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Schweinemästertag

Jede Menge Vorschriften

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Michael Ammich
am Freitag, 20.03.2020 - 07:16

Für die schwäbischen Schweinemäster sind Biogasanlagen ein wichtiges Thema

Gottmannshofen/Lks. Dillingen - Mit den wachsenden Anforderungen steigen auch die Kosten. Beim Schwäbischen Schweinemästertag in Gottmannshofen erläuterten Hannes Geitner vom AELF Nördlingen und Max Hofinger vom AELF Landshut, welche Fallstricke in den gesetzlichen Bestimmungen und in der Wirtschaftlichkeit von Biogasanlagen lauern, die der Lagerung und Vergärung von Gülle und Festmist dienen.

Unberechenbare Politik bietet kaum Orientierungshilfen

Eröffnet wurde der Schweinemästertag vom Vorsitzenden des Fleischerzeugerrings Wertingen, Hermann Kästle. Eine unberechenbare Politik könne den Landwirten kaum mehr Orientierungshilfen bieten. Viele Vorgaben warteten bis heute auf Lösungsansätze für ihre praxisnahe Umsetzung, bestätigte auch Wolfgang Grob, der die Veranstaltung als Leiter des Fachzentrums Scheinezucht und -haltung am AELF Wertingen moderierte. Das betreffe nicht nur die Düngeverordnung oder die schmerzfreie Ferkelkastration, sondern ebenso die Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen, kurz „Anlagenverordnung“ oder AwSV.

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Max Hofinger vom Fachzentrum Schweinezucht und -haltung am AELF Landshut erläuterte, was es mit dieser Verordnung auf sich hat. In der Anlage 7 der AwSV, die sich auf die Landwirtschaft bezieht, geht es insbesondere um Anlagen, in denen mit Jauche, Gülle und Sickerstoff gearbeitet wird, die sogenannten JGS-Anlagen.

Dazu gehören beispielsweise Behälter, Sammelgruben, Erdbecken, Mistlagerstätten und Fahrsilos. Zur Anlagenverordnung gesellt sich noch ein Technisches Regelwerk (TRwS). Kurzgefasst kommt es darauf an, dass die entsprechenden Anlagen so beschaffen sind, dass keine wassergefährdenden Stoffe austreten können, und Undichtigkeiten schnell und zuverlässig zu beseitigen sind.

Regelwerk verlangt Leckageerkennung

Zu den wichtigen Neuerungen gehört die Pflicht, Neu- und Umbauten anzuzeigen und sie von einem Fachbetrieb vornehmen zu lassen. Vor der Inbetriebnahme ist außerdem ein Sachverständiger beizuziehen. Das Technische Regelwerk verlangt jetzt auch eine Leckageerkennung. Betroffen sind Silagesickersaftbehälter mit mehr als 25 m³ Kapazität, sonstige JGS-Anlagen mit mehr als 500 m³ Fassungsvermögen sowie Festmistplatten und Fahrsilos mit einer Lagerkapazität von mehr als 1000 m³. Liegt ihr Volumen unter diesen Werten, sind sie von der Anzeige-, Fachbetriebs- und Sachverständigenpficht befreit.

Die Pflicht zur Einrichtung eines Leckageerkennungssystems gilt für alle einwandigen JGS-Lageranlagen mit mehr als 25 m³ Volumen, sofern sie wassergefährdende Stoffe enthalten. Dabei gehört alles zur Anlage, das in einem hydraulischen Zusammenhang steht, also auch die Staukanäle im Stall, Vorbehälter oder Rohrleitungen.

In einem weiteren Punkt müssen investitionswillige Landwirte umdenken: Auch baugenehmigungsfreie Anlagen können künftig unter bestimmten Voraussetzungen anzeigepflichtig sein.

