Anbauverfahren

Mehr Intelligenz beim Maisanbau

Shredlage
Franz Kustermann
am Montag, 14.10.2019 - 09:55

Strip Till, Direktsaat und Mulchsaat liefern vergleichbare Erträge wie die wendende Bearbeitung mit dem Pflug.

Das AELF Kaufbeuren und der Maschinenring Ostallgäu organisierten zusammen auf einer Fläche von Familie Wagner (Weinhausen) einen Feldtag zu unterschiedlichen Anbauvarianten von Mais. Josef Schorer, Vorstand des Maschinenrings Ostallgäu, zeigte sich nach der Vorführung im Frühjahr sichtlich überrascht, wie gut sich die unterschiedlichen Parzellen über die vergangenen Monate entwickelt hatten. Je nach Verfahren bedeckten jetzt kurz vor der Ernte immer noch mehr oder weniger große Mulchmengen den Boden. Der Höhenunterschied der Maispflanzen zeigte sich optisch am größten in den Varianten ohne Pflanzenschutz und mit Grasuntersaat.

Schorer kann nicht nachvollziehen, dass die Maispflanze in der Öffentlichkeit mit einem so negativen Image behaftet ist. Der Mais komme mit lediglich einer Pflanzenschutzmaßnahme aus und liefere einen guten Ertrag. Einziges Manko sei, dass der Boden im Frühjahr lange Zeit offen ist, doch sei dies mit vernünftig gestalteter Fruchtfolge, wie zum Beispiel Zwischenfruchtanbau, in den Griff zu bekommen.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Daniel Dörfler. Er ist Ansprechpartner am AELF im Bereich Gewässerschutz und Düngeverordnung. Hintergrund für diese Veranstaltung war, den Landwirten aufzuzeigen, dass im Maisanbau neben der Pflug­arbeit auch andere Techniken, wie Strip Till, Direktsaat und Mulchsaat vergleichbare Erträge lieferten. Nicht zuletzt aufgrund zunehmender Trockenheit und den oft großen Regenmengen in kurzer Zeit müsse laut Dörfler ein Umdenken stattfinden. Der Fachmann ist daher der Auffassung, dass diese Alternativ-Techniken zum Pflug immer mehr an Bedeutung gewinnen werden.

Der Mais hatte heuer einen schlechten Start

Dörfler hatte die Temperaturen des Vorjahrs mit den diesjährigen verglichen – anhand von Daten der Wetterstation, die sich in Kaufbeuren-Oberbeuren befindet. Heuer war es im Monatsmittel im Mai um 3,3 °C kälter, es gab 47,3 Sonnenstunden weniger und die Niederschlagsmenge lag um 106 l höher. Dazu kam ein Starkregenereignis am 20. Mai mit einer Niederschlagsmenge  von 85 mm.

Interessant war auch die Demonstration von Dörfler mit den unterschiedlichen Bodenziegeln. Am Boden der Pflugvariante erkannte man eine 1 – 2 cm starke, verschlämmte und vermooste Oberfläche, in die das Wasser nicht gut eindringen kann. Im Bodenziegel waren im Vergleich zur Mulch- oder Direktsaat nur wenige Regenwurmgänge und kein Regenwurm zu finden. Der wichtigste Regenwurm für die Landwirtschaft sei der Tauwurm. Nur dieser durchbreche die tieferen Bodenschichten und lockere den Boden tatsächlich. Regenwurmröhren verbesserten zudem die Sauerstoffversorgung im Boden. In deren Umfeld finde auch eine erhöhte biologische Aktivität statt.

Shredlage oder konventionelle Maissilage

Shredlage

Michael Höfler (LKV) machte deutlich, dass der Mais bei der Siloernte einen Trockensubstanzgehalt von etwa 34 Prozent aufweisen sollte: Weniger TS-Gehalt bringe Sickerwasser, mehr Schwierigkeiten bei der Vergärung sowie Schimmel und Erwärmung bei der Entnahme. Der Fachmann empfahl, den unteren Teil eines Stängels (nicht aus dem Feld­rand entnehmen) kräftig zu wringen. Hier dürfe nur noch Schaum austreten. Wenn Wasser rausläuft, sei die Restpflanze noch zu nass. Beim Kolben dürfen die Körner bei der Nagelprobe nicht mehr spritzen. Erst dann sei ein TS-Gehalt von etwa 32 Prozent erreicht. Jede weitere Sonnenwoche erhöhe den TS-Gehalt etwa um drei Prozent.

Veronika Wachter (LKV) riet den Landwirten, die Häcksel-Qualität zu testen, indem eine Handvoll Häckselgut einige Minuten lange in einen Wasserkübel gegeben wird: Wenn das oben schwimmende Gut mit den Händen abgeschöpft und das Wasser langsam ausgeleert wird, werde als Bodensatz der Kornanteil sichtbar. Hier dürfen keine unangeschlagenen Körner mehr vorhanden sein: Je besser sie zerkleinert sind, desto besser können sie vom Tier verdaut werden. Ist die Kornzerkleinerung nicht zufriedenstellend, müssen die Walzen/Aufbereiter/Cracker des Häckslers weiter zugemacht werden!

Wird ein sehr hoher Maisanteil in der Ration verfüttert, könne es sinnvoll sein, dass der Mais in Shredlage-Technik (22 – 30 mm Schnittlänge) geerntet wird. Dies bringe die nötige Struktur in die Ration. Bei größerem Grassilageanteil sei dies wohl aber nicht erforderlich. Grundsätzlich sei es allerdings so, dass beim länger geschnittenen Shredlage-Mais die Körner besser zerkleinert seien. Nacherwärmung bei Shredlage sei kein Problem, wenn der Mais schichtweise eingebracht und verfestigt wird. Bezüglich der Futterqualität sei es besser, längere Stoppeln auf dem Feld zu belassen: Die meiste Energie steckt nämlich im Kolben.