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Fernsehen

Landwirt sucht im TV die große Liebe

Martin Berktold
Susanne Lorenz-Munkler
am Dienstag, 26.04.2022 - 17:00

Bergbauer Martin aus dem Allgäu sucht im bekannten RTL-Format eine neue Lebenspartnerin. Doch wie reagiert sein Umfeld auf den Fernsehauftritt?

Bad Hindelang - Seine sportliche Baseballcap ziert das Logo eines Schleppers und zeigt sofort, für was das Herz von Martin schlägt: Für Traktoren, Rinder und die Landwirtschaft. Schnell legt er bei seinen Mastbullen noch Heu nach, bevor er die Reporterin des Wochenblatts in sein Hotel zu einem Latte Macchiato einlädt.

Biobauer Martin (56) aus dem Oberallgäu weiß inzwischen, wie er mit Medienvertretern umgeht. Er ist einer der 18 Teilnehmer der TV-Show „Bauer sucht Frau“, die am Ostermontag ausgestrahlt wurde. „Bauer sucht Frau“ – das ist die beliebte Fernsehshow, die seit 2015 sehr erfolgreich im RTL-Abendprogramm läuft und es mittlerweile auf 17 Staffeln und über 120 Folgen gebracht hat. Die Show-Macher versuchen, alleinstehende Landwirte mit passenden Partnerinnen zu verkuppeln.

Werbung für die Allgäuer Landschaft

Einen Allgäuer Kandidaten bei „Bauer sucht Frau“ gab es zuletzt 2017. Diesmal war der 56-jährige Naturland- und Heumilch-Bauer Martin dabei. Nach drei Jahren Single-Dasein würde er gerne wieder mit einer Frau durchs Leben gehen, erzählt er dem Wochenblatt. „Da habe ich mir gedacht: Warum nicht? Die einen suchen bei Parship. Ich kann mich, meinen Hof und mein Hotel im Fernsehen doch viel besser darstellen. Und es ist auch ein bisschen Werbung für die schöne Allgäuer Landschaft und die kleinbäuerliche Landwirtschaft, die wir hier betreiben.“

Martin Berktold

Dass Martin kein Stallgeruch anhaftet und er auch beileibe kein Hinterwäldler ist, wie die geografische Lage des Bad Hindelanger Ortsteils vermuten lässt, beweist er nicht nur in dem dreiminütigen Auftritt im Fernsehen. Denn Martin, der nach eigenen Angaben nicht flirten kann, kann sehr wohl diskutieren – und das leidenschaftlich und äußerst eloquent. Über die aktuelle Agrarpolitik, die Erwartung der Gesellschaft an die Landwirte heute, über Naturschutz, Landschaftspflege, Klimawandel und Biodiversität. Der gelernte Schreiner und Masseur sieht weit über den Tellerrand seines Milchviehbetriebes hinaus.

Schon seine Mutter Rosemarie, die 1961 in den rund 400 Jahre alten, geschindelten Bergbauernhof einzog, tat das. Sie war einen „Reingeschmeckte“, wie man im Allgäu zu sagen pflegt. Die Mannheimerin hat bis zu ihrer Heirat mit Helmut Berktold als Hauswirtschaftsmeisterin das Altwürttemberger Haus in Unterjoch geleitet, und später ließ sie an den alten Bauernhof ein Schullandheim anbauen, was nach und nach zu einem stattlichen Hotel wurde, dem heutigen Berg- und Aktiv-Hotel Edelsberg. „Bauer sucht Frau“-Kandidat Martin wohnt heute selbst in dem Hotel, das er seit 2015 verpachtet hat. Seine Mutter und seine Tochter indes wohnen daneben im Bauernhaus, wo auch der künftig Hofnachfolger, Sohn Max, bald einziehen möchte.

