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Milchviehhaltung

Milchbauern vor vielen Baustellen

Birgit Böllinger
am Montag, 25.07.2022 - 10:23

Zuerst Corona, dann der russische Angriffskrieg: Auch die Milchbauern der MEG Augsburg-West bekommen die Folgen zu spüren. Mit Reinhold Mayer, der nicht mehr für den Vorstand kandidiert, geht zudem bei der MEG eine Ära zu Ende.

Milchviehhalter

Nach 22 Jahren als Vorstand der Milcherzeugergemeinschaft (MEG) Augsburg-West tritt Reinhold Mayer (Prittriching) von seinem Amt zurück. „Jetzt ist die nächste Generation dran“, meint er. Bei der Jahreshauptversammlung in Biburg wurde das Engagement Mayers als Gründungsmitglied der MEG auf Bayernebene, als langjähriger 2. Vorsitzender der MEG in Bayern und für die Gemeinschaft in Augsburg-West gewürdigt. Er habe er sein „Leben der Milch verschrieben“ und sich für seinen Berufsstand eingesetzt. In Biburg gab Mayer nochmals eine Bilanz für die MEG Augsburg-West mit ihren 126 Mitgliedern, die aus dem Landkreis Augsburg, Neuburg a. d. Donau, Aichach-Friedberg und Landsberg kommen, ab.

Gestiegene Arbeitskosten gehören in die Kalkulation

„Hätten wir bei der Milchpreisentwicklung im aktuellen Jahr die Dünger- und Dieselpreise von vor zwei Jahren, wären wir als Milchbauern nun endlich auch einmal auf der Sonnenseite“, leitete Mayer seinen Geschäftsbericht ein. Denn von einem durchschnittlichen LfL-Milchpreis von 37,77 Ct/kg im Jahr 2021 klettert die Kurve seit November dieses Jahres stetig nach oben: Knapp 42,00 Ct zahlten die Molkereien durchschnittlich im Januar 2022, für Juni und Juli liegt der Preis schon über 50 Cent. Doch der erzielte Milchpreis allein ist eben nicht entscheidend, auch die Arbeitskosten gehören in die Kalkulation. Und die sind, gerade auch in der Landwirtschaft, enorm gestiegen, wie Jürgen Geyer von der Geschäftsstelle Kempten des Verbandes der Milcherzeuger in Bayern in seinem Vortrag erläuterte.

Vertrag mit der Molkerei Zott wurde gekündigt

Nach mehreren Gesprächen mit der Molkerei Zott sei der Vertrag wegen der Einschränkung für die Anbindehalter vorzeitig aufgelöst worden, berichtete Mayer weiter. Bei der Lieferantenversammlung habe man daher beschlossen, einen Molkereiwechsel durchzuführen. Von der MEG Augsburg-West werden seit 1. Juli 2020 neu die Milchwerke Bad Wörishofen beliefert. „Offenbar haben wir da eine gute Wahl getroffen“, so Mayer, „bislang habe ich jedenfalls nichts anderes gehört“. Außerdem werde die Zusammenarbeit mit der Molkerei Gropper aus Bissingen und der Molkerei Müller Aretsried fortgesetzt.

Im Jahr 2021 lieferten 21 Landwirte rund 5,8 Mio. kg Milch an die Wörishofer, davon knapp 99 % der Güteklasse 1. 17 Bauern lieferten rund 4,1 Mio. kg an Müller in Aretsried. Der größte Abnehmer ist Gropper, deren Geschäftsführer Heinrich Gropper eigens zur Versammlung gekommen war. 80 Bauern lieferten 2021 über 35 Mio. kg Milch an Gropper, davon fast 100 % Güteklasse 1.

Einen Ausblick auf die allgemeine Verbandspolitik und die Lage der Landwirtschaft gab der geschäftsführende Vorstand des Milchprüfrings und BBV-Bezirkspräsident Alfred Enderle ab. Mit seiner Kritik an der Politik der aktuellen Bundesregierung hielt er dabei nicht hinter dem Berg: „Es ist erschreckend, wie vollkommen resistent die deutsche Politik gegenüber den Veränderungen auf der Welt ist.“ Zur Umsetzung der gemeinsamen EU-Agrarpolitik ab 2023 sagte Enderle, man könne nur hoffen, dass Brüssel dazu beitrage, den bürokratischen Aufwand einzudämmen und für praxisnahe Lösungen für die Bauern zu sorgen.

Die Situation der Molkereien stellte Heinrich Gropper dar. „Man muss sich nur mal vorstellen, was das für die Milchproduktion bedeutet, wenn das Gas ausfällt.“ Der Krieg und seine Folgen stellen alles auf den Kopf. „Und dabei sprechen wir nicht nur von den reinen Energiekosten“. So galoppierten die Weltmarktpreise beispielsweise für Zucker und Kaffee, die Gropper für seine Verarbeitung benötigt, davon, aber auch Verpackungsmaterial und andere Dinge seien ungleich teurer geworden. So sei in den beiden Werken der Molkerei eine Kostensteigerung im zweistelligen Millionenbereich allein bei der Energie zu verzeichnen, „Wenn die Märkte sich so rasant bewegen wie derzeit, läuft man der Preisentwicklung eigentlich nur noch hinterher“, sagte Gropper. Momentan könne man nur auf Sicht fahren, auch weil man nicht wisse, wie sich das Konsumentenverhalten ändere.

Neuer Beirat wählt einen neuen Vorsitzenden

Bei den Wahlen zum MEG-Beirat wurden Josef Fichtel (Dinkelscherben), Thomas Fischer (Willishausen), Felix Frey (Dinkelscherben), Josef Golling (Ehekirchen), Josef Guggenberger (Willishausen), Dominik Landherr (Siegertshofen), Michael Meyr (Ziemetshausen), Michael Miller (Biberbach), Markus Müller (Gennach), Jürgen Schmid (Dinkelscherben), Dominikus Schweihofer (Herbertshofen), Rüdiger Vogele (Wollbach) und Martin Zott (Aretsried) gewählt. Der Beirat wählt in den nächsten Tagen einen neuen Vorstand aus seinen Reihen.