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Kundgebung

Landwirte warnen: Unsere Betriebe stehen auf dem Spiel

Josephine Glogger-Hönle, 13
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Redaktion Wochenblatt
am Dienstag, 12.07.2022 - 16:47

In ganz Bayern solidarisieren sich Landwirte und Verbraucher mit den niederländischen Bauern. Massive Kritik gibt es auch an der deutschen Politik.

Weißenhorn/Lks. Neu-Ulm Die Aktionen zahlreicher Landwirte in Bayern gehen weiter: Mit Kundgebungen und Aktionen solidarisieren sie sich mit ihren Berufskollegen in den Niederlanden. Nach Angaben von LsV versammelten sich im schwäbischen Weißenhorn rund 300 Landwirtinnen und Landwirte mit 70 Traktoren. Aber auch Verbraucherinnen und Verbraucher sollen den Angaben der Organisatoren zufolge dem Aufruf von Landwirt Leonhard Adä gefolgt sein. Unterstützt von LsV Schwaben und Bayern gehe es darum, wie es in einer Pressemitteilung von LsV heißt, „Solidarität mit den niederländischen Landwirtinnen und Landwirten zu zeigen, die sich seit Wochen vehement gegen strengere Auflagen beim Einsatz von Stickstoff wehren“.

Leonhard Adä, 1

Die Veranstaltung stand in einer Reihe von Demonstrationen auf Autobahnbrücken, die seit vergangenen Mittwoch in ganz Deutschland unter dem Slogan „Medienwecken“ vom LsV organisiert werden. Inzwischen demonstrieren Landwirtinnen und Landwirte nicht mehr nur in den Niederlanden oder Deutschland, sondern auch in Italien, Spanien und Polen. Zu der Kundgebung in Weißenhorn seien explizit auch Bürgerinnen und Bürger eingeladen worden, die nicht aus der Landwirtschaft kommen. Wie LsV mitteilte, hätten viele Bürger sogar eigene Plakate mitgebracht, Fragen gestellt und die Politik zu mehr Dialog mit den Landwirten aufgefordert.

Wie es von LsV heißt, hätte ein Positionspapier der zuständigen Ministerin van der Wal mit Vorgaben zur N-Reduzierung die Proteste in den Niederlanden ausgelöst. Die Vorgaben würden LsV zufolge das Aus für etwa 30 % aller landwirtschaftlichen, tierhaltenden Betriebe bedeuten. Die betroffenen niederländischen Betriebe hätten nun die „Wahl“ zwischen:

 

  • einer freiwilligen Betriebsschließung,
  • einer Betriebsaufgabe gegen eine geringe Auszahlung einhergehend mit einem Berufsverbot oder
  • einer Enteignung.

 

Die Erntemengen werden kleiner

Was die Bauern zudem aufbringen würde, sei die Tatsache, dass andere Stickstoffverursacher wie die Industrie, Flugverkehr oder Kläranlagen von den geplanten Maßnahmen zur Minderung des Stickstoffeintrags nicht betroffen seien. Landwirt Leonhard Adä erklärte: „Auch in Deutschland ist das Thema Stickstoff beziehungsweise Nitrat wohlbekannt. Aufgrund von Meldungen falscher Nitratwerte nach Brüssel im Jahr 2012 haben auch wir in Deutschland Probleme mit dem Stickstoffgehalt im Grundwasser.“ Der Fehler habe darin bestanden, dass Deutschland anstelle des durchschnittlichen Messwerts den jeweils schlechtesten Wert gemeldet habe. Dies sei auch dem fehlerhaften beziehungsweise zu groben Messnetz in Deutschland geschuldet. Gebiete, die bisher bezüglich ihres Nitratwertes in Ordnung waren, seien nun nicht mehr in Ordnung. Die erlaubten Düngermengen seien geringer, Fruchtfolgen müssen verändert werden. Die Erntemengen werden kleiner, die Qualität leide, etwa beim Brotweizen, sagte Adä.

Zusätzlich kämpften Landwirtinnen und Landwirte in diesen Tagen mit weiteren Vorgaben der EU, wie der Stilllegung in Deutschland von 4% aller Ackerflächen, dem Verzicht von 50 % der Pflanzenschutzmittel sowie der Vorgabe, 30 % aller landwirtschaftlichen Flächen biologisch zu bewirtschaften.

Leonhard Adä resümierte: „Für uns geht es um nichts weniger als um unsere Existenzgrundlage. Aber auch die gesamte Bevölkerung kann durch so eine Politik nur verlieren, ja sogar letztendlich auch die Umwelt.“

Ein Artikel auf Grundlage einer Pressemitteilung von LsV.