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Ökologie

Mehr Aufmerksamkeit für den Boden

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Toni Ledermann
am Dienstag, 27.10.2020 - 04:26

Maisfeldtag: 50 g Regenwürmer pro Quadratmeter – entsprechen 1,0 GV/ha

Junge motivierte Meisteranwärter der Landwirtschaftsschule Kaufbeuren des zweiten Semesters, sowie kompetente Fachleute wie Wasserberater Daniel Dörfler und Michael Kistler vom AELF Kaufbeuren und Pflanzenbauberater Lukas Kreiselmeier vom AELF Mindelheim, trafen auf Einladung von MR-Unterallgäu-Geschäftsführer Peter Christmann am Mais-Versuchsfeld von Andreas Karrer in Woringen zusammen. Kurz vor der Maisernte werteten sie Erkenntnisse zu den Bodenbearbeitungssystemen und Maissilage-Häckselvarianten aus.

Vier Varianten geprüft

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Christmann erläuterte vorab die Corona-Bedingungen und jeder Interessent trug sich in die ausgelegten Namenslisten ein. Er wies auf die Schwerpunkte dieser MR-Feldbegehung mit vier verschiedenen Maissaatvarianten hin: Klassisch mit Pflug, Mulchsaat mit Scheibenegge, Direktsaat ohne Bodenbearbeitung und einem Strip-Till-Saatverfahren.

Dörfler motivierte die zukünftigen Landwirtschaftsmeister sich aktiv einzubringen. Und so informierten sie die Besucher über die verschiedenen Bereiche – was sie auch kompetent und fachlich fundiert erledigten.

Zu Beginn, führten die Studierenden die Gäste zur Maisparzelle, die zuvor per Pflug bearbeitet wurde. Kritisch merkte Jungbauer Markus Schorer an, dass der Boden verschlämmt sei und die Bodenlebewesen nicht ganz so aktiv seien, wie bei den anderen Verfahren. Dies liege an der fehlenden Bodenbedeckung durch Stroh- und Zwischenfruchtreste.

Yvonne Schmid wies darauf hin, dass teilweise untergepflügtes Stroh noch unverrottet im Boden liegt und modrig riecht. „Die Pflanzenwurzeln mögen das überhaupt nicht“, erklärte sie.

Reifendruck anpassen

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Auch zeigten die Studierenden im freigelegten Bodenprofil, dass durch die schweren Maschinen ein zu großer Bodendruck mit Verdichtungen entstanden ist. Es sei daher wichtig, möglichst breite und große Reifen zu wählen und den Reifeninndruck auf unter 1 bar einzustellen. Auch sollten unbedingt Zwischenfrüchte angebaut werden, die den Boden mit ihren Wurzeln stabilisierten und tragfähiger machten. Ein Vorteil des Pflugeinsatzes sei indes eine schnellere Bodenerwärmung im Frühjahr, was der wärmeliebende Mais bevorzugt.

Es wurde auch die Problematik der Pflugsohle angesprochen: Ist sie sehr ausgeprägt, können die Wurzeln nicht durchwachsen und die Pflanze erhält zu wenig Nährstoffe.

Mehr Regenwümer bei bodenschonender Bewirtschaftung

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Ganz praktisch wurde aufgezeigt, wie sich die Regenwurmpopulation durch die bodenschonende Bewirtschaftung entwickelt hat. In der Pflug- und der Direktsaatvariante wurde je eine Fläche mit einem Quadratmeter gekennzeichnet und eine Formaldehydlösung aufgebracht. Diese trieb die Regenwürmer aus dem Boden an die Oberfläche, an der sie fleißig abgesammelt wurden.

Letztlich waren es auf der Direktsaatfläche 50 g Regenwürmer/m². Hochgerechnet auf einen Hektar sind das 500 Kilogramm Regenwürmer – was 1,0 GV-Einheit pro Hektar entspricht. Dies sei aber immer noch relativ wenig, da es auch bis zu 2 oder 3 GV/ha an Regenwürmer sein könnten, je nachdem wie lange schon bodenschonend gewirtschaftet wurde.Die Pflugvariante schnitt mit lediglich 15 g Regenwurmbiomasse/m² sehr schlecht ab.

Kalken hilft

Zur Bestimmung des pH-Werts wurde der Boden mit Salzsäure beträufelt. Entstehen starke Bläschen, dann ist viel freier Kalk vorhanden. Ist dies nicht so, muss der Mangel durch eine Kalkung abgestellt werden! „Wer hat dieses Jahr schon gekalkt?“ fragte Dörfler in die Runde und nur wenig Finger gingen in die Höhe. „Dabei ist der Kalk relativ günstig! Er kostet ja gegenüber dem Mineraldünger nur etwa ein Fünftel.“ Allerdings sei eine gute Ausbringtechnik je nach Standort nur begrenzt verfügbar. Hier könne aber der Maschinenring Abhilfe schaffen und Maschinen vermitteln. Als Kalkform komme der etwas teurere Branntkalk in Frage, wenn der pH-Wert schnell angehoben werden muss, sonst sei gelöschter Kalk wie Kohlensaurer Kalk oder Carbokalk zu empfehlen.
Die positive Wirkung des Kalks auf den Boden, führten die Studierenden auch direkt praktisch vor. In einem Messbecher mischten sie zum Ackerboden etwas Kalk zu und aus einem schlammigen, verlaufenen Boden wurde in kurzer Zeit ein strukturierter und stabiler.

Maishäckselverfahren - Shredlage

Über „Maishäckselverfahren - Shredlage“ referierten von der „Agrarberatung Allgäu“ (Leutkirch) Svenja Heinen und Frank Wattendorf. Heinen wies darauf hin, dass die Futterkosten bei der Erzeugung von Milch rund 50 m% betragen. Shredlage mache nur Sinn in Betrieben mit geringen Anteilen an Rohfaserfutter, also bei maislastiger Fütterung, sagten die Fachleute. Hier müsse für einen zusätzlichen Rohfaseranteil Stroh eingemischt werden, was wiederum die Energiekonzentration in der Mischung senkt. Shredlage biete hier durch eine größere Häcksellänge die Möglichkeit den Rohfaseranteil zu erhöhen bei gleicher Energiekonzentration.

Für das Unterallgäu sei Shredlage eher weniger geeignet, da durch den hohen Grünlandanteil ausreichend Rohfaser in der Ration vorhanden sei und die Kühe das Shredlagefutter stark selektieren können – besonders wenn die Shredlage trocken und mit hohen Lieschenanteilen versetzt ist.