Flächenfraß

Land weg – Zukunft weg

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Externer Autor
am Montag, 24.06.2019 - 07:30

Bauern wollen mit der Bürgerinitiative „Seifener Illertal“ eine geplante Erweiterung des Gewerbegebietes „Seifen-West“ verhindern.

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Immenstadt/Lks. Oberallgäu Die Initiative kämpft gegen „weiteren Landschaftsverbrauch im Illertal“ bei Immenstadt. Mit dabei sind auch einige Landwirte, die Sorge haben, weiteres Grünland zu verlieren. Rund 200 Besucher kamen zu einer ersten Informationsveranstaltung – und fast alle trugen sich in die Unterschriftenliste ein, um ihren Protest gegen die Ausweitung zum Ausdruck zu bringen.

„Das muss gestoppt werden!“, brachte der Sprecher der Bürgerinitiave, Karl-Heinz Ueberschär, die Zielrichtung der Gruppierung auf den Punkt. Als ob das Oberallgäu nicht schon Spitzenreiter bei der Versiegelung von Flächen sei, wolle die Stadt Immenstadt mit der Erweiterung des Gewerbegebietes um weitere 12 ha noch eins draufsetzen.
Man verstehe zwar die schwierige finanzielle Lage der Stadt, so Ueberschär. Nicht verstehen könne man aber die Argumentation und Hoffnung, dass jede Gewerbeansiedlung von Haus aus und im Handumdrehen mehr Geld in die Stadtkasse spüle. „Das kann acht bis zehn Jahre dauern.“ Zunächst müsse die Stadt in Vorleistung gehen bei der schwierigen Erschließung des Areals. Der Untergrund sei labil, ein großer Grundwasserstrom durchziehe das Illertal an dieser Stelle. Mehrere Bäche querten das Becken und schütteten bei Starkregen gewaltige Wassermassen aus. Das habe die Erschließung des ersten Abschnittes des Gewerbegebietes vor einigen Jahren gezeigt.
Schon bei der Ansiedlung des Bosch-Werkes in Seifen in den 1980er-Jahren habe man versichert, dass das Gebiet in Zukunft nicht weiter belastet würde, erinnerte Ueberschär. Dann sei das Gewerbegebiet Seifen-West 1 gekommen und jetzt, so Ueberschär weiter, wolle die Stadt eine Erweiterung durchdrücken, die ähnliche Dimensionen habe wie das Bosch-Gelände auf der Ostseite der alten B 19. „Da ist es doch verständlich, dass die Bürger sich wehren und sagen: Wir haben genug!“
Unterstützung findet die BI nicht zuletzt bei den Landwirten in den Ortsteilen Werdenstein, Bräunlings und Gnadenberg. Wenn jetzt weitere 12 ha für die Landwirtschaft verloren gingen, gibt Andreas Eldracher zu bedenken, sei das nicht zumutbar. Jede sogenannte Austauschfläche werde schließlich einem anderen Hof weggenommen. Schon jetzt seien die Wege zu den Nutzflächen für die Bauern oft unzumutbar lang.
Es gehe auch um die Existenzen und Zukunft mehrerer junger Hofnachfolger, ergänzte Bernhard Baldauf, selbst Landwirt im Stadtgebiet und ehemaliger Stadtrat. „Diesen Familien nimmt man ein Stück ihrer Lebensgrundlage.“ Es gelte, hier unbedingt dagegenzuhalten und gesunde Strukturen zu erhalten: „Wir müssen Stopp sagen!“ Ohne große Diskussion habe der Stadtrat im Januar die Erweiterungspläne auf den Weg gebracht. Baldauf: „Wir sind nicht gegen alles, aber jetzt ist man zu weit gegangen.“
„Die wertvolle Landschaft spricht für sich“, sagte BI-Sprecher Ueberschär. „Und die wollen wir erhalten für Mensch und Tier, Landwirtschaft und Tourismus.“ Ob die BI in einen Verein münde, der womöglich ein Bürgerbegehren anstoße, hänge von der weiteren Unterstützung durch die Bevölkerung ab. Josef Gutsmiedl