Erosion- und Lawinenschutz

Lückenschluss im Schutzwald

Bild 3_Gruppenfoto_Bildautor Sebastian Baumeister
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am Dienstag, 07.07.2020 - 11:05

Pflanzaktion am Pfrontener Kienberg: 4000 junge Bäume gepflanzt.

Bild 1_Pflanzentransport mit Hubschrauber_Bildautor Lothar Poltmann

Pfronten/Lks. Ostallgäu - Sorgfältig pflanzt Forstwirtschaftsmeister Thomas Bader die kleine Tanne in eine Lücke zwischen Totholz und Steinen. „In diesem felsigen Steilhang ist es für die jungen Bäume überlebensnotwendig, dass sie einen geschützten Kleinstandort mit möglichst viel Wurzelraum erhalten“, erklärt Lothar Poltmann von der Allgäuer Fachstelle für Schutzwaldmanagement. Sie werden sonst schnell Opfer von Trockenheit oder rutschenden Schneemassen.

Oberhalb der Ortsteile Pfronten-Dorf und Heitlern pflanzten die Waldarbeiter rund 4000 junge Bäume auf eine große Kahlfläche am Kienberg, darunter Tannen, Buchen, Lärchen, Vogelbeeren, Fichten, Mehlbeeren und Zirben. Die Pflanzen mussten zuvor mit dem Hubschrauber auf die schwer zugängliche Steilfläche geflogen werden.

Föhnsturm „Vaia" sorgt für Windwurf

Rückblick: Ende Oktober 2018 bläst der Föhnsturm „Vaia“ mit enormen Windstärken über die Alpen. Die Ausläufer des Sturms erreichen auch das Allgäu und knicken und entwurzeln im Bergwald zahlreiche Bäume. Besonders schlimm hat es dabei den Pfrontener Gemeindewalddistrikt „Ascha“ an der Nordostseite des Kienbergs erwischt. Die geworfenen Fichten kamen dort wie überdimensionale Mikado-Stäbe übereinander zu liegen.

Im Frühjahr 2019 befällt der Borkenkäfer dann die geschädigten Bäume und bedroht nun auch den umliegenden, noch intakten Schutzwald. Unter schwierigsten Bedingungen werden deswegen nach der Schneeschmelze die befallenen Fichten aufgearbeitet und mit einem Lastenhubschrauber ins Tal geflogen. Zurück bleibt eine 1,5 ha große Kahlfläche mit umgekippten Wurzelstöcken und losen Felsen, die nun wieder bepflanzt werden musste.

Natur unter der Arme greifen

Bürgermeister Alfons Haf, Forstdirektor Simon Östreicher und Förster Sebastian Baumeister besichtigten die Pflanzfläche und waren mit den Arbeiten sehr zufrieden. „In dieser extremen Lage müssen wir der Natur mit der Pflanzung eines artenreichen Schutzwaldes unter die Arme greifen“, stellt Östreicher fest.

Die natürliche Wiederbewaldung würde viele Jahrzehnte dauern und wenn es nicht gut läuft, entsteht dort wieder ein schadanfälliger Fichtenreinbestand. Bürgermeister Haf ergänzte schließlich beim Vor-Ort-Termin: „Wir müssen in diesem Teil des Gemeindewalds schnellstmöglich wieder die Schutzfunktion herstellen, da nur ein intakter Bergwald unsere Bürger zuverlässig vor Steinschlag, Hangrutschungen und Lawinen schützt.“