Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Bullenmaststall

Mehr Tierwohl ohne mehr Emissionen

benz-1 (3)
Dr. Josef Hiemer
am Donnerstag, 20.01.2022 - 17:06

Mehr Tierwohl und weniger Treibhausgase sind in der öffentlichen Diskussion ganz oben, wenn es um die künftige Ausrichtung unserer Landwirtschaft geht. Peter Schad hat seinen Bullenmaststall genau in dieser Hinsicht geplant und gebaut.

Eine wesentliche Voraussetzung für mehr Tierwohl ist mehr Platz. Mit steigenden Platz je Tier steigt aber auch die umweltbelastende Ammoniak emittierende Fläche. In dem über EIP-Rind geförderten Bullenmaststall von Peter Schad in Biberach haben die Bullen indes mehr Platz, ohne dass die NH3-Emissionen gegenüber einem traditionellen Vollspaltenstall angestiegen wären.

benz-1 (1)

Mehr Tierwohl ohne zusätzliche NH3-Emission erfordert entsprechend neue Wege im Stallbau. Das EU-geförderte Programm EIP-Rind ist angelegt, um hierfür Lösungen in Zusammenarbeit von Forschung, Beratung, Architekten zu suchen, und zwar zusammen mit Landwirten, die bereit sind, Neuerungen umzusetzen. Die mit den Landwirten erarbeiteten Vorschläge landen nicht in einer Schublade, sondern werden tatsächlich realisiert und auf ihre Tauglichkeit geprüft. Die fachliche und wissenschaftliche Leitung liegt bei Prof. Dr. Barbara Benz, HfWU Nürtingen-Geislingen.

Peter Schad begann 2017, neben seinem Milchviehbetrieb mit 80 Kühen plus Nachzucht und Biogasanlage, mit der Planung eines Bullenmaststalles für 270 Plätze mit angeschlossener Futterküche. Sein Motiv für den Stallbau war die Unsicherheit über die Zukunft seiner 2011 gebauten Biogasanlage. Er befürchtete, dass Biogas aufgrund von Beschlüssen der Politik keine Zukunft hat. Im Juni 2019 begann er dann mit dem Bau des Stalles, Fertigstellung und Stallbezug war bereits im November 2019.

Tretmist oder Spalten

Die Frage „Tretmist oder Spalten“ entschied Peter Schad schließlich zu Gunsten der Spaltenböden. Ausschlaggebend für diese Entscheidung war der hohe Grünlandanteil in seinem Betrieb, der regelmäßige Güllegaben nötig macht, und auf dem die Festmistmengen von Tretmistställen schwer unterzubringen sind.

EIP Betrieb Schad  _Benz (1)

Die Befürchtung von Peter Schad, die drainierte Liegefläche mit Gummiauflage würde durch die Stroheinstreu verstopfen, haben sich erfreulicherweise nicht bestätigt. „Am Anfang war ich da sehr skeptisch“, gibt er aber zu.

Die Spalten haben eine Schlitzweite von 35 mm, die darauf liegende Gummimatte Schlitzweiten von 20 bis 30 mm. Durch ein Gefälle von 4 % fließt der Harn von den 20 cm breiten Gummis schneller ab. Der Boden des Liegebereichs hat ein Gefälle von 2 % zum Spaltenboden des Fressplatzes.

Die Gummimatten sorgen für eine verbesserte Rutschsicherheit beim Aufstehen. Die längere Außenklaue kann zudem in den verformbaren Gummi eindringen. Das Gewicht der Tiere wird dadurch auf Innen- und Außenklaue gleichmäßig verteilt. Durch die Wärmedämmung kann die Lufttemperatur niedrig, und der Luftaustausch hoch gehalten werden.

Automatische Einstreu

Die Stroheinstreu erfolgt über eine Edelstahl-Ringleitung. Mitnehmer aus Kunststoff entlang eines Seiles befördern das Strohmehl vom Strohbunker in der Futterhalle in den Liegebereich der Buchten. Wenn die Ringleitung nach ca. 7 Minuten mit dem Stroh gefüllt ist, öffnen sich über jeder Bucht zwei Schieber und das Stroh rieselt auf die Tiere. Dieser Vorgang wiederholt sich, gesteuert von einer Zeitschaltuhr, alle 3 Stunden. Diese Art der Stroheinstreu hat sich Peter Schad von Schweinebetrieben abgeschaut. Sie funktioniert mit kurzem, staubfreiem Einstreumaterial. Der Strohbedarf beträgt in etwa ein Großpacken Strohmehl pro Woche, hat Schad festgestellt .
2021_6_eigene Bilder Peter Schad (3)

Der als freitragende Leimbinderkonstruktion ausgeführte Stall hat eine Länge von 78 m. Daran schließen sich die 17 m lange Futterküche mit den Bunkern und Silos für die automatische Fütterung und dem Bunker für das Strohmehl der automatischen Einstreuvorrichtung an. Bei einer Breite von 19 m und einem 4 m breiten Futtertisch ergeben sich auf jeder Seite 7,5 m tiefe Buchten.

