Geschichte

Mehr als 400 Inventarobjekte überführt

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Toni Ledermann
am Sonntag, 23.05.2021 - 17:16

Das Bauernhofmuseum Illerbeuren präsentiert die neue Sonderausstellung. Die historische Sägemühle ist fast fertig aufgebaut.

Kronburg-Illerbeuren/Lks. Unterallgäu Hoffnungsvoll schauen die Verantwortlichen des Bauernhofmuseums Illerbeuren auf die Corona-Inzidenzen. Gleichzeitig wird hinter den Kulissen in dem zurzeit noch geschlossenen Museum mit Hochdruck gearbeitet. Fast fertig aufgebaut ist die Sägemühle, die seit 1835 in Hettisried im Oberallgäu stand. Ein zweiter Schwerpunkt in Illerbeuren ist die diesjährige Sonderausstellung „Sichtbar gemacht: Frauengestalten“ ab Ende Juni – im Freien.

Noch geschlossen

„Das Schwäbische Bauernhofmuseum Illerbeuren ist bis auf Weiteres geschlossen. Eine Öffnung hängt vom Inzidenzwert im Landkreis Unterallgäu und den aktuellen Regelungen ab. Sobald wir öffnen dürfen, gibt es hier die Möglichkeit zur Online-Terminbuchung“, erklärt Pressesprecherin Sandra Czaja Unser Allgäu. Unsere Zeitung durfte trotzdem schon mal hinter die Kulissen schauen. Besonders gut hingeschaut hat auch Katrin Arens, verantwortlich für das Projekt „Sägemühle Hettisried“. Sie hat ihre Masterarbeit über dieses Projekt geschrieben und ist seit Sommer 2019 im Schwäbischen Bauernhofmuseum als wissenschaftliche Projektmitarbeiterin tätig.

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Sie und das gesamte Museumsteam um Leiter Dr.-Ing. Bernhard Niethammer hoffen, wenn es die Umstände zulassen, die Säge im Herbst den Museumsgästen wieder frei zugänglich zu machen. Fertig ist dann auch die „neue“ alte Säge: Das Gebäude steht auf einem Betonsockel mit darauf aufbauendem Ziegelmauerwerk und einer Holzbalkendecke. Das Obergeschoss ist ein Holzständerbau mit sechs Bünden. Die Gefache des Fachwerks sind nur von außen mit Holz verschalt. Bei der Dachkonstruktion handelt es sich um ein Kehlbalkendach mit liegendem Stuhl.

Eingerichtet ist das Haus mit einer historischen Gattersäge, die mithilfe eines Elektromotors und einer Transmissionswelle läuft. Zusätzlich sind ein Turbinenraum sowie eine Schränk- und Schleifwerkstatt zu sehen. Das Gattersägewerk wird dann regelmäßig zu Schauzwecken in Betrieb gehen. Neben den Gebäudeteilen wurden über 400 Inventarobjekte aus dem alten Sägebetrieb ins Museum überführt und in die Sammlung aufgenommen.

Laufend modernisiert

Das Gebäude ist für das Museum in mehrfacher Hinsicht ein Glücksfall: So lässt sich hier die Geschichte der Elektrifizierung auf dem Land abbilden, denn die Sägemühle wurde zunächst mit Wasserkraft betrieben und im Laufe der Zeit immer wieder technisch aufgerüstet. So wurde sie 1913 mit zwei Turbinen modernisiert und konnte die umliegenden Dörfer mit Strom versorgen. 1929 übernahm ein Dieselmotor den Antrieb.

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Und auch das Konzept für einen Schwerpunkt steht: Vorgestellt werden Frauen, die unverwüstlich, still und mit Hingabe ihren Beitrag in der Geschichte leisteten. Sie waren zuverlässige Kräfte in den Häusern, auf den Höfen, in der Arbeit und in den Klassenzimmern. Ziel des Bauernhofmuseums sei es, „die Geschichten dieser Frauen sichtbar zu machen, und zu zeigen, welch erheblichen, aber gern übersehenen Anteil Frauen zu Familienleben, Geselligkeit und wirtschaftlichen Erfolg beitrugen“. Beispielhaft für die Sonderausstellung herausgegriffen wurden unter anderem die 1872 geborene Mühlenmeisterin Josefa Gromer oder die 1888 geborene lebenslange Kindsmagd und Haushaltshilfe Mina Kundner. Das Leben von Mina Kundner war durch ihre uneheliche Herkunft vorgeprägt.

Interessante Biografien

Die Museumsgäste treffen an sechs verschiedenen Standorten im Museum auf die Frauen. Die überlebensgroßen Silhouetten rücken die Frauen in die Öffentlichkeit und damit aus ihrem Leben im Hintergrund heraus. Heutige Lebensläufe und weibliche Arbeitsbiografien erscheinen im Spannungsfeld zu diesen Porträts: Wie sieht die Rolle der Frauen heute aus? Wie steht es um Chancengleichheit? Wie bestimmt die Herkunft über Bildung und Beruf?

Dabei stammt die Ausstellungskonzeption von Amelie Bach, der wissenschaftlichen Mitarbeiterin des Museums, sowie von David Kemmer, dem wissenschaftlichen Volontär, der seit kurzem im Museum arbeitet. David Kemmer stammt aus einem Milchviehbetrieb im Landkreis Ravensburg und war beruflich in der Land- und Alpwirtschaft tätig. Weiter beteiligt war Katrin Arens und die wissenschaftliche Leitung liegt in den Händen von Gudrun Thiel.

Beispiele von Spalieren

Schon jetzt ein Blickfang sind die verschiedenen Spaliergarten-Beispiele, die ebenfalls von David Kemmer konzeptionell betreut werden. Interessant sind die verschiedenen Formen von Spalierobst, wie sie auch oft noch im Allgäu anzutreffen sind. In der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden die ersten Fachschulen für den Obst- und Gartenbau, wie beispielsweise 1843 in Hohenheim (Baden-Württemberg).

In Bayern folgten Einrichtungen in Weihenstephan, Veitshöchheim und Triesdorf. Der Spaliergarten des Bauernhofmuseums zeigt jeweils acht Arten der Grundformen.