Bewirtschaftung

Mehr Aufmerksamkeit für die Moore

Boden-Moor_süß
BLW
am Montag, 19.04.2021 - 06:55

Eine neue DVL-Publikation „Moor-Klimawirte – Zukunft der Landwirtschaft im Moor“ stellt Betriebe vor, die praktischen Klimaschutz auf Moorböden betreiben.

Durch eine angepasste Bewirtschaftung wiedervernässter Moore können Landwirtinnen und Landwirte dazu beitragen, große Mengen Kohlenstoff gebunden zu halten und Treibhausgasemissionen wirksam zu senken. Damit sie als „Moor-Klimawirte“ in Zukunft vermehrt diese gesellschaftlichen Leistungen erbringen können, benötigen sie eine sichere wirtschaftliche Perspektive, finanzielle Anreize und Unterstützung bei der Betriebsumstellung. „Die Klimaschutzleistungen auf nassen Moorflächen müssen sich für die Betriebe rechnen“, erklärt Dr. Jürgen Metzner, Geschäftsführer des DVL (Deutscher Verband für Landschaftspflege).

Die Moorschutzstrategie des Bundes wird aktuell im Bundestag diskutiert. Deutschlands Moor-Klimawirte erwarten klare Signale aus der Politik. „Viele Betriebe sind bereit, höhere Wasserstände auf ihren Moorböden zuzulassen, wenn sie damit Geld verdienen können“, versichert Dr. Ulrich Mäck, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Schwäbisches Donaumoos. „Moor-Klimawirte sind gerne Partner für einen angemessen bezahlten Klimaschutz“, unterstreicht Mäck. Das Berufsbild des Moor-Klimawirts basiert auf einer Idee der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Schwäbisches Donaumoos, die bereits mehr als 30 Jahre mit landwirtschaftlichen Betrieben Moorschutz betreibt.

Für den Klimaschutz: Berufsbild Moor-Klimawirt

Mit der Publikation „Moor-Klimawirte – Zukunft der Landwirtschaft im Moor“ stellt der DVL Betriebe vor, die erfolgreich Klimaschutz auf landwirtschaftlichen Flächen im Moor praktizieren. Die Broschüre kann unter www.dvl.org kostenlos bezogen werden.
Moor-Klimawirte sind Landwirte, die Klimaschutzleistungen bei der Bewirtschaftung von Moorböden erbringen. Die Klimaschutzleistungen werden durch die Minderung oder Vermeidung von Treibhausgasemissionen durch Anhebung des Wasserstandes erbracht. Das Klimaschutzpotenzial angepasster Moornutzung ist riesig: Derzeit sind circa 95 % der Moorböden in Deutschland entwässert und zum größten Teil in land- und forstwirtschaftlicher Nutzung. Moorböden sind eine der Hauptquellen für Treibhausgasemissionen der deutschen Landwirtschaft (circa 37 %), obwohl sie nur einen kleinen Teil (circa 7 %) der landwirtschaftlichen Nutzfläche ausmachen. Bei höheren Wasserständen müssen jedoch neue Bewirtschaftungsformen entwickelt werden.
Der DVL hat gemeinsam mit Landwirten ein neues Berufsbild für Moor-Klimawirte erarbeitet. Eine Betriebsumstellung oder Betriebsanpassung erfordert eine Neuorientierung der Bewirtschafter. Das Berufsbild Moor-Klimawirt verbindet diese Neuorientierung mit ihrem Selbstverständnis als Produzenten. Dem müssen auch die landwirtschaftliche Aus- und Fortbildung sowie die Beratung der Landwirtschaftsbetriebe zukünftig Rechnung tragen, heißt es bei der DVL.

Hoch engagiert: Pioniere der nassen Moornutzung

Der DVL bearbeitet das Projekt „Moor- und Klimaschutz (MoKli) – Praxistaugliche Lösungen mit Landnutzern realisieren“ gemeinsam mit dem Greifswald Moor Centrum. Sie beraten Landwirte in fünf Modellregionen in den moorreichsten Bundesländern. Hier arbeiten sie mit Pionieren der nassen Moornutzung zusammen, die mit enormem Engagement die wirtschaftliche Nutzung nasser Moorböden ausloten, wie es vom DVL heißt. Finanziert wird das Projekt über die Nationale Klimaschutzinitiative durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.