Biodiversität

Landwirte schaffen Biotope

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Michael Ammich
am Mittwoch, 26.08.2020 - 10:30

Bei Laugna erklärt ein Biodiversitätspfad den bäuerlichen Artenschutz.

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Manchmal muss man den Menschen die Augen öffnen, wenn sie selbst etwas nicht sehen oder sehen wollen. Bei Laugna weist jetzt ein Biodiversitätspfad die Spaziergänger, Wanderer und Radfahrer auf die Anstrengungen der bäuerlichen Familien beim Arten-, Klima- und Gewässerschutz hin. An vier Stationen mit insgesamt neun Schautafeln vermittelt das AELF Wertingen grundlegendes Wissen über die Leistungen der Landwirte beim Erhalt und bei der Pflege der heimischen Kulturlandschaft.

Eröffnet wurde der agrarökologische Lehrpfad von Stephan Haase, Mitarbeiter im Sachgebiet Landwirtschaft am AELF Wertingen. Gemeinsam mit zwei Amtskollegen hatte er die neun Infotafeln wenige Stunden zuvor eigenhändig montiert und im Boden verankert. Die Jahre 2019 und 2020 wurden vom bayerischen Landwirtschaftsministerium zu „Biodiversitätsjahren“ ausgerufen, erklärte Haase. Also waren entsprechende Aktionen gefragt. Nachdem die geplanten Felderbegehungen coronabedingt abgesagt werden mussten, entstand die Idee zum Lehrpfad bei Laugna. „Mit ihm soll die Bedeutung der Landwirtschaft für Natur und Mensch wieder mehr in den Mittelpunkt gerückt werden.“ Dies geschieht an vier Stationen zu den Themen Energiepflanzen, Gewässerrand, Blühflächen und Streuobstwiese.

Start mit Durchwachsener Silphie

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Erste Station der Eröffnungstour war ein 1,6 ha großes Feld mit Durchwachsener Silphie, das Martin Abt unmittelbar neben seiner Biogasanlage angelegt hat. Der Standort ist recht feucht und für den Anbau von Getreide wenig geeignet, so der Landwirt. Umso besser gedeiht die Silphie, wie sich an den zahllosen gelben Blüten erkennen ließ, die von abertausenden Bienen umsummt werden. Rund 1800 €/ha hat Abt in das Blühwunder investiert. Auf diese Summe beliefen sich die Kosten für die Aussaat durch das „Donau-Silphie“-Team der Firma Energiepark Hahnenest im württembergischen Ostrach.

Da die Silphie im ersten Anbaujahr noch keinen Ertrag bringt, wurde sie als Untersaat im Mais ausgebracht und gemeinsam mit diesem pflanzenschutztechnisch behandelt. Ab dem zweiten Jahr muss die Silphie dann ohne chemische Wirkstoffe zurechtkommen. Im Frühjahr wird das Feld lediglich einmal gehackt und mit Biogasgärrest gedüngt. Auf Abts Schlag steht die Silphie nun bereits im dritten Anbaujahr. Der Landwirt ist zufrieden. Die Blühpflanze sorgt nicht nur für eine ganzjährige Bodenbedeckung und wirkt damit einer Abschwemmung von Humus und Nährstoffen in Gewässer entgegen, sie stellt auch eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten und einen geschützten Raum für Wildtiere dar.

Verwertung über Biogasanlage

Nach der Ernte kommt die Silphie als Gärsubstrat in Abts 500 kW-Biogasanlage. Rund 170 dt Trockenmasse/ha fährt Abt vom Acker ab. Probleme beim Häckseln der dicht wachsenden und harten Pflanzenstängel gibt es nicht, versicherte er. Abt rechnet damit, dass er die Silphie als Dauerkultur über 25 Jahre hinweg auf ein und demselben Feld kultivieren kann. Die Anbaufläche soll sogar ausgedehnt werden, obwohl die Silphie rund 10 % weniger Gasertrag liefert als der Biogasmais. Dafür aber hat Abt weder mit Unkraut noch dem Maiszünsler zu kämpfen.

