Bilanz

Der Markt erholt sich etwas

Kartoffel
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Externer Autor
am Donnerstag, 18.03.2021 - 17:16

Corona hatte große Folgen für die Kartoffelerzeuger und -verarbeiter. Doch die Prognosen stimmen optimistisch.

Besonders hart hat die Coronakrise auch den Kartoffelbereich betroffen. Die im ersten Lockdown geschlossene Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung nahmen keine Pommes frites mehr ab und die Veredelungskartoffeln blieben liegen.

Mit vereinten Anstrengungen haben es die bäuerlichen Erzeuger und ihre Verbände, das Kartoffel-Centrum Bayern und der Pommes frites-Hersteller Aviko, jedoch geschafft, dass „die Kartoffelschiene in Bayern nicht zerbrochen ist“, sagt Herbert Riehr. Auf der Online-Jahresversammlung der Erzeugergemeinschaft für Veredelungskartoffeln Donau-Lech sah der Vorsitzende eine gute Perspektive für das laufende Jahr.

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Allein 70 000 t Kartoffeln aus der EG Donau-Lech waren nicht mehr am Markt unterzubringen, der Preis für freie Ware fiel auf einen Euro pro Dezitonne, erinnert sich Riehr. Ein Großteil des Kartoffelüberschusses landete in Biogasanlagen oder der Stärkefabrik in Schrobenhausen. Obwohl die Anbauer Kontrakte mit festen Preisen geschlossen hatten, kamen sie dem Kartoffel-Centrum Bayern (KCB) entgegen.

Als im Sommer öffentliche Veranstaltungen und die Gastronomie möglich waren, sprang der Markt für Pommes-Kartoffeln wieder an. Die Anbauer hatten ihre Pflanzkartoffeln im Frühjahr allerdings noch ohne klare Perspektive ausbringen müssen, um ihre Kontrakte erfüllen zu können, sagt Riehr. Die Ernte 2020 brachte in Bayern durchschnittliche Erträge, auch die Erträge aus der Ernte 2019 waren zufriedenstellend. In anderen Regionen Deutschlands war sie jedoch schwächer ausgefallen, so dass sich dort im Lockdown weniger große Überschüsse aufgebaut hatten als im Süden der Republik.

Enttäuscht von der Politik

Der Geschäftsführer des Agrarhandels Wilhelm Weuthen GmbH in Schwalmtal, Ferdi Buffen, zeigte sich enttäuscht von der Politik, die der Kartoffelwirtschaft in der Krise die erhoffte Unterstützung versagt habe. Für Buffen war bald klar, dass von dieser Seite wenig zu erwarten ist. Daraus ergibt sich für ihn nur eine Konsequenz: „Wir helfen uns auch künftig selbst, weil die Politik uns nicht helfen wird.“ Immerhin: Der Einbruch des Markts für Pommes-Kartoffeln war zwar verheerend, dafür aber waren Speisekartoffeln umso mehr gefragt. Für dieses Segment ließen sich daher im Lebensmitteleinzelhandel gute Preise durchsetzen.

Bei den Pommes frites-Kartoffeln bewegte sich der Absatz im Lockdown 2020 auf 85 % des üblichen Niveaus. Nachdem sich der Markt wieder gefangen hat, wird die Aviko-Fabrik in Rain bis zur neuen Saison planmäßig durcharbeiten. Die Exporte nach Asien laufen gut. Jeder bayerische Landwirt hat frühzeitig ein Kontraktangebot erhalten, das ihm Planungssicherheit gibt, betont Buffen. Der Umsatz an Pommes-Kartoffeln in den Supermärkten habe sich erhöht. Gleichwohl ging die Anbaufläche EU-weit um 5 bis 7 % zurück, in Bayern dagegen nur leicht. Dennoch wurden die Kontraktmengen nicht gekürzt. Buffen rechnet damit, dass in Belgien und den Niederlanden der Bedarf an Rohstoff weiter steigen wird.

Investitionen sind geplant

„Die bayerischen Kartoffelanbauer können also wieder optimistisch nach vorne blicken“, bekundet Buffen. Das KCB werde neben Aviko die Absatzmärkte im Chips-Export weiter ausdehnen und plant dafür Investitionen in seine Niederlassung in Geiselhöring. Für das Jahr 2020 sei schon jetzt absehbar, dass in Europa aufgrund der Produktionsausweitung im Veredelungsbereich mehr Frühsorten benötigt werden.

Die Überschüsse in Frankreich und den Niederlanden waren schon im November und Dezember 2020 verarbeitet worden und die Gastronomie werde in absehbarer Zeit wieder öffnen. „Dann wird es eine große Nachfrage nach Pommes frites-Kartoffeln geben, weil die Leute endlich wieder in die Gasthöfe und Restaurants gehen können“, zeigt sich Buffen zuversichtlich. „Wir werden daher alle gemeinsam wieder wachsen.“ Aufgrund des Rückgangs der Anbaufläche in der EU seien die Industriekartoffeln am Terminmarkt 2022 bereits mit 16 €/dt notiert.

