Hofladen

Mit den Kunden in Kontakt kommen

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Anja Kersten
am Donnerstag, 30.09.2021 - 15:04

Dass ein Angebot aus bio und konventioneller Landwirtschaft wunderbar zusammenpasst, beweist der Hofladen von Ramona Horn und ihrer Familie in Buchloe. Ganz selbstverständlich steht hier beides im Regal.

Buchloe - Den Stempel, dass bio besser als konventionell ist und wir Landwirte in Konkurrenz stehen, den drückt uns die Gesellschaft auf“, meint Bäuerin Ramona Horn aus Buchloe. Da werde die Landwirtschaft gegeneinander ausgespielt. Die Landwirte und auch die meisten Verbraucher sähen das anders. „Beide Wirtschaftsweisen haben ihre Berechtigung und können nebeneinander existieren“, davon ist sie überzeugt.

Die Bäuerin selbst erlebt das selbst immer wieder in ihrem neuen Hofladen. Es gebe immer wieder Kunden, die fragen, ob beispielsweise die Kartoffeln „bio“ wären. Wenn sie dann erklärte, dass die Kartoffeln aus konventionellem Anbau sind, die Kartoffeln wegen der Krautfäule gespritzt werden müssten und sie frisch vom eigenen Feld um die Ecke kämen, habe die Kartoffeln noch nie jemand stehen gelassen. „Die Leute verstehen das, aber man muss es ihnen erklären“, sagt die Bäuerin.

Wertvoll: das Gespräch mit dem Verbraucher

Viele haben eine völlig falsche Vorstellung von konventioneller Landwirtschaft, die sie meist den Medien entnehmen. Deshalb bietet Ramona Horn in ihrem „Wiesn-Haisla“ neben einem Selbstbedienungsservice (8 bis 22 Uhr) dreimal die Woche (Donnerstag, Freitag, Samstag) persönliche Bedienung an. Hier kommt sie mit den Kunden in Kontakt und kann genau diese Fragen beantworten, die für das Image der Landwirtschaft so wichtig sind.

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An den drei Tagen ist dann das Vollsortiment erhältlich, das zusätzlich zu dem in Selbstbedienung Brot, Gemüse, Obst, selbst gemachten Frischkäse und Quarkspezialitäten, Rapsöl und Liköre umfasst. Auf alkoholhaltige Getränke mussten sie bei der Selbstbedienung aus Gründen des Jugendschutzes verzichten, Gemüse wie etwa Karotten oder Tomaten müssen abgewogen werden.

Doch auch das Selbstbedienungsangebot umfasst noch ein großes Sortiment. Kartoffeln vom eigenen Hof, abgepackt in Gebinden, Fleisch, Wurst, Joghurt, Nudeln, Eier, Mehl und verschiedene Marmeladen gibt es. Die Bezahlung erfolgt auf Vertrauensbasis. „Bisher haben wir damit nur gute Erfahrungen gemacht. Es war eher ein bisschen mehr als zu wenig in der Kasse“, sagt Ramona Horn. Auf diese Weise könnten sie auf einen teuren Selbstbedienungsautomaten verzichten.

Doch wie wichtig der Kundenkontakt ist, das merkt man an dem Donnerstagnachmittag, an dem der Hofladen geöffnet hat, und der Kundenstrom gar nicht abreißen will. Für jeden Kunden haben Ramona Horn, ihre Mutter Gabi Sporer und ihre Schwester Annalena Sporer, die sie an den Verkaufstagen unterstützen, ein nettes Wort, eine herzliche Begrüßung und ein „schön, dass Sie da waren“.

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Alle im Team nehmen sich Zeit, beantworten Fragen, zum Beispiel nach der Herkunft der Ware, und versprühen den ganzen Nachmittag, so stressig es auch wird, gute Laune. Die persönliche Ansprache statt der Anonymität eines Supermarkts schätzen vor allem die älteren Kunden, so die bisherigen Erfahrungen der Frauen. Manche verbinden das Einkaufen mit einer kleinen Radtour, denn das Wiesn-Haisla liegt etwas außerhalb von Buchloe. „Ich habe Zeit und ein bisschen Bewegung tut gut“, meint ein älterer Kunde, der sich sichtlich über die freundliche Begrüßung von Ramona Horn freut.