Ans Aufhören denkt der 56-jährige Martin noch lange nicht. Landwirtschaft ist für ihn Passion mit Tradition. „Ich bin Vollblut-Bauer. Meine Kühe und meine Wiesen und Weiden bedeuten mir alles. Ich liebe dieses selbstbestimmte Arbeiten mit und in der Natur.“ Aber auch die anderen Seiten kommen bei ihm nicht zu kurz. Seine Hobbys sind Motorradfahrern und Skifahren. Und dann spielt er noch das Flügelhorn in der örtlichen Musikkapelle. „Ein Urlaub am Gardasee ist auch mal drin“, schmunzelt er. Trotz seiner zeitintensiven Ehrenämter als Bergwachtler und BBV-Ortsvorsitzender und seiner Arbeit auf dem Hof. Einsam ist Martin also beileibe nicht. Aber er sehnt sich nach einer Partnerin, die mit ihm durchs Leben geht.

Den Hof auf Bio umgestellt

Sein Bio-Heumilchbetrieb steht auf soliden Beinen, 67ha Grünland davon, 24ha Vertragsnaturschutzflächen, 18 Braunvieh-Milchkühe, 15 Stück Nachzucht, zehn Mastochsen, 4 Stück Pensionsvieh und ein Zuchtstier, auf den er besonders stolz ist. Vor 22 Jahren hat der Haupterwerbslandwirt seinen Hof auf Bio umgestellt und ist dem Naturlandverband beigetreten. „Ich lebe hier als Bergbauer nicht nur von der Milch, die ich an die Schönegger Käsealm liefere, sondern auch von den Vertragsnaturschutzflächen, die ich pflege.“ Martin hat ein tiefes Verständnis für Artenschutz und Landschaftspflege, ebenso aber hat er die Ökonomische Rentabilität seines landwirtschaftlichen Betriebs immer im Auge. Kurz- oder langfristig will er deshalb auch einen Laufstall bauen, dann „wenn die Baupreise sich wieder in einem vernünftigen Rahmen bewegen“.

An Ostern 2022 stellte Moderatorin Inka Bause die neuen Kandidaten der 18. Staffel von „Bauer sucht Frau“ vor. Einer der Kandidaten ist Biobauer Martin aus dem Allgäu:

Seit drei Jahren ist Martin wieder Single und hatte vor allem wegen der Corona-Pandemie wenig Möglichkeiten, neue Kontakte zu knüpfen. Er vermisst eine Frau an seiner Seite. Er möchte „einfach gemeinsam Dinge erleben, Ausflüge machen, die Arbeit hinter sich lassen. Das Miteinander eben, das auch durchaus gegensätzlich sein kann“. Deshalb müsse seine künftige nicht unbedingt aus der Landwirtschaft kommen. Martins Traumfrau sollte aufgeschlossen und aktiv sein, und nicht älter als er selbst. Mit Humor könnte sie den Landwirt am meisten beeindrucken.

Und wie hat sein Umfeld auf seinen TV-Auftritt am Ostermontag reagiert? Martin erzählt: „Meine Familie und viele Freunde haben mich gelobt für meinen professionellen Auftritt, andere haben mich vielleicht eher belächelt. Aber man kennt mich hier ja, als einen eher etwas schrägen Typen.“

Jetzt sind die Damen dran, die sich bei RTL bewerben können. Martin ist schon gespannt, was sich da anbahnt. „Vor dem Scheunenfest im Sommer werden mir Damen vorgestellt, von denen ich mir die aussuchen darf, die ich kennenlernen möchte. Eine wird dann eine Woche bei mir auf dem Hof sein, rund um die Uhr vom Kamerateam begleitet. RTL zahlt mir für diese Woche dann einen Betriebshelfer.“

Fans des RTL-Kultformats müssen sich noch etwas gedulden: Der Sender hat noch keinen Start-Termin für Staffel 18 bekannt gegeben. „Bauer sucht Frau“ 2022 wird im Herbst ausgestrahlt.