Ohne Verwendbarkeitsnachweis keine Zulassung

Erst nach der Erteilung aller Genehmigungen und Ausnahmegenehmigungen kann mit dem Bau einer JGS-Anlage begonnen werden, betonte Hofinger. Vor der Inbetriebnahme muss jedoch ein Sachverständiger die Anlage prüfen, spätestens ein Jahr später muss dieser eine weitere Sichtprüfung vornehmen. Zudem hat der Betreiber regelmäßig die Sicherheitseinrichtungen auf ihre Funktion zu kontrollieren.

Probleme kann der Verwendbarkeitsnachweis für Anlagenteile bereiten, ohne den keine bauaufsichtliche Zulassung möglich ist. Für manche Bauteile von JGS-Anlagen gibt es nämlich bislang gar keinen Verwendbarkeitsnachweis. Allerdings können die zuständigen Behörden hier eine Ausnahmegenehmigung erteilen, so dass auch ohne diesen Nachweis gebaut werden kann.

Derzeit benötigen noch alle neuen bayerischen JGS-Anlagen eine solche Ausnahmegenehmigung, wie Hofinger erklärte. In der Regel wird diese auch erteilt, wenn die Anlagen über ein Leckageerkennunsgsystem verfügen. Dieses besteht im Prinzip aus einer Folie unter dem Anlagenboden und einem Kontrollrohr nach oben.

Unter Stallbauten ist eine Leckageerkennung nur erforderlich, wenn der Füllstand des Güllekanals 75 cm überschreitet. Ist er höher, kann beispielsweise ein Überlaufrohr eingebaut werden. Damit ist es aber noch nicht getan. Der Abfüllplatz bei der Güllegrube muss befestigt und übergelaufene Gülle in die Grube zurückführbar sein.

Kosten für Bau einer JGS-Anlage deutlich teurer als bisher

Für Bestandsanlagen mit einem Fassungsvermögen von weniger als 1500 m³ gilt die Anzeigepflicht nur dann, wenn an ihr wesentliche Änderungen erfolgen oder sie stillgelegt wird. Es besteht keine Sachverständigenpflicht, jedoch eine Anzeigepflicht, falls einmal wassergefährdende Stoffe ausgetreten sein sollten.

Für Bestandsanlagen mit einer Kapazität von mehr als 1500 m³ gilt eine Pflicht zur Eigenüberwachung mit Dokumentation. Ihre Dichtheit ist mittels geeigneter technischer oder organisatorischer Maßnahmen nachzuweisen, was wiederum die Prüfung durch einen Sachverständigen voraussetzt.

Hofinger bezifferte die Kosten für den Bau einer neuen JGS-Anlage auf 80 bis 90 € pro m3 – das ist deutlich teurer als bisher.

Schweinemäster sehen Biogas als Alternative

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Mancher Schweinemäster sieht sich nach einer Alternative um. Das könnte eine kleine güllebetriebene 75 kW-Biogasanlage sein. 46 solcher Anlagen gibt es derzeit in Nordschwaben, sagte Hannes Geitner, Fachberater für Landtechnik und erneuerbare Energieen vom Fachzentrum Diversifizierung und Strukturentwicklung am AELF Nördlingen.

Eine Umfrage unter den Kleinanlagenbetreibern ergab, dass sie mit der Gasausbeute zufrieden sind. Wie sich herausstellte, spielen die Investitionskosten für eine mehr oder weniger starke technische Aufrüstung der Anlagen keine Rolle für die erzielten Gaserträge. Vielmehr werden diese von der Leistung und Fütterungsintensität oder vom Entmistungssystem in den Ställen beeinflusst. „Je frischer die Gülle ist, desto besser“, betonte Geitner.

Wird Gülle aus einem anderen Betrieb besorgt, können sich bereits Einbußen beim Gasertrag ergeben. Auch eine Verweildauer der Gülle von weniger als 150 Tagen führt zu Ertragsverlusten. Schweinegülle weist zwar nur einen Trockenmassegehalt von 6 % auf, mit 60 % ist ihr Methangehalt jedoch deutlich höher als der von Rindergülle.

Daher erfordert die Biogaserzeugung aus Schweinegülle eine höhere Zusatzfütterung, um auf einen ordentlichen Gasertrag zu kommen. Ihr geringer Trockenmasseanteil führt zu einer verstärkten Schwimmschichtbildung, wodurch ein höherer Rühraufwand entsteht.

