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Klimaschutz

Die Landwirte sind wichtiger Teil der Lösung

Salatfeld im Nürnberger Knoblauchsland
Toni Ledermann
am Freitag, 21.01.2022 - 05:39

Der Land- und Forstwirtschaft kommt eine besondere Rolle im Hinblick auf Klimaschutz zu. Darum ist die Landwirtschaft hierbei so wichtig.

Erkheim/Lks. Unterallgäu Als Online-Termin organisierte der BBV-Kreisverband Unterallgäu die Veranstaltung zum Thema „Klimaziele und Klimaleistungen in der Land- und Forstwirtschaft. Welchen Beitrag leistet der Agrarbereich zum Klimaschutz?“ Als Referent konnten Kreisobmann Martin Schorer und BBV-Geschäftsführer Helmut Mader den Umweltreferenten des Fachbereichs Agrar- und Umweltpolitik Andreas Puchner vom BBV-Generalsekretariat gewinnen.

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Der Land- und Forstwirtschaft kommt eine besondere Rolle mit Blick auf Klimawandel und Klimaschutz zu, auch in Bayern. Durch ihr Wirtschaften entzieht sie der Atmosphäre CO2 und kann dies über Böden und Wälder binden. Sie leistet somit einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung des Treibhausgasgehalts in der Atmosphäre. Puchner zeigte den bereits bestehenden, gesetzlichen Rahmen auf. Dabei gehe es u.a. um Senkenpotenziale in Böden, im Forst, und um CO2-Vermeidung durch Biokraftstoffe.

Schorer wies auf die Wichtigkeit des Themas hin und erinnerte daran, dass vom Staat bei den Klimabilanzen eine Aufteilung der Wirtschaft in verschiedene Bereiche vorgenommen worden sei, wie unter anderem Verkehr, Energie und auch Landwirtschaft. Auch erläuterte er was unter einer Treibhausgas-/CO2-Senke zu verstehen ist: „Dies ist ein Vorgang, eine Tätigkeit oder ein Mechanismus, durch die ein Treibhausgas aus der Atmosphäre entfernt wird.“ Im Falle von CO2 erfolge dies vorzugsweise in den Wäldern, Böden, den Ozeanen oder auch im Untergrund, wie etwa in früheren Gasgruben. Eine Maßnahme zum Ausbau von derlei CO2-Senken könnte daher beispielsweise die Wiederaufforstung sein.

CO2 reduzieren

Puchner bezifferte die vom Staat gesetzten, nationalen Minderungsziele ausgehend vom Jahr 1990. Demnach soll bis 2031 der CO2-Ausstoß um 67 Prozent verringert werden. Den Löwenanteil müsse mit 149 Mio. Tonnen die Energiewirtschaft tragen. Aber auch der Sektor Landwirtschaft sei gefordert. Hier stehen 11 Millionen Tonnen an CO2-Einsparung auf der Agenda. Bis 2024 sollten jedenfalls die jährlichen sektoralen Minderungsziele für den Zeitraum ab dem Jahr 2031 bis 2040 festgelegt werden.
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Zur Bewertung der jeweiligen Treibhausgas-Emittenten gebe es verschiedene Rechenprogramme. Je nach Einsatzzweck kämen unterschiedliche Rechenprogramme zum Einsatz. Einige eigneten sich mehr zur Anwendung in der Beratung, während andere aufgrund ihrer Komplexität eher in der Forschung zuhause seien. Ein Beispiel zur Anwendung in der Beratung nennt sich „Hunter“. Mit diesem Berechnungsprogramm lasse sich die pflanzliche Produktion eines einzelnen Betriebes hinsichtlich seiner Energie-, Humus- und Treibhausgasbilanz bewerten. Außerdem biete beispielsweise die LfL in ihrem bekannten Internet-Deckungsbeitragsrechner neuerdings auch die Bewertung der Treibhausgase für verschiedene betriebliche Produktionsrichtungen, etwa im Pflanzenbau und der Tierhaltung.

