Ausbildung

Landwirt ist derzeit kein Modeberuf

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Michael Ammich
am Montag, 02.09.2019 - 15:04

In Bissingen wurden 43 Absolventen, darunter sieben Frauen, feierlich freigesprochen.

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Bissingen/Lks. Dillingen Von der Ausbildung sind sie freigesprochen, aber nicht vom lebenslangen Lernen. Auf der Abschlussfeier für den Beruf Landwirt durften 43 junge Bäuerinnen und Bauern, die ihre Ausbildung im Dienstgebiet der ÄELF Nördlingen und Wertingen durchlaufen hatten, freudestrahlend ihre Gehilfenbriefe in Empfang nehmen. Das Lernen in der Schule und auf den Praxisbetrieben sollte ihnen nicht nur fachliche, sondern auch soziale Kompetenz vermitteln. Diese ist umso notwendiger, als sich die Landwirte auf fortwährende Diskussionen mit Verbrauchern, Natur- und Tierschützern einrichten müssen.

Nur mit Leidenschaft und Begeisterung geht es

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„Landwirt ist kein Modeberuf“, stellte der Leiter des AELF Nördlingen auf der Feier in Bissingen fest. Dafür sorgt laut Manfred Faber schon die Dauerkritik aus Medien und Gesellschaft. Wer heute noch Bauer sein will, der müsse Leidenschaft und Begeisterung mitbringen und dürfe sich nicht in erster Linie von Verdienstmöglichkeiten leiten lassen. Dann aber gebe es keinen vielseitigeren Beruf. „Die Landwirtschaft wird es immer geben, weil die Menschen immer Nahrungsmittel brauchen“, betonte Faber. Wenig geeignet sei der Beruf allerdings für Menschen, die von Freitagmittag bis Sonntagabend auf ihre Freizeit pochen.
Der Behördenleiter räumte aber auch ein, dass sich die Landwirtschaft nicht an der Gesellschaft vorbei betreiben lässt. Diese sollte wiederum bedenken, dass die Ausgaben für hohe Tierwohl- und Umweltstandards erst einmal erwirtschaftet werden müssen. Die Lebensmittel könnten nicht auf Dauer so preisgünstig bleiben, wie sie heute sind, wenn die Landwirte die Anforderungen der Gesellschaft konsequent umsetzen.

Die Zusammenarbeit mit den Politikern suchen

Der Donau-Rieser Vize-Landrat Reinhold Bittner bedauerte das schlechte Image, das die Landwirtschaft derzeit in der Öffentlichkeit habe. „Darüber urteilen jedoch Leute, die von der Landwirtschaft wenig Ahnung haben.“ Umso wichtiger sei es die Höfe zu öffnen, damit die Bevölkerung sieht, was die Bauern leisten. Bittner forderte die jungen Leute auf, die konstruktive Zusammenarbeit mit der Politik zu suchen.
Mit ihrem Berufsabschluss sind die Freigesprochenen in den Kreis der qualifizierten Fachleute aufgestiegen, betonte der Donau-Rieser BBV-Kreisgeschäftsführer Michael Stiller. Während ihrer Ausbildung hätten sie sich das Rüstzeug für die tierische und pflanzliche Produktion, aber auch für die Diskussion mit den Verbrauchern angeeignet. Stiller empfahl dem bäuerlichen Nachwuchs, immer das Ohr am gesellschaftlichen Mainstream zu haben. Auf der anderen Seite brauche es aber auch verlässliche und klare Rahmenbedingungen, um zu wissen, wohin die Reise gehen soll. Bei allen politischen Entscheidungen gelte es die Wettbewerbsfähigkeit im Auge zu behalten. „Die Landwirte haben mit ihrer guten Ausbildung vorgelegt, jetzt muss die Politik nachlegen.“
„Es tut schon weh, wenn sich junge Menschen als Buhmänner der Nation gebrandmarkt sehen“, sagte Franz Leopold, der stellvertretende Leiter des Staatlichen beruflichen Schulzentrums in Höchstädt. Von der dauernden Kritik sollten sie sich jedoch nicht ins Bockshorn jagen lassen, sondern optimistisch in die Zukunft blicken. Diese scheint für das Schulzentrum in Höchstädt gesichert. Leopold zufolge wurde dort sowohl in neue Räumlichkeiten als auch in das Lehrpersonal investiert.
Der Landtagsabgeordnete Johann Häusler dankte den Absolventen dafür, dass sie sich mit ihrer Berufswahl zur Tradition ihrer Eltern und Großeltern bekannten. Die hohen Anforderungen der Abschlussprüfung belegten das umfassende Know-how der Berufsanfänger. Deshalb dürften diese in der Öffentlichkeit selbstbewusst auftreten. Er selbst, so Häusler, habe sich schwer getan, im Landtag dem Begleitgesetz zum Volksbegehren Artenvielfalt zuzustimmen. Dieses spiegele gleichwohl die Herausforderungen wieder, vor die die Gesellschaft die Landwirtschaft stellt.

Die Betriebswirtschaft immer im Auge haben

In ihrem Rückblick auf die Lehrzeit sprachen Katharina Röger, Thomas Hurler und Christian Schaude von interessanten Erfahrungen im Unterricht und in den Ausbildungsbetrieben. Dabei sei ihnen bewusst geworden, dass in den Betrieben nicht nur die Leidenschaft für die Landwirtschaft, sondern auch die Betriebswirtschaft zählt. Die drei Absolventen lobten die Lehrkräfte in der Berufsschule. Diese hätten großes Verständnis gezeigt und ihnen die wichtigsten Grundlagen für ein erfolgreiches Berufsleben beigebracht.

