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Betriebsbesichtigung

Kühe raus, Ziegen rein

15 Melkplätze hat der Melkstand. Andreas Haider braucht mit seinem Vater Johann etwa eine Stunde für die aktuell 34 Ziegen.
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am Mittwoch, 26.10.2022 - 08:30

Der Ziegenhof Haider in Immelstetten öffnete bei einem Bio-Erlebnistag seine Hoftore. Auf dem Demeter-Betrieb konnten Besucher vieles über die Ziegenhaltung und die Produktion von Ziegenkäse erfahren.

Die Thüringer Waldziege ist eine deutsche Ziegenrasse, die um 1900 aus thüringischen Landschlägen durch Einkreuzung von Schweizer Toggenburger Ziegen entstand. Die Rasse ist mittelgroß und kräftig gebaut, mit kurzem, eng anliegendem Fell. Zum Fressen bekommen sie im Betrieb Haider überwiegend Grascobs, die aus der nahen Futtertrocknung Lamerdingen bezogen werden, sowie Getreideschrot Gras und Heu sowie im Winter noch Grummet.

"Ziegen meckern eigentlich nur, wenn ihnen etwas nicht passt, zufriedene Geißen sind ruhig“, erklärte Sylvia Haider bei der Hofbesichtigung im Rahmen des Bio-Erlebnistags in ihrem funktionell eingerichteten Hofladen in Immelstetten. Der Hofladen war wie die Stallungen für Interessierte offen. Sie konnten alle betrieblichen Abläufe des Demeter-Ziegenhofes kennenlernen: von Stall und Weide bis zum fertigen Käse aus der eigenen Käserei.

Familie Haider nutzt den ehemaligen Kuhstall für ihre Ziegen. 34 Ziegen werden derzeit in dem Melkstand mit 15 Plätzen gemolken, der ebenfalls im Stall seinen Platz hat. Die Jungziegen sind im früheren Jungviehstall untergebracht.

Neu errichtet wurde im Jahr 2019 ein Anbau für die Käserei. „Wenn die Kitze keine Milch mehr benötigen, stellen wir dort aus der wertvollen Ziegenmilch verschiedene Käsesorten her“, erläuterte die Bäuerin. „Wir machen Quark, Frischkäse in verschiedenen Variationen, Weichkäse und Schnittkäse.“ Natürlich konnten die Besucher das Sortiment am Schluss der Hofführung ausführlich probieren.

Rasse erhalten

Werbung muss sein: Am Hofschild in Immelstetten stehen (v. l.): Andreas, Sylvia, Sohn Hannes und Tochter Amelie Haider.

Wie kam es zum Entschluss, Ziegen zu melken? 2016 hat Andreas Haider den Hof von seinen Eltern übernommen und auf biologische Bewirtschaftung umgestellt. „Der Demeter-Verband hat strenge Auflagen, aber mit seiner ganzheitlichen Sichtweise und den konsequenten Vorgaben hat mich dies überzeugt“, erklärte der Landwirt. Nach den Kühen der Eltern zogen Thüringer Waldziegen in den Stall ein. Die Rasse habe vor einigen Jahren noch auf der Roten Liste gestanden. „Wir möchten damit einen Beitrag leisten zum Erhalt dieser Tiere.“ Mit zehn Ziegen ging es los. Zuvor hatten Andreas und Sylvia Haider viele Ziegenbetriebe angeschaut, um das für sie praktikabelste System zu finden.

Die ersten drei Jahre wurde die Milch an die Molkerei Herzog und Dorfkäserei Waal abgeliefert. Dies habe „ganz gut“ funktioniert, schließlich entschied man sich aber dazu, dass die Milch auf dem Hof verarbeitet werden sollte. Dazu absolvierten die beiden Kurse und waren auch eine Woche zur Mitarbeit in einer Ziegenkäserei in Österreich. Den Start schließlich bezeichnete Andreas Haider als „Sprung ins kalte Wasser“. Inzwischen ist der Betrieb jedoch EU-zertifiziert. Als Quereinsteiger in der Kunst des Käsens stellen sie inzwischen verschiedene Käsesorten und andere Produkte aus Ziegenmilch her.

"Thüringer" sind sehr robust

Die Jungziegen wurden im Frühjahr 2022 geboren und sind im früheren Jungviehstall untergebracht. Den Haiders gefiel von Anfang an das Temperament und die Neugier der Thüringer Waldziegen.

Im Laufe der Jahre habe sich überdies gezeigt, dass die Thüringer sehr robust sind. Der Tierarzt komme selten. Sie geben zwar nicht so viel Milch wie Edelziegen, doch dies nehmen die Haiders in Kauf. Gedeckt werden die Jungziegen nach etwa eineinhalb Lebensjahren. Fünf Monate später kommen die Zicklein auf die Welt. „Die Kitze bleiben nach ihrer Geburt im zeitigen Frühjahr für einige Wochen bei den Müttern und bekommen somit einen optimalen Start ins Leben“, erklärte Haider.

Erst wenn die Gefahr besteht, dass sie am Euter der Muttertiere Schaden anrichten, werden sie getrennt. Die Böcklein werden vorwiegend zum Eigenbedarf geschlachtet, bei Nachfrage auch verkauft. Verkauft werden auch die Felle der geschlachteten Ziegen, ganz im Sinne der Kreislaufwirtschaft. Abgesichert ist der Betrieb dadurch, dass Andreas Haider noch in einer Werkstatt für behinderte Menschen arbeitet. Sylvia Haider ist zudem sechs Stunden in der Woche in einer Apotheke tätig.

Ins Gespräch kommen

Besonders nach den Jahren mit Corona war die Freude bei Sylvia Haider groß, mal wieder mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Da seien die Bio-Erlebnistage recht gekommen: „Wir wollen zeigen, wo Lebensmittel eigentlich herkommen und natürlich auch wie die Tiere bei uns gehalten werden.“

Der Hofladen ist jeweils Freitag Nachmittag von 15 bis 19 Uhr geöffnet. Aber auch auf verschiedenen Märkten in der näheren Umgebung sind die Produkte aus dem Hause Haider zu bekommen, ebenso in Hofläden von befreundeten Landwirten.