„Die Leute wundern sich, wenn sie an dem blühenden Feld vorbeikommen“, hat Haase festgestellt. Nach dem Lesen der Info-Tafeln hätten sie dann jedoch ihr Aha-Erlebnis. „Sie lernen, dass die Silphie nicht nur schön fürs Auge ist, sondern auch gut für den Arten- und Gewässerschutz.“ Im AELF Wertingen meldeten sich immer mehr Landwirte, die Interesse an der Blüh- und Energiepflanze bekunden.

Eine Blühfläche zwischen Laugna und Geratshofen bildet die zweite Station des Biodiversitätspfads. Auf einem Schlag mit 1,3 ha hat Andreas Rager eine Mischung aus Phacelia, Sonnenblume, Malve, Ölrettich, Serradella, Perser- und Sparrigem Klee, Kresse und Klatschmohn ausgesät. 60 €/ha hat ihn das Saatgut gekostet, über das Kulap erhält er eine Prämie von 600 €/ha. Verdient ist damit aber nichts, betonte Rager. Mit Blick auf die Flächenknappheit tut es dem Milchviehhalter nämlich „weh, dass die Blühfläche jetzt als Futterfläche fehlt“.

Gespannt darauf, ob die Blühfläche auch in den Folgejahren blüht

Der Landwirt ist gespannt, was auf der mehrjährigen Blühfläche nach dem ersten Jahr noch wächst und blüht. Die Erfahrung zeigt nämlich, dass auf mehrjährigen Blühflächen das Unkraut schnell überhand nehmen kann. Sie müssen ohne Dünger und Pflanzenschutz auskommen. „Imgrunde ist die Blühfläche nichts anderes als eine Zwischenfrucht“, erklärte Rager. Als Futter sei der Aufwuchs nicht geeignet. Dennoch steht Rager hinter dem Projekt: „Nach dem Volksbegehren zum Artenschutz soll die Bevölkerung sehen, dass wir Landwirte unseren Beitrag zur Biodiversität leisten.“ Im Übrigen habe auch der Verpächter des Schlags ein Interesse daran, dass in der Flur etwas blüht und die wild lebenden Tiere einen Rückzugsraum finden. Außerdem tragen Blühflächen zur Bodenverbesserung und Biotopvernetzung bei.

Station Nummer Drei ist ein gut 800 m langer und 3 m breiter Blühstreifen, den ein Landwirt entlang eines Bächleins angelegt hat. Von der Böschungsoberkante sind es nochmal 2 m bis zum Gewässer selbst. Damit erstreckt sich der Uferrandstreifen auf eine Breite von insgesamt 5 m. Der dichte Bewuchs verhindert, dass von den benachbarten Feldern Humus und Nährstoffe in den Bach geschwemmt werden, erläuterte Elke Lasch, die neue Wasserberaterin am AELF Wertingen.

Streuobstwiese mit Äpfeln, Birnen, Sauerkirschen und Zwetschgen

Abschließend führt der Lehrpfad zu einer rund 1 ha großen Streuobstwiese, die vom Schäfer Wilhelm Hitzler in Laugna gehegt und gepflegt wird. Auf ihr stehen Bäume mit Äpfeln, Birnen, Sauerkirschen und Zwetschgen. Das Grasland zwischen den Stämmen dient als Mähweide, ab und an lässt Hitzler seine Schafe darauf grasen. Streuobstwiesen gehören in der Kulturlandschaft zu den artenreichsten Lebensräumen. Allerdings gibt es in Bayern nur noch rund 6 Mio. Streuobstbäume. Die Verwertung des Obstes und des Aufwuchses unter den Bäumen sichert den Erhalt dieser wertvollen Biotope.

Haase wies auf die Bedeutung der alten Obstsorten hin, die durch ihre Robustheit gut gegen den Klimawandel und Krankheiten gewappnet sind. „Aber diese Sorten sind immer mehr aus der Kulturlandschaft verschwunden. Vor allem auf alten Streuobstwiesen sind sie jedoch noch zu finden.“ In Bayern sind rund 2300 Apfel-, 1700 Birnen, 400 Kirsch- und Pflaumensorten bekannt.