Täglicher Arbeitsaufwand bis zu einer Stunde

Die Investitionskosten für eine 75 kW-Biogasanlage bezifferte Geitner je nach Ausstattung und Rahmenbedingungen auf 550 000 bis 750 000 €, den täglichen Arbeitsaufwand für ihren Betrieb auf eine halbe bis eine Stunde.

Der Vorteil für den Schweinemäster, der eine Biogasanlage betreibt, liegt auf der Hand: Die Einnahmen aus der Stromerzeugung sichern die betriebliche Liquidität in Zeiten geringer landwirtschaftlicher Erlöse. Für die befragten nordschwäbischen Betreiber haben sich die kleinen Biogasanlagen zu einem respektablen zweiten Standbein entwickelt. Sie betrachten sie als optimale Ergänzung zu ihrer Tierhaltung.

Nach wie vor gilt im EEG eine gesetzlich geregelte Vergütung mit einer Laufzeit von 20 Jahren. Unverändert ist auch die halbjährliche Degression dieser Vergütung um 0,5 %, das sind bei 8700 Volllaststunden pro Halbjahr 780 € weniger. Derzeit erhalten die Anlagenbetreiber 22,26 ct für jede Kilowattstunde erzeugten Stroms. 2019 trat das Energiesammelgesetz in Kraft. Danach dürfen jetzt Güllekleinanlagen bei einer durchschnittlichen Jahresleistung von 75 kW über eine installierte Leistung von 150 kW verfügen.

Weiterhin gilt jedoch die Vorschrift, dass sie zu 80 % mit Gülle beschickt werden müssen. Geitner machte die Schweinemäster darauf aufmerksam, dass in der geplanten neuen Technischen Anleitung (TA) Luft für Biogasanlagen ein Mindestabstand von 100 m zur nächsten Wohnbebauung gefordert wird. Außerdem gelten Biogasanlagen nicht als privilegiert – es sei denn, sie stehen im Außenbereich in einem engen räumlich-funktionalen Zusammenhang mit dem Betrieb oder einem betrieblichen Schwerpunkt.

Wirtschaftlichkeit hängt vom Gülleanfall ab

Die Wirtschaftlichkeit einer kleinen Biogasanlage hängt bei der Schweinehaltung wesentlich vom Gülleanfall und damit von der Bestandsgröße ab. Ist diese zu klein, kann die Verfütterung von energiereichen Futtermitteln an die Schweine dabei helfen, die fehlende Güllemenge zu ersetzen. Das wird allerdings schnell ein teurer Spaß, wie Geitner anhand von Wirtschaftlichkeitsberechnungen aufzeigte. Alternativ bietet sich die Zufuhr von Gülle aus einem anderen Betrieb an. Falls diese nicht kostenfrei von einem Betrieb erfolgt, der sich in einer Zwangslage befindet, können jedoch auch hier mehrere tausend Euro pro Jahr an Zusatzkosten anfallen.

Wirtschaftlich kann die Investition in eine Biogasanlage auch dann sein, wenn ohnehin der Bau eines Güllebehälters geplant ist, der später als Bestandteil der Anlage dienen soll. Ein Risiko besteht in möglichen neuen Auflagen, in Kostensteigerungen und in der Abhängigkeit von einem Betrieb, der Gülle für die Biogasanlage abgibt.

Günstig auf die Kosten wirkt sich die Vergärung von Festmist und energiereichen Co-Fermentaten wie Backabfällen oder Getreideputz aus und wenn in der Nähe ein Trafo und eine günstige Stromanbindung vorhanden sind. Anders als bei großen Biogasanlagen besteht jedoch für eine 75 kW-Anlage nur ein geringes Risiko von steigenden Substratkosten. Geitner rechnert außerdem damit, dass die Bundesregierung für das Erreichen ihrer Klimaschutzziele die Güllevergärung künftig noch stärker fördern wird.