Der BBV-Fachmann sprach auch den Faktor „Humus“ an, da er bei der ganzen Diskussion um Treibhausgas-Senken eine besonders wichtige Rolle einnehme. Humusaufbau und -erhalt seien besonders wichtig, was u. a. über der Anbau von Futter- und Körnerleguminosen, möglichst tiefwurzelnden Zwischenfrüchten und Dauerkulturen, der Anwendung von Mischkultursystemen und Untersaaten, und fraglos im Ökolandbau gefördert werde. Hier spiele auch der Wechsel vom Acker zu Grünland hinein, ebenso wie Agroforstsysteme wie Hecken, Feldgehölze sowie der Einsatz von organischem Dünger und Pflanzenkohle, eine Rolle.

Humus mehren

Das Thema Humus-Anreicherung sei freilich eine Herausforderung. Zwischen 1986 und 2016 haben die Kohlenstoffgehalte der Böden in Bayern im Mittel in der Tendenz leicht abgenommen, und nur auf etwa 16 Prozent der Standorte deutlich zugenommen. Bedenklich sei, dass der Klimawandel mit den steigenden Durchschnittstemperaturen die Voraussetzungen für unsere Landwirtschaft eher erschwerten, wie Puchner sagte. Schon allein der Erhalt der organischen Substanz werde mehr und mehr zu einer Herausforderung.
Bekanntlich ist das Unterallgäu der viehreichste Landkreis in Deutschland. Dem trug Puchner Rechnung, in dem er dem Mythos „Klimakiller Kuh“ Argumente gegenüberstellte. Grünland müsse als wichtiger CO2-Speicher erhalten bleiben, und nur über Wiederkäuern könne der Aufwuchs vom Grünland zu hochwertigen Eiweiß veredelt werden.
Weltweit seien 70 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche Grünland, wobei der größte Teil gar nicht ackerfähig sei. Auch Ackerbau-Fruchtfolgen enthielten nicht essbare Biomasse. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse, etwa der Universität Oxford, hätten ergeben, dass das Methan aus der Wiederkäuerverdauung nicht zu einem Mehr an Erderwärmung beitrage.

Anpassung entschädigen

Der Referent aus München machte weiter deutlich, dass der BBV klare Forderungen aufgestellt habe mit der Botschaft, dass die Landwirtschaft „Teil der Lösung“ beim Klimaschutz sei. Dazu gehörten unter anderem aber die Honorierung und Anerkennung von Klimaschutzleistungen in der Land- und Forstwirtschaft, gleichfalls die Bereitstellung Erneuerbare Energien und nachwachsender Rohstoffe, sowie Biokraftstoffe, Humuserhalt und -aufbau. Aber es brauche begleitend finanzielle Unterstützung bei der Bewältigung der Folgen aus dem Klimawandel.
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Eine Stilllegung von Moorflächen dürfe nicht das Ziel von Klimaschutzpolitik sein, sagte Puchner. Die betroffenen Landwirte vor Ort müssten dringend und schnellstmöglich eingebunden werden in noch zu erarbeitende Moorprogramme. Außerdem müssten die Konzepte für mehr Klimaschutz auf Moorflächen auch wirtschaftlich tragfähig sein.

Der Fachmann sprach auch das Problem der rückläufigen CO2-Bindung im Wald an. Einschlag aus Gründen von Käferbefall sei zwar richtig, mindere aber leistungsstarke Waldbestände. Auch der Umbau unserer Wälder hin zu mehr Laubholzanteilen gehe mit einem rückläufigen Zuwachs und verminderter Senkenleistung einher, machte Puchner auf ein Problem aufmerksam.

BBV-Geschäftsführer Helmut Mader ging abschließend auf aktuelle Entwicklungen in der Beratung hin, etwa die Umsatzsteuer-Pauschalierung. Er informierte auch über einen Ortstermin zwischen Vertretern des Kemptener Wasserwirtschaftsamts und Vertretern der Landwirtschaft, bei dem es um die praktische Umsetzung der Arbeit an Randstreifen von Gewässern ging.