Dass Ramona Horn die Arbeit Spaß macht, das braucht sie gar nicht mehr zu sagen, das sieht man ihr an. „Es ist viel Arbeit“, gibt sie bei einer kurzen Verschnaufpause mit einem Lachen zu, aber als gelernte Metzgereifachverkäuferin wollte sie unbedingt wieder in den Verkauf. Noch wichtiger aber war ihr als Bäuerin, die mit ihrem Mann, Schwager und Schwägerin eine GbR führt, das Angebot an regionalen, landwirtschaftlichen Produkten zu bündeln und in einem Laden anzubieten. Im Supermarkt die regionalen Produkte herauszusuchen brauche Zeit, genauso wie von Direktvermarkter zu Direktvermarkter zu fahren, um bei dem einen Eier, bei dem anderen Fleisch und bei dem dritten Gemüse zu kaufen. Was ganz nebenbei auch nicht im Sinne der Umwelt sei. So kam ihr im Mai diesen Jahres die Idee, nicht nur wie geplant, die eigenen Kartoffeln in Direktvermarktung anzubieten, sondern ein umfangreiches Sortiment von Landwirten aus der Umgebung.

Ist wirklich alles „regional“? Ja!

Wie vielfältig das Sortiment dann geworden ist, darüber staunt so mancher Kunde und man hört deshalb öfter die Frage, ob das denn wirklich alles regional sei. Das kann Ramona Horn nur bestätigen, kommt doch gerade ihr Mann mit frisch gerodeten und bereits verpackten Kartoffeln vom Feld. Sie kenne jeden Lieferanten persönlich, schmunzelt sie. Die Landwirte, von denen sie ihre Ware bezieht, seien von Anfang an von ihrer Idee überzeugt gewesen und, weil Zwischenhändler entfallen, seien sie ihr mit dem Preis entgegengekommen, erklärt die Bäuerin ihre Preiskalkulation. Es ist Ramona Horns Anliegen, dass auch Familien mit Kindern oder Personen mit geringerem Budget bei ihr im Hofladen regionale Produkte kaufen können. Sie hat selbst zwei Kinder.

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Wobei „Hofladen“ angesichts der kleinen Fläche vielleicht etwas übertrieben ist. Eher ist es, wie es die Familie Horn treffend genannt hat, ein Haisla. Und weil das Holzhäuschen direkt an eine Wiese grenzt, eben ein Wiesn-Haisla.

Den Laden selbst hat Ramona Horn mit viel Herzblut eingerichtet. In der Ecke steht ein hoher Kühlschrank mit Glastür, daneben ein Kühlschrank für das Fleisch und eine Eistruhe. Die Kartoffeln lagern in einer alten Truhe, das Gemüse und Obst in Körben. Der Tresen für die Kasse ist wie auch die Regale aus Holz. Die Produkte sind übersichtlich angeordnet und das Holzgebäude strömt einen angenehmen Geruch aus.

Kurzum: Hier fühlt sich der Kunde wohl, hier geht er gerne einkaufen – was freilich auch am netten Verkaufsteam liegt. Von Fleisch, Wurst, Eier über Nudeln, Mehl bis hin zu Quark, Käse und Joghurt: man findet es hier. Der Käse wird aus der eigenen Milch von einer Hofkäserei hergestellt, die Marmelade ist selbst gemacht, die Kartoffeln kommen vom eigenen Feld und das Obst und Gemüse von einer Gemüsegärtnerei in Igling im Landkreis Landsberg.

Es gibt nur das, was bei uns gerade Saison hat

Deshalb gibt es auch nur das, was gerade Saison hat. „Ich bereite meine Kundinnen und Kunden bereits vor, dass es bald keine Tomaten oder Gurken mehr geben wird und stattdessen nur noch Wintergemüse“, erklärt die Bäuerin. Wer es Ernst nimmt mit „regional“, der müsse halt auch ein wenig seinen gewohnten Speiseplan umstellen.

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Denn bei ihrem Grundsatz, nur regionale Waren anzubieten, will sie keine Kompromisse machen. Denn besser als wenn es die Ware einfach nicht gibt, kann man den Verbrauchern nicht vor Augen führen, dass diese Produkte jetzt keine Saison haben. Und wenn man Ramona Horn im Gespräch mit den Kundinnen und Kunden sieht und hört, dann weiß man, dass sie mit ihrer Leidenschaft und ihrem Charme jeden Tomatenliebhaber vom heimischen Kohl überzeugen wird.

Viele Kunden bringen für den Einkauf bereits Körbe oder Taschen mit. Wer gerade nichts dabei hat, dem bietet das Wiesn-Haisla Transportkisten aus Karton zur Wiederverwendung mit eigenem Logo an. Ein einheitliches Bild sei ihr wichtig, erklärt die Bäuerin. Deshalb findet sich das Logo des Wiesn-Haisla auf den Schürzen, T-Shirts und Jacken, den die drei Frauen beim Verkauf tragen. Ihre Familie, ob ihre eigene oder die ihres Mannes – an der Realisierung des Wiesn-Haislas hätten alle beigetragen und auch jetzt würde es ohne die Unterstützung und den Zusammenhalt der Familien nicht gehen.