zugeschnittene Warenkreditversicherung entschieden.

Fünf Erzeugergemeinschaften hätten bereits eine Versicherung abgeschlossen. Dies sorge zwar für mehr Markttransparenz im Umgang mit Molkereien, erhöhe aber zusätzlich auch die Erzeugerkosten für die Milchbauern. Rege diskutiert wurde das Thema Herkunftsbezeichnung und die Möglichkeit eines Werbeverbots für Schleuderpreise bei Lebensmitteln.