Um bei einem Ausfall der automatischen Fütterung mit der traditionellen Technik füttern zu können, wollte der Betriebsleiter nicht auf einen befahrbaren Futtertisch verzichten. Aus Kostengründen liegen die Koppelpfetten des Daches auf den Leimbindern. Die Eindeckung des Stalles besteht aus einem 40 mm starken wärmegedämmten Sandwichdach, unterbrochen von einem 3 m breiten Lichtfirst.

Strom für den Bullenmaststall, den Milchviehstall und ein Gästehaus liefert eine auf dem Dach installierte PV-Anlage. Neben dem First fällt weiteres Licht über durchgehende Hubfenster über der zwei Meter hohen Betonwand und der 35 mm starken Holzwand an den Seitenwänden in den Stall. Die Höhe der 2 m hohen Holzwand ergab sich aus der Vorgabe, dass die Außentüren in jeder Bucht auch bei völlig geöffneten Hubfenstern offen bleiben müssen.
Die Außentüren ermöglichen in einem nächsten Schritt den Bau eines Laufhofes, um möglichen neuen Anforderungen der Kunden oder des Handels zu erfüllen.
Ausschlaggebend für die Außenwandkonstruktion war die Befürchtung, die Entmistungstechnik würde im Winter einfrieren. Statt der hohen Holzbohlenwände und der Hubfenster an den Längsseiten würde Peter Schad heute weit zu öffnende Curtains einbauen. Der Grund: An heißen Tagen ist die Luftqualität im Liegebereich beeinträchtigt, besonders bei liegenden Tieren – trotz geöffneter Außentüren in jeder Bucht.
Für die Mast werden die Tiere in zwei Gruppen eingeteilt. Die Buchtenbreite schwankt zwischen 9 m und 10 m in der älteren Gruppe. Jede Bucht ist mit 15 Tieren belegt. Somit ergibt sich ein Platzangebot von 3,5 m² bzw. 5 m² für die jüngeren und älteren Tiere. Alle Tiere können gleichzeitig liegen. Damit werden die Vorgaben der Tierschutzleitlinie übertroffen. Auf jeder Stallseite befinden sich 117 Fressplätze. Das Tier-/Fressplatzverhältnis beträgt somit 1,15 : 1 bei automatischer Fütterung.

Kein Treibgang notwendig

Die Buchten sind zweigeteilt. Sie bestehen aus einem 3,5 m breiten Fress- und einem 4 m tiefen Liegebereich, abgeteilt durch ein Trenngitter mit zwei Übergängen. Die Tiere können mit Schwenkgittern entweder in den Fress- oder Liegebereich eingesperrt werden. Ein Treibgang ist deshalb nicht notwendig.
Die Stallbreite konnte dadurch um circa 2 m reduziert werden. Und das ermöglichte eine merkliche Kostensenkung des stützenfreien Gebäudes bei einer Schneelast von 2,47 kN/ m².
Ein Fressgitter gibt es nur für die frisch eingestallten drei Gruppen. Zwischen den Boxen versorgen Doppelventiltränken die Tiere mit Wasser. Knabberholz in den Buchten bietet den Tieren Beschäftigungsmöglichkeiten.

Unterflurentmistung

Außergewöhnlich ist die Entmistung des Bullenmaststalles. Statt eines Treibkanals transportieren vier Schieber in vier Kanälen unter dem Spaltenboden die Gülle aus dem Stall direkt in die Biogasanlage. Ein Treibmistkanal wäre bei einer Tiefe von 1,3 m am Kanalanfang nach 78 m mit 40 cm tiefen Stufen alle 12 m ganze 3,7 m tief geworden. Die Kosten für einen solchen Unterbau wären um fast 200 000 € höher gewesen. Peter Schad hatte zudem Zweifel, ob das Treibmistsystem bei dem trockenen Kot der Bullen auf dieser Länge überhaupt noch funktionieren würde.
Schad_Benz_Entmistungsanlage Antrieb

Die Kanalsohle in den vier Kanälen ist nur 70 cm tief. Ein Motor auf jeder Stallseite treibt über eine durchlaufende Kette je zwei gegenläufige Schieber an. Alle vier Stunden transportieren die Schieber die Gülle in den Querkanal. Ein Umlauf dauert 1 Stunde 20 Minuten.

