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Lebensmittelverschwendung

Lebensmittelretter-Box statt tonnenweise in die Tonne

Semmeln im Biomüll: Eine Initiative des AELF Nördlingen-Wertingen stemmt sich gegen die massenweise Verschwendung.
Patrizia Schallert
am Donnerstag, 13.10.2022 - 10:49

In Deutschland werden im Jahr 12 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Am AELF Nördlingen-Wertingen stellten die Verantwortlichen jetzt die „Lebensmittelretter-Box“ des Landwirtschaftsministeriums vor.

Brigitte Steinle: „Ein abgelaufenes MHD bedeutet nicht, dass der Joghurt nicht mehr genießbar ist.“

Entlang der Wertschöpfungskette landen deutschlandweit jedes Jahr zwölf Mio. Tonnen Lebensmittel im Müll. Allerdings verschwenden nicht der Handel, Industrie oder Landwirtschaft am meisten, wie viele Verbraucher vermuten, sondern die privaten Haushalte selbst.

Die bundesweite Aktionswoche „Lebensmittel retten“ will die Bevölkerung zum nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln bewegen. Brigitte Steinle, Leiterin des Bereichs Landwirtschaft, stellte im AELF Nördlingen-Wertingen die Lebensmittelretter-Box vor, Fachoberlehrerin Elisabeth Decker das Lernkonzept „Lebensmittel-Freunde“ für die Grund- und Förderschule.

Mitmachen: Für das Einsenden von Tipps, Ideen und Rezepten gegen die Lebensmittelverschwendung verlost das AELF Nördlingen-Wertingen drei gut ausgestattete Lebensmittelretter-Boxen.

Die Lebensmittelretter-Box wurde vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF) in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) entwickelt. Die lebensmittelechte Alu-Box mit Holzdeckel ist mit nützlichen Utensilien bestückt. Sie helfen ihrem Nutzer das Wegwerfen von Lebensmitteln zu vermeiden, erklärte Steinle. Die Box enthält:

  • einen Spaghetti-Portionierer,
  • eine Gemüsebürste zum Reinigen der Schalen von Gemüse und Obst,
  • einen speziellen Aufbewahrungsbeutel für Brot,
  • Mindesthaltbarkeit-Sheriff-Aufkleber, um kurz vor dem Ablauf stehende Lebensmittel zu kennzeichnen,
  • einen übersichtlichen Kühlschrankaufkleber für die bessere Lagerung von Lebensmitteln sowie
  • einen Einkaufsblock, ein Spielkartenset, eine Anleitung für die Herstellung eines Bienenwachstuchs.
  • Ein praktisches Mitmachbuch erklärt die Utensilien, enthält Checklisten und bietet Platz für eigene Eintragungen.

Private Haushalte sind mit rund 40 % beteiligt

Private Haushalte sind mit rund 40 % für einen Großteil der vermeidbaren Lebensmittelabfälle verantwortlich, gefolgt von der Lebensmittelverarbeitung mit 19 % und dem Außer-Haus-Verzehr mit 18 %. Dabei spielten auch die fehlende Planung der Einkäufe und beim Zubereiten der Mahlzeiten, mangelhaftes Wissen über die richtige Lagerung, die Haltbarkeit und die Verwertung oder Aufbewahrung von Resten eine Rolle, stellte Steinle fest.

Nicht selten gehen die Konsumentinnen und Konsumenten davon aus, dass ein Lebensmittel mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum nicht mehr verzehrt werden kann oder darf. Das MDH hat jedoch nichts mit dem Verbrauchsdatum, beispielsweise von Hackfleisch oder Fisch, zu tun. Es zeigt lediglich an, dass der Hersteller bis zu diesem Datum die Verzehrfähigkeit des Lebensmittels garantiert. Zahlreiche Untersuchungen zeigten, dass sich Lebensmittel in der Regel über des MHD hinaus bedenkenlos verzehren lassen. Der Verbraucher sollte seine Sinne wie Ansehen, Riechen und Schmecken einsetzen, um zu prüfen, ob ein Lebensmittel mit abgelaufenem MHD noch genießbar ist.

