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Mehrere Wölfe im Ries gesichtet

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Redaktion Wochenblatt
am Montag, 12.07.2021 - 16:43

Bei den Schäfern im Ries wächst die Sorge, dass ihre Tiere vom Wolf gerissen werden. Nun wenden sie sich an die Landespolitik.

Fünfstetten/Harburg Die Schäfer im Ries machen sich Sorgen um ihre Zukunft. Seitdem in der Region mehrere Wölfe gesehen wurden, wächst die Angst, dass ihre Tiere gerissen werden. „Wir sehen unsere Existenz gefährdet“, stellt Franz Rupprecht in aller Klarheit fest. Der Fünfstettener ist in dritter Generation einer von sechs Haupterwerbs-Schäfern im Landkreis, die insgesamt 4000 bis 5000 Muttertiere halten. Damit gilt das Donau-Ries als schafreichster Landkreis in ganz Schwaben.

Zusammen mit seinen Kollegen hat Rupprecht nun eine Arbeitsgemeinschaft „Schäfereien Landkreis Donau-Ries und Umgebung“ gegründet und den Landtagsabgeordneten Wolfgang Fackler auf seinen Hof eingeladen, um mit ihm frühzeitig die Situation zu besprechen und Gegenmaßnahmen auszuloten. „Wir fordern neben der Förderung von Herdenschutzmaßnahmen eine Bestandsregulierung und damit die Umsetzung aller EU-rechtlichen Möglichkeiten in nationales Recht“, so Fackler. Schließlich müsse es auch beim Wolf darum gehen, die Belange aller Beteiligten im verträglichen Maße zu achten und Lösungen zu finden, den Artenschutz sowie die Existenz der Weidetierhalter zu berücksichtigen.

Brief an Glauber geschickt

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Die Schafhalter haben konkrete Vorstellungen, die sie per Brief auch an Umweltminister Thorsten Glauber unter der Überschrift „Die bayerische Weidetierhaltung ist in Gefahr“ gerichtet: „Wir fordern beispielsweise die Erstattung der zusätzlichen Kosten und des Arbeitsaufwandes für die wolfsichere Einzäunung unserer Weidetiere“, erklärt Schriftführerin Linda Raab aus Ederheim. Zudem soll der Landkreis vom Landesamt für Umwelt präventiv als Wolfsgebiet ausgewiesen werden, bevor ein Schaden eintritt. Damit wäre auch eine finanzielle Unterstützung nach der Herdenschutzförderung möglich.

In der praktischen Schafhaltung in der dicht besiedelten Region ist es aus Sicht der Schafhalter beinahe unmöglich, die Herdenschutzhunde so mitzuführen. Alleine der zeitliche Mehraufwand betrage pro Tag eine Stunde. Zudem soll der Hund am Morgen vor dem Austrieb der Schafe aus der Herde entnommen und sicher sowie tierschutzgerecht in einem bereitstehenden Anhänger untergebracht werden. Die Kosten für den Herdenschutzhund seien einigen kleineren Betrieben zu hoch. Er koste schließlich dem Halter zusätzlich noch Unterhalt (Futter, Gesundheitsvorsorge, Arbeitszeit, Haftpflichtversicherung). Dies sei bei der Förderung nicht berücksichtigt. „Ein Herdenschutzhund ist deshalb nicht praktikabel und kann nur die letzte Maßnahme sein“, so die Arbeitsgemeinschaft . Sie denkt beispielsweise an Koppelhaltungen auf größeren Flächen. Unakzeptabel sei dies dagegen bei Hütehaltung oder Koppelhaltung auf kleinen Flächen, berichten die Schäfer.

Die Chefredakteure der drei großen Agrarmedien agrarheute, Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt sowie LAND & FORST zeigen die Problematik rund um den Wolf in einem Video auf. Hier sehen Sie das Video:

Verlust an Artenvielfalt droht

Simone Prinzing aus Harburg bringt ein weiteres Argument in die Diskussion ein: „Unser Berufsstand ist überaltert, deswegen brauchen wir Unterstützung, auch um den dringend benötigten Nachwuchs zu finden.“ Wenn immer mehr Schäfer aufhören, dann hätte das nämlich auch Auswirkungen auf Klimaschutz und Umweltschutz. Schließlich leisten die Schäfer mit ihren Tieren einen großen Beitrag zur Pflege von 800 ha Weideflächen im Landkreis, der Offenhaltung der typischen Wachholderheiden sowie der Grenzertragsböden.

Auch die Kommunen müssten sich auf steigende Kosten bei der Pflege ihrer Weiden einstellen, die dann maschinell erfolgen müsste. „Außerdem geht durch die Verbuschung aufgrund der nicht mehr ausgeführten Pflege die mühsam aufgebaute Artenvielfalt verloren“, ergänzt Rupprecht.

Dieser Artikel entstand auf Basis einer Pressemitteilung von Wolfgang Fackler.