Bila-Absolventen sagen: Respekt vor uns

Für die Bila-Absolventen blickten Anja Fuchs und Andreas Wild auf den Blockunterricht im Landwirtschaftsamt zurück. „Wir haben eine Menge durchmachen müssen“, bekannte Fuchs. Schließlich galt es neben dem Beruf an vielen Abenden noch die Schulbank zu drücken. „Oft mussten wir uns dazu zwingen, die Augen offen zu halten.“ Am Ende jedoch seien die Bila-Teilnehmer zu einer starken Gruppe zusammengewachsen und hätten gemeinsam durchgehalten: „Respekt vor uns!“
Dem konnte sich der Vorsitzende des Prüfungsausschusses, Dominik Schlecht, nur anschließen. Von den 46 Prüflingen haben 43 bestanden, darunter 20 Auszubildende aus den Landkreisen Dillingen, Donau-Ries, Aichach-Friedberg, Günzburg und Weißenburg-Gunzenhausen sowie 23 Bila-Teilnehmer aus den Kreisen Dillingen, Donau-Ries, Augsburg, Heidenheim, Weißenburg-Gunzenhausen und dem Ostalbkreis. Die sieben weiblichen Absolventen zeigten, dass der Beruf der Landwirtin zunehmend attraktiv wird. Der Gesamtnotendurchschnitt der Abschlussprüfung bewegte sich bei 2,82.
Schlecht dankte insbesondere den Betrieben, die sich für die praktischen Prüfungen zur Verfügung stellten: Hermann Hubel (Lierheim), Ralph Hussel (Appetshofen), Heinz Gnugesser (Burgmagerbein-Reimertshof), Georg Straß (Donauwörth-Spindelhof), Rainer Häußler (Binswangen), Andrea und Ulrich Ehnle (Kicklingen) und der Milchhof Ruisinger (Mittelstetten).
Nachdem die Zahl der Landwirte laufend zurückgehe, sei das Zusammenhalten umso wichtiger. Schlecht: „Ellbogendenken macht nicht glücklich.“ Nur gemeinsam könne man gegen praxisfremde politische Entscheidungen ankämpfen.

Zeugnisse und Sachpreise für die Absolventen

Bildungsberater Heinz Merklein vom AELF Nördlingen zeigte in seinem Bilderrückblick auf die zehn Tage in den Prüfungsbetrieben die menschliche Seite der Prüflinge und Prüfer. Gemeinsam litten sie unter der Hitze Ende Juni/Anfang Juli. So kamen die Prüflinge gleich doppelt ins Schwitzen. Lohn der Anstrengung sind die Zeugnisse und Urkunden, die die Berufseinsteiger entgegennehmen durften. Dabei wurden die drei Prüfungsbesten mit Geschenken bedacht, die die SEG Tierhaltungsbedarf GmbH in Wertingen, das Deutz-Fahr-Zentrum in Lauingen, der Besamungsverein Nordschwaben sowie vlf Dillingen und Donau-Ries gestiftet hatten: Katharina Röger (1,69; Schretzheim), Elisabeth Schmid (1,74; Donaualtheim) und Benedikt Stallauer (1,90; Binswangen). Schmid erhielt zudem einen Sonderpreis für das beste Berichtsheft.
Bevor der Leiter des AELF Wertingen, Magnus Mayer, die jungen Leute mit seinem Schlusswort in ihr Berufsleben entließ, empfingen alle erfolgreichen Prüfungsteilnehmer ihre Zeugnisse.

Die Absolventinnen und Absolventen

  • Auszubildende: Andreas Aßmann (Gundremmingen), Tobias Bauer (Niederschönenfeld), Florian Beck (Mönchsdeggingen), Jonas Böhm (Nähermemmingen), Daniel Großmann (Marxheim), Thomas Hurler (Reimlingen), Philipp Killensberger (Wortelstetten), Fabian Kugler (Kölburg), Michael Langenmair (Riedsend), Aron Lechler (Ehringen), Stefan Pachner (Felsheim), Benedikt Rieblinger (Gremheim), Christian Schaude (Wittislingen), Kai Schrell (Blindheim), Michael Sedlmeir (Igenhausen), Franziska Weng (Tuifstädt), Franz Wiedemann (Harburg), Valentin Wörle (Reimlingen).
  • Bila-Teilnehmer nach § 45 Berufsbildungsgesetz: Daniel Blanarsch (Marxheim), Philipp Bösele (Asbach-Bäumenheim), Sarah-Maria Bunk (Kicklingen), Christoph Dannemann (Mündling), Josef Dumberger (Altisheim), Markus Fischer (Zusmarshausen), Rainer Fischer (Mündling), Anja Fuchs (Fremdingen), Heike Funk (Niederaltheim), Georg Götz (Maihingen), Siegfried Kilian (Harburg), Martin Kirchgasser (Möttingen), Michael Lettenbauer (Daiting), Florian Meyer (Westheim), Manuel Oswald (Gansheim), Christian Rößner (Mündling), Julian Rothgang (Möttingen), Jürgen Schreitmüller (Unterschneidheim), Florian Sporer (Laugna), Aron Vollhüter (Möttingen), Andreas Wild (Wittesheim) und Thomas Wunderle (Fristingen).