Mit den Aktionen sollen die Verbraucher sensibilisiert werden, neue Ideen und Rezepte bei der Resteverwertung zu nutzen. Die nationale Strategie und eine Fülle von Initiativen zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung hätten zwar bewirkt, dass nicht noch mehr verwertbare Lebensmittel in der Tonne landen, aber auch nicht weniger.

Geld- und Ressourcenverschwendung

„Der Verbraucher sollte sich bewusst machen, dass mit jedem weggeworfenen Lebensmittel zum einen Geld verschenkt wird, zum anderen unnötig Wasser zum Bewässern der Pflanzen und Reinigen der Lebensmittel und Geräte verschwendet wurde“, mahnt Steinle. Hinzu kämen der Kohlendioxid-Verbrauch bei der Produktion, die aufgewendete Energie und der menschliche Arbeitseinsatz. Bei tierischen Lebensmitteln komme zudem der ethische Aspekt zum Tragen, der das Wegwerfen dieser Produkte sehr fragwürdig mache. „Der sorgfältige Umgang mit unseren Lebensmitteln trägt also zu einer nachhaltigen Ernährung bei.“

„Allein im Privathaushalt werden jährlich pro Person Nahrungsmittel im Wert von rund 230 € entsorgt“, ergänzte Elisabeth Decker die Ausführungen Steinles. Um bereits Schulkinder, die Verbraucher von morgen, für einen wertschätzenden und verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln zu sensibilisieren, wurde das Projekt „Wir sind Lebensmittel-Freunde“ ins Leben gerufen. Zielgruppe sind die zweiten und dritten Klassen der Grund- und Förderschulen. Das Projekt zählt zum staatlichen Bündnis „Wir retten Lebensmittel”.

Der Weg zum Lebensmittelfreund

Der Weg zum „Lebensmittel-Freund“ umfasst acht Schulstunden mit sechs Modulen:

  • Wertschöpfungskette
  • Lebensmittelverschwendung
  • verantwortungsbewusstes Einkaufen
  • richtige Lagerung
  • Resteverwertung
  • Haltbarkeit und Genießbarkeit.

Module für den Unterricht

Jedes Modul startet mit einer Einführung zum Thema. Anschließend werden verschiedene Aufgaben gemeinsam in der Klasse oder in Kleingruppen bearbeitet. Das Lernmaterial wird vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zur Verfügung gestellt. Am Ende der Projektwochen können die Schülerinnen und Schüler bei einer praktischen und theoretischen Übung ihr Wissen und Können unter Beweis stellen. Anschließend winkt den Kindern der Lebensmittel-Führerschein als Bescheinigung, dass sie nun echte Lebensmittel-Freunde sind.

Nach den Ausführungen der Fachfrauen gab es leckere Speisen zu verkosten, die Magdalena Hahn vom Sachgebiet Ernährung/Haushaltsleistungen aus Lebensmittelresten hergestellt hatte: Schnecken mit Pesto und Frühlingszwiebeln, Knuspermüsli und ein Schichtdessert aus altem Brot, ein Nudelsalat mit Nudeln vom Vortag und Brotchips.

Wer raffinierte Tipps, Ideen und Rezepte zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung hat, kann per E-Mail an „poststelle@aelf-nw.bayern.de“ oder auf dem Postweg an das Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten, Oskar-Mayer-Straße 51, 86720 Nördlingen, an einer Verlosung von drei Lebensmittel-Retter-Boxen teilnehmen. Teilnahmebedingungen unter www.aelf-nw.bayern.de. Einsendeschluss: 28. Oktober.

Allein im Privathaushalt werden jährlich pro Person Nahrungsmittel im Wert von rund 230 € entsorgt.