Bilanz

Milchmarkt hat sich schnell erholt

Auszahlungspreise
Anja Kersten
am Mittwoch, 03.02.2021 - 17:28

Die Pandemie hat den Milchmarkt Anfang des Jahres 2020 stark getroffen. Doch die Experten rechnen mit weiter steigender Nachfrage.

Die Coronapandemie hat auch den Milchmarkt anfangs stark getroffen – und doch gehen die Experten in diesem Jahr von einem ausgeglichenen und festen Milchmarkt aus. Die Aussichten im Milchmarkt im vergangenen Jahr 2020 waren anfangs gut. Es gab sogar Anlass zu Optimismus, blickte Jürgen Geyer, Leiter der Geschäftsstelle Schwaben vom Verband der Milcherzeuger Bayern (VMB), bei einer Online-Veranstaltung des BBV Kaufbeuren zurück.

Der Milchmarkt 2019 hätte sich durch eine angepasste Milcherzeugung in der EU und global ausgezeichnet, der Welthandel vor allem nach China sei ansteigend gewesen und es hätte eine feste Inlandsnachfrage gegeben, sodass die Milchpreise zum zweiten Halbjahr mit Übergang zu 2020 angezogen hätten, schilderte Jürgen Geyer die gute Stimmung.

Absätze brachen in kurzer Zeit massiv ein

Milchmarkt

Doch dann kam Corona und veränderte Gesellschaft und Wirtschaft. Innerhalb kürzester Zeit seien die Absätze im globalen Handel massiv eingebrochen. Dabei war die EU, was die Drittland-Exporte von Milchprodukten in den Jahren 2018 und 2019 betraf auf einem guten Weg. Vor allem bei Käse und Butter war in den Jahren 2018 auf 2019 eine deutliche Zunahme zu verzeichnen. Auch der Export von Magermilchpulver zog in diesen Jahren deutlich an.

Doch mit Corona wurde die anhaltende Nachfrage gestoppt. Die Nachfrage nach Käse sank allein von Januar bis April 2020 um mehr als 21 000 t im Vergleich zum Vorjahr, die nach Magermilchpulver um fast 65 000 t. Auch der Binnenhandel mit deutschem Käse zu den Nachbarstaaten hat deutlich nachgelassen. So ging zum Beispiel der Export von deutschem Käse nach Italien innerhalb kürzester Zeit um 13 % zurück, was vor allem die bayerischen Milchverarbeiter getroffen hat.

Milchauszahlungspreis ging stark zurück

Mit der sinkenden Nachfrage gingen auch die Preise zurück. So sank der Milchauszahlungspreis für konventionelle Milch (4,0 % Fett, 3,4 % Eiweiß) in Deutschland ab Hof im Juni 2020 auf knapp über 31,03 ct/kg. Obwohl der Markt im Januar und Februar in China und mit Ausbreitung des Virus mit zeitlicher Verzögerung dann auch weltweit massiv eingebrochen ist, erholte sich dieser schnell, wie der Referent am Beispiel Chinas zeigte. China importierte auf das Jahr 2020 bezogen sogar mehr Butter und Käse als im Vergleich zum Vorjahr. Bei Milchpulver, die Hauptimportmenge von China, schloss die Menge zum Vorjahr an.

Milchmarkt

Die steigende Nachfrage zeigte sich beim Durchschnittpreis bei der international stattfinden Handelsauktion (Global dairy tender) für Milchstandardprodukte. Seit seinem niedrigsten Wert von 2800 US Dollar im Frühjahr 2020 ist der Preis um mehr als 600 Dollar angezogen und betrug am 5. Januar 2021 3420 US Dollar pro Mischtonne. Die Weltmarktpreise für Butter sanken von einem durchschnittlichen Handelspreis von 4029 US-Dollar pro Tonne von September 2019 auf einen Tiefstpreis von 3334 US-Dollar im September 2020. Doch danach zog der Handelspreis wieder an und liegt (Stand: 5. 1. 2021) bei 4526 US-Dollar bei Butter.

Diese Tendenz zeigte sich auch bei Käse, Vollmilchpulver und Magermilchpulver. Ein weiterer Grund für den optimistischen Ausblick der Analysten ist der steigende Rohstoffpreis bei Rohöl. Der steigende Rohstoffpreis bei Rohöl führt zu einer höheren Kaufkraft. Viele erdölexportierende Staaten beziehen auf dem Weltmarkt eine größere Menge an Milchprodukten. Diese Nachfrage wirkt sich wiederum positiv aus.

Deutsche Haushalte kauften mehr Käse

Auch die Inlandsnachfrage war im letzten Jahr positiv. Haushalte kauften mehr Joghurt, Butter und Käse als im Jahr 2019. Die Inlandsnachfrage bei Käse ist um mehr als 8 % gestiegen. Es wurde mehr Weich- und Hartkäse sowie Pasta Filata hergestellt, so wurden 2020 26 500 t mehr Pasta Filata als im Vorjahr produziert.

Die steigende Nachfrage wirkte sich positiv auf die Preise aus, die bei Butter, Edamer und Magermilchpulver seit September 2020 wieder ansteigen. Insgesamt, so Geyer, zeige auch der Milchauszahlungspreis in Deutschland eine anziehende Tendenz. Im letzten Jahr konnte vor allem Biokonsummilch und Weidemilch von einer steigenden Nachfrage profitieren. Der Milchauszahlungspreis von Biokuhmilch lag 2020 mit 48,70 ct damit sogar höher als 2019 mit 47,94 ct.

Erste positive Entwicklungen absehbar

Was die Menge an Rohmilch und konventionelle Milch in Deutschland betrifft, ist diese von Januar bis Oktober 2020 im Vergleich zum Vorjahr mit einem Plus von 0,3 % fast gleich geblieben. In Bayern ist sie im selben Zeitraum um 1 % zurückgegangen.

Insgesamt, so fasste Geyer zusammen, hätte es im zweiten Halbjahr 2020 erste positive Entwicklungen gegeben, was die Preise für Butter, Magermilchpulver und einige Käsesorten beträfe. Der GDT Tender sei fester, die Nachfrage nach „Frischeprodukten“ fast unverändert. Er gehe deshalb im 1. Halbjahr 2021 von einem guten Konsumverbrauch, einem regen Exportabsatz bei einer angepassten Milcherzeugung in Deutschland und daher einem ausgeglichenen und festen Milchmarkt aus.