Entscheidung

Langjähriger Wildzaun-Streit ist beendet

Zaun im Oettinger Forst
Philipp Seitz; Ulrich Graf
am Mittwoch, 27.10.2021 - 10:24

Der 10 Kilometer lange Zaun im Oettinger Forst muss nach einer Klage abgebaut werden. Der Eigentümer sieht darin einen Nachteil für angrenzende Landwirte.

Update 27.10.2021: Waldeigentümer betrachtet Zaun als erfolgreichen Schutz für Anrainer

Zaun

Für Fürst zu Oettingen- Spielberg hat der Zaun seine beabsichtigte Wirkung, nämlich das Schwarzwild von den an langer Front an den Oettinger Forst angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen fernzuhalten, von Beginn an zur Zufriedenheit, der von der Wildschadenssituation Betroffenen voll erfüllt. Die vor dem Zaunbau gravierenden Schäden an Wiesen und Feldfrüchten konnten jahrelang auf ein Minimum reduziert werden. Die praktischen Auswirkungen des Urteils würden jetzt leider wieder zu Lasten der Landwirte, die aller Voraussicht nach nun wieder mit unkalkulierbaren Wildschäden rechnen müssen, gehen.

Der Waldeigentümer weist außerdem darauf hin, dass für die Errichtung des Zaunes seinerzeit durch das Landratsamt Donau-Ries eine Baugenehmigung erteilt würde, in der insbesondere das Betretungsrecht gewürdigt wurde. Im Rahmen der Zulassungsprüfung habe das LRA festgestellt, dass bei einer Vielzahl von Öffnungen in Form von Toren in regelmäßigen Abständen nicht von einer Sperre auszugehen sei. Folglich wurde der Zaun im Einvernehmen mit den betroffenen Landwirten errichtet, wie eine Unterschriftenaktion der örtlichen Bevölkerung mit über 800 Unterschriften bekräftige.

Seitens der Erholungssuchenden gebe es bis heute keinerlei Beschwerden. Der Wald sei für jeden jederzeit über Wege und Forststraßen voll zugänglich. Ähnlich wie auf den Almen des Alpenraumes müsse lediglich ein Tor geöffnet werden. Niemand würde versuchen, über bestellte Felder oder querfeldein durch Strauchwerk einen Wald zu betreten, um darin spazieren gehen zu können.

Hinsichtlich des Wildmobilität weist Fürst zu Oettingen- Spielberg darauf hin, dass gleich nach Fertigstellung des Zaunes über ein monatelanges Monitoring offiziell und unabhängig ein Gutachten über die Passierbarkeit sämtlicher in der Region vorkommender Tierarten erstellt worden sei. Eigens für die Wanderung der Biber seien an den bekannten Wanderrouten Durchlässe eingebaut worden. Alle anderen Wildtiere könnten den Zaun aufgrund der Maschenweite passieren oder aufgrund seiner geringen Höhe problemlos überspringen. Einzig für das Schwarzwild bestätige sich der feste Zaun als nahezu unpassierbar und unterbinde wie beabsichtigt ihre Wechsel vom Forst in die Flur.

Meldung 26.10.2021: Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs in München liegt vor

Seit 2008 haben sich der Bund Naturschutz (BN) und ein Privatkläger um einen rund 10 km langen Wildschutzzaun im Oettinger Forst (Lks. Donau-Ries) gestritten. Der Verwaltungsgerichtshof in München hat den Antrag auf Berufung des Waldbesitzers und Zaunerbauers zurückgewiesen, wie der BN nun mitteilte.

Nachdem die Elektrozäune nach Urteilen des Verwaltungsgerichts Ansbach und des Verwaltungsgerichts Augsburg schon seit 2017 abgebaut werden mussten, müsse nun auch der ca. 10 km lange und etwa 1,20 m hohe, fest installierte Zaun auf Donau-Rieser Flur abgebaut werden.

Der BN hat den Donau-Rieser Landrat Stefan Rößle aufgefordert, den Abbau des Schwarzwild-Abwehrzauns anzuordnen. Das teilte der BN mit, der die Entscheidung als „Präzedenzfall für ganz Bayern“ bezeichnete. Schließlich sei das „freie Betretungsrecht der Natur“ in der Bayerischen Verfassung verankert. Der Wald könne nun wieder von jedem ungehindert betreten werden, sagte Alexander Helber, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Donau-Ries.