Die 7 m³ Gülle/Tag landen in einem Querkanal. Dort misst ein Ultraschallsensor den Güllestand. Einmal am Tag wird die Gülle für 15 Minuten im Querkanal gerührt. Eine Exzenterschnecke pumpt sie 4 mal am Tag häppchenweise direkt in den Fermenter. Seit dem Stallbezug räumen die Schieber zuverlässig den Güllekanal.

Die Unterflurentmistung hat neben der Kostensenkung drei weitere positive Aspekte:
  • Der NH3-Gehalt im Stall sinkt. „Die Luftqualität ist echt super“, freut sich Peter Schad.
  • Die Methanausbeute in der Biogasanlage steigt.
  • Es gibt im Stall keine Schadnager.
Die Ketten dehnen sich im Laufe der Zeit. Wenn die automatische Kettenspannvorrichtung am Antriebsaggregat nicht mehr ausreicht, muss die Kette verkürzt und wieder zusammengeschweißt werden. Dies war bisher 4 – 5 mal notwendig. „Ich habe mich am Anfang mit Händen und Füßen gegen den Unterflurschieber gewehrt“, gesteht Peter Schad. Überzeugt für diese Lösung haben ihn aber dann der niedrigere Investitionsbedarf, das frische Substrat für die Biogasanlage und die zuverlässige Räumung der Kanäle. Obwohl im Betrieb Schad und in der Region überwiegend Braunvieh- und Schwarzbunte Kälber anfallen, begann Peter Schad die Mast mit Fleckviehkälbern. „Wenn Du mit der Bullenmast anfängst, tust Du dir am Leichtesten mit Fleckvieh“, war der Rat seines langjährigen Viehhändlers Hubert Prinz aus Aichstetten.

Mit Fleckvieh zufrieden

Nach dem ersten Durchgang war der Landwirt mit der Entscheidung auch sehr zufrieden. Die Fleckviehtiere seien frohwüchsig und robust. Die täglichen Zunahmen lagen bei 1300 g bei 30 – 40 % Grassilage in der Ration. Es habe bislang keine negativen Schlachtbefunde bei den bisher verkauften Tieren gegeben. „Ich habe mich in Fleckvieh regelrecht verliebt“, freut sich Peter Schad und lacht.
Zugekauft werden jeweils 45 Tiere für drei Gruppen mit je 15 Tieren. Die Fresser sind geimpft mit einem Gewicht von 200 kg bei einem Alter von 4,5 Monaten und kommen stets vom gleichen Betrieb. Zwei Wochen nach der Aufstallung beginne eine kritische Phase bei den Tieren, die eine verstärkte Tierbeobachtung erfordert, um Krankheiten rechtzeitig zu erkennen, wie der Landwirt sagt. Die Tierbeobachtung in dem Stall erfordert indes wenig Zeitaufwand. „In zehn bis fünfzehn Minuten habe ich jedes Tier in Augenschein genommen“, ist die Erfahrung von Peter Schad nach zwei Jahren.

Sorgenvolle Zukunft

Der Bau des neuen Stalles erforderte freilich erhebliche Investitionen. Für den Bullenmaststall, die Futterhalle mit automatischer Fütterung und Einstreu und eine offenen Güllegrube mit 24 m Durchmesser und 6 m Tiefe musste Peter Schad immerhin 4300 €/Platz netto investieren.
Das ist viel Geld. Sorgen macht sich der Landwirt aber auch über immer neue Vorgaben von Seiten der Politik. Auch die „Programme“ des Handels für die Haltung seiner Bullen seien künftig möglicherweise ein Problem. Wird der neu gebaute Stall neuen Auflagen genügen? Ein Vermarkter verlange nämlich schon jetzt für die Außentüren zum Laufhof eine Mindestbreite von 1,4 m.
Eine Haltung auf Stroh würde einen Anbau mit Laufhof und überdachtem Stroh-Liegebereich erfordern. Hierfür wäre eine Investition von weiteren 350 000 € erforderlich. Ein höherer Bullenpreis von 1 €/kg könnte gleichwohl den Mehraufwand an Gebäude, Arbeit und Stroh abdecken, sagt Schadt. Der Liegebereich im Stall wäre dann eine Fehlinvestition gewesen. Peter Schadt bleibt nur die Hoffnung auf mehr Weitsicht und Vorgaben mit Maß und Ziel – und keine Schnellschüsse für die Bullenmast in der Zukunft. Dies würde seine Investitionen entwerten.