Interview

Landratsamt wird mit Holz umgebaut

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Interview: Toni Ledermann
am Donnerstag, 20.05.2021 - 11:49

Der Unterallgäuer Landrat Alex Weber erklärt im Interview, wie er sich für die Landwirtschaft einsetzen möchte und welche Projekte er aktuell verfolgt.

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Mindelheim/Lks. Unterallgäu Der Landkreis Unterallgäu hat nach dem Ostallgäu, deutschlandweit den zweitgrößten Kuhbestand (laut Statistik aus dem Jahr 2020) und die Landwirte tragen in hohem Maße zur intakten Kulturlandschaft bei – was nicht zuletzt für einen florierenden Tourismus wichtig ist. Eine wichtige Behörde für die Bauern ist das Landratsamt, besonders als Genehmigungsbehörde. Wie Landrat Alex Eder das Auskommen mit den Landwirten beschreibt, hat er uns in einem Interview zu seinem „Einjährigen“ als Landkreischef gesagt.

Unser Allgäu: Am 29. März des vergangenen Jahres wurden Sie in der Stichwahl zum neuen Landrat des Landkreises Unterallgäu gewählt. Damals sagten Sie: „Die Arbeit unserer Landwirte verdient viel mehr Anerkennung und Wertschätzung, ihre Sorgen müssen ernst genommen werden – Landwirte brauchen über die eigene Generation hinaus eine Perspektive! Wenn sich die Landwirte für die Ökologie einsetzen, haben sie ein Recht auf ökonomischen Ausgleich. Dafür, aber auch für den Erhalt unserer dörflichen Strukturen will ich mich einsetzen!“ Konnten Sie diesbezüglich aktiv werden? Zumal die große Politik in München, Berlin und Brüssel gemacht wird.

Eder: Leider war in meinem ersten Jahr gleich das Gegenteil der Fall, da wir die Ausbildung zum Landwirtschaftsmeister am Standort Mindelheim verloren haben. Mein vordringlicher Versuch war es dann, diesen Ausbildungsgang zu erhalten. Das ist leider nicht gelungen. Es war aber wert, dafür zu kämpfen, weil ich meine, dass die entsprechende Ausbildung der jungen Leute vor Ort ein wichtiger Baustein für die Zukunftsfähigkeit des Standortes bedeutet.

Unser Allgäu: Im Unterallgäu besteht schon seit langem der Landratsamt-Workshop, bei dem sich die Landkreisverwaltung mit den Vorsitzenden der landwirtschaftlichen Verbände zusammensetzen, um anstehende Probleme der heimischen Landwirtschaft zu erörtern. Die BBV-Vorstandschaft hat dies mehrmals bei Bauernveranstaltungen positiv hervorgehoben. Wo sehen Sie Verbesserungen für die Landwirtschaft?

Eder: Der Workshop „Landwirtschaft und Verwaltung“ bezieht sich immer auf den staatlichen Teil des Landratsamts, da sind die Spielräume für eigene Gestaltungsideen leider recht begrenzt. Trotzdem ist es wichtig, sich auch hierzu auszutauschen, da auch in der Anwendung vorgegebener Regeln manche Verbesserungen möglich sind oder zumindest mancher Hintergrund erläutert werden kann. Dieser Workshop hat in meiner Amtszeit bisher einmal getagt. Die Veranstaltung ist ein interessanter und offener Austausch in einer sehr angenehmen Atmosphäre. Er wird von beiden Seiten sehr wertgeschätzt.

Unser Allgäu: Vor kurzem wurde der neue Arbeitskreis „Landwirtschaft“ mit allen an der Landwirtschaft beteiligten Organisationen gegründet, der auch schon einmal getagt hat. Welche Bereiche werden in diesem Gremium bearbeitet?
Eder: Dieses Gremium ist für den kommunalen Teil des Landratsamtes eingerichtet worden. Ich war im ersten Moment nicht ganz überzeugt davon, dass dies notwendig ist. Aber die erste Sitzung war dann doch sehr vielversprechend und ich bin guter Hoffnung, dass wir uns tatsächlich auf die Möglichkeiten des Landkreises konzentrieren und das ein oder andere Potenzial aufdecken können.
Unser Allgäu: Welche Themen werden bearbeitet?
Eder: Bei der ersten Sitzung wollen wir uns mit dem Komplex „Flächenverbrauch“ beschäftigen: Einerseits im Zusammenhang mit staatlichen Vorgaben, wie beispielsweise Wasserschutzgebieten oder im Bereich „Naturschutz“, wo gewisse Mechanismen ausgelöst werden, die der Landwirtschaft Flächen entziehen. Und andererseits geht es aber auch um den Flächenverbrauch aus dem kommunalen Planungsbedarf heraus, also dörfliches Wachstum, Innenverdichtung und solche Themen. Zudem wollen wir über das Einkaufsverhalten des Landkreises selbst sprechen. Wir wollen prüfen, wo wir noch Spielräume haben, zum Beispiel im Lebensmittelbereich in den Kreis-Seniorenheimen und im Klinik-Verbund.
Unser Allgäu: Kann Ihr Haus schon Ergebnisse in diesem Bereich vorweisen, beispielsweise beim Einkauf für die Krankenhäuser?
Eder: Ja, die Quote ist jetzt schon sehr hoch. Zur Vorbereitung auf die Sitzung habe ich bei verschiedenen Stellen in der Verwaltung angefragt und gebeten, dies zu eruieren und da kam heraus, dass zum Beispiel Back- oder Wurstwaren schon zu einem sehr großen Prozentsatz regional eingekauft werden.
Unser Allgäu: Es sind nun zwar mehr Veterinäre im Unterallgäu aktiv, aber aufgrund der gestiegenen Anforderungen reicht dies wohl nicht aus. Nicht nur Ihr Vorgänger, sondern auch Sie versuchen mehr Amtstierärzte zu erhalten. Wie sind die Chancen?
Eder: Auch ich habe den Kampf aufgenommen und gleich zu Beginn meiner Amtszeit einen entsprechenden Brief nach München gesandt und jetzt erneuert, da aus dem Veterinäramt wiederholt Hilferufe kamen. Umweltminister Thorsten Glauber hat zumindest eine weitere Stelle zugesagt. Wir könnten aber durchaus auch noch mehr vertragen.
Unser Allgäu: Nochmals kurz die Frage nach der Belebung der Dörfer. Gibt es hier Fortschritte?
Eder: Wenn landwirtschaftliche Gebäude zu Wohnungen umgewandelt werden, fällt eine Steuer an. Von meinem Vorgänger angestoßen gibt es ein Modellprojekt in Benningen. Dabei wird versucht, über ein Vergütungssystem solche Umnutzungen dennoch attraktiv zu machen. Wenn dieses Pilotprojekt Früchte trägt, wollen wir prüfen, ob wir es auf andere Gemeinden übertragen können. Ziel muss es sein, möglichst Landverbrauch außerhalb der Ortschaften zu verhindern.
Unser Allgäu: Im Unterallgäu kümmern sich die beiden Forstbetriebsgemeinschaften, um eine verstärkte Verwendung des nachwachsenden Rohstoffs Holz. Setzen Sie sich auch hierfür ein?
Eder: Auch wir setzen auf nachwachsende Rohstoffe: Wir planen derzeit die Aufstockung des Landratsamtes. Die Kreisräte haben zugestimmt und der Architekt wurde bereits beauftragt. Es wird eine vierte Etage auf den Querbau aufgesetzt – in Holzbauweise. Holz hat hier auch statische Vorteile. Und durch die Aufstockung kommt es zu keinem weiteren Flächenverbrauch.