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Klassentreffen

Mädchen und Landwirtschaftsschüler trennte ein Gitter

Kempten
Susanne Lorenz-Munkler
am Montag, 25.11.2019 - 12:50

„Ja so war das damals vor 50 Jahren.“ In gemeinsamen Erinnerungen schwelgten 20 ehemalige Absolventinnen der Hauswirtschaftsschule in Kempten bei ihrem 50. Klassentreffen.

Kempten - Sie erinnerten sich vor allem an die gemeinsame Unterbringung im schuleigenen Internat im ersten Stock des heutigen grünen Zentrums in Kempten. Dort herrschte noch Sitte und Ordnung und die Wohnbereiche der Mädchen und die der männlichen Landwirtschaftsschüler waren durch ein Gitter getrennt.

Die damalige Hauswirtschaftsschule war eine „Winterschule“, auf die Landwirte ihre Töchter einen Winter lang schickten. „Es ging streng her“, erinnert sich etwa Traudl Anwander aus Wiggensbach. „Nur einen Nachmittag pro Woche hatten wir Ausgang. Ansonsten mussten wir auch abends im Internat bleiben, da man damals mit 18 noch nicht volljährig war“. Zu den zwölf Schulfächern gehörten neben hausfraulichen Fertigkeiten wie Kochen, Backen und Nähen auch landwirtschaftliche Inhalte wie Schlachten von Hühnern oder das Zerlegen von Schweinehälften. Besonderen Gefallen bei den Mädels fanden die Erziehungsabende, wo die angehenden Landfrauen in Kontakt mit den Landwirtschaftschülern gebracht wurden. Und das unter Kontrolle der Lehrer, etwa Volkstanz.

Anlässlich des 50. Klassentreffens hatten Schulleiter Dr. Alois Kling und die Leiterin der Hauswirtschaftsschule Rosa Maria Naderer die Seniorinnen ins heutige Grüne Zentrum geladen., Kling betonte, dass die Landwirtschaftsschulen Kempten/Immenstadt heute mit 180 Schülern den drittgrößte Schulstandort Bayerns stellten. In einem kurzen Referat ließ Rosa Maria Naderer die Entwicklung von der „Winterschule“ 1969 hin zur heutigen Teilzeitschule Revue passieren. Im Gegensatz zum Kompaktunterricht sei der Unterricht mit einem Schultag pro Woche über 20 Monate verteilt. Eine Führung durchs Haus beendete den offiziellen Teil der Veranstaltung. Beim gemeinsamen Mittagessen und Kaffee und Kuchen hatten die heute rund 70-jährigen allerhand zu „schwätzen“ und auszutauschen.