Digitale Konferenz

Man sollte seine Unkräuter kennen

Klaus Gehring
Toni Ledermann
am Dienstag, 13.04.2021 - 06:55

Klaus Gehring vom LfL Institut für Pflanzenschutz sprach zu den Themen Pflanzenschutzmitteleinsatz und Wasserkonditionierung.

Mais ist bezogen auf die Anbaufläche die wichtigste landwirtschaftliche Kultur in Bayern. Seine Nutzung erfolgt als Silomais – für Futterzwecke oder zur Produktion von Biogas – oder als Körnermais. Der Maisanbau hat mit einem Anteil von 20 bis 25 % an der Ackerfläche durch die Biogasproduktion deutlich an Bedeutung gewonnen.

Die vorwiegend chemische Unkrautregulierung orientiert sich in erster Linie an den vorhandenen Ungräsern. Auf typischen Maisstandorten entwickelt sich das Hirse-Spek-trum von der Hühnerhirse über die Borstenhirse bis hin zu schwer bekämpfbaren Finger-Hirsen.

Ein wesentlicher Faktor beim Herbizideinsatz in Mais ist der Gewässerschutz. Die Flächen müssen insbesondere auf die Einsatzfähigkeit des Herbizid-Wirkstoffs Terbuthylazin bewertet werden. Auf sehr durchlässigen Standorten wird ein freiwilliger Verzicht im Sinne des vorbeugenden Gewässerschutzes empfohlen.

Unter Federführung des Pflanzenbauberaters Lukas Kreiselmeier beim Mindelheimer AELF referierte bei dieser Online-Veranstaltung mit dem Titel „Professioneller Pflanzenschutzmitteleinsatz“ Klaus Gehring vom LfL Institut für Pflanzenschutz. Er schickte voraus, dass diesem Referat das Handlungskonzept zur Unkrautregulierung im Maisanbau „Leitlinie zum integrierten Pflanzenschutz im Mais“ zugrunde liegt.

Leitunkräuter regulieren

Gehring stellte unter dem Konzept „Chemische Unkrautbekämpfung im Maisanbau“ sein Herbizid-Konzept vor: Ein erfolgreiches Standardverfahren ist in Bayern eine einmalige Behandlung im frühen Nachlauflauf der Kultur (Zwei- bis Vierblattstadium). Hierbei können sehr flexibel, je nach standortspezifischem Bedarf, boden- und blattaktive Wirkstoffe kombiniert werden. Ziel ist eine ausreichende Kontrolle wichtiger Leitunkräuter, wie zum Beispiel Gänsefuß-, Knöterich-, Hirsearten und zunehmend auch Acker-Fuchsschwanz. Auch Problemunkräuter, wie Storchschnabel-Arten, Acker-Winde oder Ampfer, können durch einen gezielten Wirkstoffeinsatz ausreichend kontrolliert werden.

Gehring bekräftigte, dass bei der Unkrautregulierung die Aspekte des Gewässerschutzes und das Resistenzmanagement eine hohe Bedeutung haben. Bei beiden Punkten kann die Ergänzung mit mechanischer Unkrautregulierung einen wichtigen Beitrag leisten, um das Belastungsrisiko für Gewässer zu reduzieren und die Selektion herbizidresistenter Unkräuter zu vermeiden.
Mais ist in diesen Zusammenhang eine klassische „Hack-Kultur“, das heißt, dass die Kulturentwicklung durch den Einsatz von Hackgeräten über eine Belüftung und Erwärmung des Bodens gefördert werden kann. Die Einsatzfähigkeit der mechanischen Unkrautregulierung muss allerdings sehr genau an den Standort angepasst werden, erläuterte Gehring. Erosionsgefährdete Flächen sind dafür grundsätzlich nicht geeignet und auch das bewährte Anbauverfahren in Mulch-Saat lässt sich nur begrenzt mit dem Einsatz von Hackgeräten kombinieren.
Gehring wies zum Schluss darauf hin, dass die Landesanstalt für Landwirtschaft hierzu verschiedene Forschungsprojekte betreibt, um die Mais-Anbautechnik für einen besseren Erosionsschutz und die Anwendung von alternativen Unkrautregulierungskonzepten weiter zu entwickeln. Erste Ergebnisse können in Kürze veröffentlicht werden.

Den pH-Wert ermitteln

In einem weiteren Beitrag ging Kreiselmeier auf die Wasserkonditionierung sowie die Mischungsreihenfolge ein. Beide Aspekte seien für einen effizienten Pflanzenschutzmitteleinsatz von hoher Bedeutung. Bei der Wasserkonditionierung komme es insbesondere auf den pH-Wert und die Wasserhärte an. Der pH-Wert könne relativ einfach und günstig mit entsprechenden Teststreifen ermittelt werden, sowohl bei eigenem Brunnenwasser, als insbesondere in der fertigen Spritzbrühe. Der Optimalbereich liege zwischen 6,0 und 6,5, ideal wäre es, Regenwasser einzusetzen. Bezüglich der Mischungsreihenfolge empfiehlt Kreiselmeier zuerst die festen, anschließend die flüssigen Mittel einzuspülen.
Zum Thema Wasserhärte erläuterte der Referent die Werte der Gemeinden „Woringer Gruppe“, die als „hart“ gelten. „Gesundheitlich gilt hartes Wasser sogar als wünschenswert, da es einen hohen Anteil an lebenswichtigen Mineralstoffen, wie Calcium und Magnesium hat“, bilanzierte Kreiselmeier.

Sein Fazit zum Thema „Maisherbizide“ lautete: Optimale Wasserhärte unter 12 Grad deutsche Härte; Teststreifen einsetzen beim pH-Wert. Er gab mit auf den Weg: „Regenwasser ist das günstigste Pflanzenschutzmittel!“