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Ermittlungen

Kuh von Zug erfasst und getötet

Kuh
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Redaktion Wochenblatt
am Mittwoch, 12.05.2021 - 11:26

Die Polizei geht Hinweisen nach, ob das Tier zuvor möglicherweise von Jugendlichen aufgeschreckt worden war.

Auf der eingleisigen Bahnstrecke Kempten-Neu-Ulm ist eine Kuh von einem Zug getötet worden. Der Unfall ereignete sich schon am Donnerstag, 6. Mai, wie die Polizei mitteilte. Zunächst deutete alles auf einen Unglücksfall hin, bis sich eine Zeugin bei der Bundespolizei meldete.

Demnach meldete die Zeugin, dass ihr am Unfalltag gegen 17:25 Uhr zwei Mädchen aufgefallen waren, die auf dem Weg entlang der besagten Weide liefen. Die Jugendlichen waren im Partnerlook mit grauen Kapuzenpullovern, hellen High-Waist-Hosen sowie weißen Sneakers bekleidet und trugen weiße Kopfhörer. Die vermutlich zwischen 14 und 17 Jahre alten Mädchen hätten getanzt und seien herumgesprungen. Als sie bemerkten, dass sie mit ihrem Verhalten die Tiere erschrecken, hörten sie aber nicht auf, sondern setzten das Tanzen und Herumspringen noch intensiver fort und gingen sogar noch weiter auf die Kühe zu. Wenige Minuten später erhielt die Zeugin einen Anruf, dass Schumpen (im Allgäu steht Schumpen für Jungrinder) über die Straße gelaufen seien und der Zaun auf die Straße rage.

Im Gleis stehende Kuh erfasst

Gegen 20:45 Uhr erfasste der Regionalexpress 75, der in Richtung Kempten fuhr, eine im Gleis stehende Kuh. Im Zug befanden sich vier Personen, die unverletzt blieben. Nach ersten Schätzungen entstand ein Sachschaden in Höhe von mindestens 20.000 bis 30.000 Euro. Der Unfallzug war eingeschränkt fahrbereit und konnte noch in den Bahnhof Kempten gebracht werden. Die Bahnstrecke war zwei Stunden gesperrt.

Nach Begutachtung der Weide und Einzäunung durch die Bundespolizei ist ein Verschulden des verantwortlichen Landwirtes unwahrscheinlich. Der Weidezugang war zusätzlich mit einer dicken Eisenstange gesichert, welche in der Mitte vermutlich von einer Kuh durchgedrückt worden war. Der Landwirt, der den Weidezaun noch am Nachmittag überprüft hatte, gab an, dass bereits am frühen Abend zwei Kühe ausgebrochen seien, von denen er jedoch auch nach einer aufwendigen Suchaktion nur eine hatte einfangen können.

Fragwürdige und gefährliche Trends

In diesem Zusammenhang warnt die Bundespolizei davor, Weidetiere, insbesondere in der Nähe gefahrenträchtiger Orte, absichtlich aufzuscheuchen oder gar zu erschrecken, und appelliert auch in Hinblick auf fragwürdige und gefährliche Trends in den sozialen Medien wie der "Kulikitaka-Challenge", bei der vor allem Kühe erschreckt werden, sensibel mit den Tieren umzugehen.

Ein schlechter Scherz: Im Internet posten Nutzer Videos, in denen sie absichtlich Tiere auf der Weide erschrecken. Landwirte haben dafür kein Verständnis und warnen vor diesem Trend. Hier sehen Sie ein Video zum Thema:

Die Bundespolizei Kempten ermittelt in diesem Fall wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr und bittet um sachdienliche Hinweise, insbesondere zu den beschriebenen Mädchen, an die Telefonnummer 0831 540798-0.

Mit Material von Philipp Seitz auf Basis einer Meldung aus dem Polizeibericht