Grünland

Mähen mit der Sense: Der Hüftschwung macht’s

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Toni Ledermann
am Dienstag, 24.11.2020 - 09:33

Sensenkurs: Es braucht ein scharfes Blatt und die richtige Technik.

Eine der wichtigsten Arbeiten in der Landwirtschaft zu Zeiten vor der Technisierung war das Ernten mit der Sense. Das betraf sowohl das Gras als auch das Getreide. War dies früher auf großen Flächen eine schwere und zeitraubende Arbeit, so kommt die Sense an engen Stellen auch heute noch gerne zum Einsatz. Allerdings: Sensen ist eine Kunst. Soll das Mähen funktionieren, muss man die Technik beherrschen.

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Um Interessierten die Möglichkeit zu bieten, dieses alte Handwerk zu erlernen, hatte Liane Faust von der Genossenschaft „Regionale Wirtschaftsgemeinschaft Allgäu“ (ReWiG) mit Sitz im Unterallgäuer Zaisertshofen auf dem vereinseigenen Gärtnerei-Gelände in Rot an der Rot einen Tageskurs zum Sensenmähen organisiert.

Bevor es los ging, stellte Faust das eigene Projekt vor: Das Gemeinwohl-Ökologie-Land (G-Öko-Land) sei ein Erfahrungs- und Entwicklungsort alternativer Konzepte, der die Themen Wirtschaft, Heilung, Bildung, Wohnen, Frieden, Kunst und Kultur in den Fokus nimmt und in Themengärten erfahrbar macht. „Die Erfahrung findet jeweils unter Einbeziehung der Natur und des natürlichen Wachsens von Gemüste in der eigenen Gärtnerei statt.

Gemüseanbau zur Eigenversorgung

Das G-Öko-Land (www.öko-land.de) sei offen für jegliche Besucher und Kursteilnehmer. Der Gemüseanbau diene der Eigenversorgung der Ernteanteilsmitglieder. Neben zwei großen Gewächshäusern stehe für das Bio-Gemüse auch eine größere Freifläche zur Verfügung. Insgesamt sind es 2,5 Hektar Land. Für 92 € pro Monat kann jedes Mitglied eine gut gefüllte Gitterbox pro Woche mit nach Hause nehmen, erklärte Faust.

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Doch dann ging es zum Thema Dengeln. Unerlässlich ist eine scharfe Schneide: Durch gezielte Schläge wird das Sensen-, Sichten- oder Sichelblatt in einem schmalen Streifen entlang der Schneidkante (der Dengel) ausgezogen und verdünnt und somit geschärft, erklärte Franz Schmid, der „Sensenlehrer“. Diese dünne Schneide wird durch die Mäharbeit und das regelmäßig erforderliche Wetzen im Laufe der Zeit wieder abgetragen.

Zum Dengeln werden zumeist Dengelhammer und Dengelamboss verwendet, es kann aber auch ein gewöhnlicher Schmiedeamboss mit gut erhaltener Bahn Verwendung finden. Darüber hinaus gibt es weitere Werkzeuge, wie die Dengelleier. Dies ist ein Dengelapparat oder auch Schlagdengler, um den Dengel des Sensenblattes zu formen. Allen Werkzeugen gemein ist das Treiben des Sensenblattes zu einem sehr dünnen, circa drei bis sieben Millimeter breiten Dengel.

Spezieller Hammerzum Dengeln

Der Dengelhammer, auch Sensenhammer genannt, ist ein spezielles Werkzeug. Er hat ein Kopfgewicht von 250 bis 600 Gramm. Durch die spezielle Form des Hammers kann beim Dengeln die Schneide der Sense leicht nach vorne getrieben werden. Der Dengelhammer hat zwei Finnen, mitunter auch eine Finne und eine Bahn. Die Finne ist zum Stiel hin versetzt. Die Hammerfinne und die eventuell vorhandene Bahn sind bombiert, damit bei den Dengelschlägen immer nur ein kleiner Punkt der Schneide getroffen werden kann.

Zum Wetzen sollte ein geeigneter Wetzstein benutzt und für ein effizientes Schärfen angefeuchtet werden. Das finale Schärfen des Sensenblattes mit einem feuchten, gleichmäßig geführten Wetzstein habe zwei wichtige Funktionen, so Schmid: „Es gibt dem bereits geschärften beziehungsweise gedengelten Sensenblatt den abschließenden Schliff und richtet während des Mähens eine durch den Graswiderstand leicht verbogene Schneide einfach wieder auf.“

Viel üben, dann bekommt man die Technik raus

Grau ist bekanntlich jede Theorie und so folgte danach das Mähen vor der indianischen Kulisse von mehreren indianischen Tipi-Zelten, die die ReWiG Allgäu zur Durchführung von Veranstaltungen nutzt, wie Liane Faust erklärte. Beim Mähen ist es wichtig, mit dem richtigen Hüftschwung das Sensenblatt am Boden entlang elegant zu schwingen – und immer wieder zu wetzen. So kann ein ein guter Schnitt gelingen. Letztlich gelte aber auch hier: Übung macht den Meister!
Ein Teilnehmer meinte abschließend: „Das mit dem Sensen fand ich richtig klasse. Zwar nehme ich zwei Blasen mit heim, aber das Opfer war es wert. Ich wusste gar nicht wie anstrengend das Sensen ist und gleichzeitig wie viel Feingefühl es braucht, damit die Sense gut läuft.“