Ferdi Buffen

Der Geschäftsführer des KCB, Josef Färber, erklärte bei der Vorstellung der Anbauverträge, dass sich der Rhizoctonia- und Drahtwurmbefall der Industriekartoffeln aus der Ente 2020 auf einem durchschnittlichen Niveau bewegte. Auch die Wachstumsrisse bewegten sich auf einem Niveau, auf dem sich noch gut Pommes produzieren lassen. 500 t Kartoffeln konnten aufgrund tierischer Beschädigungen nicht verarbeitet werden. Zunehmend gefragt seien Kartoffeln mit guter Backqualität.

Als „Glücksfall“, so Färber, hatte sich im vergangenen Jahr der Einbau einer Batter-Linie im Rainer Aviko-Werk erwiesen. Beim „Battern“ werden die Pommes frites mit einer Stärke-Gewürz-Lösung paniert. Das Battern habe wesentlich dazu beigetragen, dass es zu keinem Stillstand der Fabrik kam. Für die Kartoffeln aus der Ernte 2020 sei eine maximale Produktionskapazität geplant.

Aufgrund der guten Exportmöglichkeiten ist laut Färber auch die KCB-Niederlassung in Geiselhöring gut ausgelastet. Allerdings liegt das Preisniveau der Exportware meist unter den Notierungen für Pommes-Kartoffeln. Zudem sind Kartoffeln aus Flächenlagern ab März nicht mehr für den Export geeignet. Durch den intensiven Austausch zwischen Verbänden und Herstellern konnte ein guter Kompromiss für die Anwendung von Keimhemmungsmitteln gefunden werden, erklärt Färber.

Ganzjährig werden Kartoffeln benötigt

Die Ernte 2020 wird noch bis Juli verarbeitet. „Auch für die Ernte 2021 gilt: Volle Kraft voraus.“ Die Verträge wurden heuer so früh wie niemals zuvor an die Anbauer versandt, sagt der KCB-Geschäftsführer. Aviko fahre derzeit unter Volllast und für die Lieferung August/September können sogar zusätzliche Mengen kontrahiert werden. Für spezielle Produkte wie Fast Food und „gebatterte“ Ware würden das ganze Jahr über Kartoffeln benötigt.

Für die Ernte 2021 gebe es einen hohen Bedarf an kleineren Kartoffeln mit den Sortierungen 30/45 mm und 35/50 der Sorten Agria, Challenger und Markies. Allerdings müssen diese Kartoffeln bereits bei der Einlagerung vom Hauptstrom getrennt und separat beim KCB angeliefert werden. Für Kartoffeln der Sorten Challenger und Fontane mit diesen Sortierungen wird erstmals ein spezieller Vertragsanbau angeboten. Fontane hält weiterhin den mit Anstand größten Anteil an der Gesamtmenge der KCB-Kartoffeln. Der Vertragsanbau mit Kartoffeln für die Chips-Produktion wird deutlich ausgedehnt, so Färber.

Wie der Leiter des Pflanzkartoffelbereichs am KCB, Thomas Hertle, erklärt, lag die Aberkennungsquote für Saatgutsorten 2020/21 bei 11 %. Im Vorjahr hatte sie sich auf 9 % belaufen. Ein Teil der Sorten hatte sich als virusanfällig erwiesen.
Für Aviko war das Jahr 2020 ein „Desaster“, räumt der Produktionsleiter der Fabrik in Rain, Otto Wenninger, ein. Gerettet habe Aviko die Einrichtung der Batter-Linie kurz vor dem ersten Lockdown. Die neue Linie habe eine Perspektive eröffnet und die gebatterten Pommes frites seien nach der Öffnung der Gastronomie stark nachgefragt worden. Dieser Trend dürfte sich auch heuer fortsetzen, hofft Wenninger. Aufgrund der Batter-Linie könne Aviko in Rain jetzt die gesamte Palette an Veredelungsware produzieren.
Kartoffeln

„Jahrelang klagten die Gastronomie und die Skiliftbetreiber in Vorarlberg über Schneemangel und jetzt, wo es einmal mehr Schnee gibt, sind sie geschlossen und es gibt Absatzprobleme bei Pommes frites“, fasst Reinhard Maier die Lage im westlichen Österreich zusammen. Er arbeitet als Betriebsleiter der Niederlassung Radersdorf des vorarlbergischen Lebensmittelproduzenten Elfer.

Im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel sei das Frastanzer Unternehmen mit seinen rund 200 Tiefkühlprodukten jedoch gut vertreten. Im Lockdown hat sich Elfer auf Kartoffel-Spezialitäten wie Rösti-Taschen und Rösti-Wedges anstelle von Pommes-Großpackungen verlegt. Die Kartoffeln aus der Ernte 2020 wiesen zu 9,5 % Mängel auf, was dem Durchschnitt entspricht, sagt Maier. Der Stärkegehalt lag über alle Sorten hinweg bei 14,6 %, die Größen mit mehr als 50 mm bei 88,1 %. Diese Werte seien zufriedenstellend. Allerdings traten verstärkt Wachstumsrisse auf. Michael Ammich