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Kriterien für die Neuabgrenzung benachteiligter Gebiete

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Dr. Michael Ammich
am Dienstag, 13.11.2018 - 09:19

Anton Dippold, Leiter des Referats Agrarpolitik am bayerischen Landwirtschaftsministerium, begründete in seinem Vortrag die Neuabgrenzung der Gebiete.

„Bayern hat sich das nicht ausgesucht, sondern lange dagegen gekämpft“, versicherte Dippold. Die EU verlangte die Anpassung, weil neue Daten und Methoden vorliegen und nur objektive Kriterien einen sachgerechten Einsatz der Fördermittel gewährleisten. Um eine massive Verkleinerung oder Verschiebung der bisherigen Gebietskulisse zu verhindern, wählte die bayerische Regierung neben den bisherigen biophysikalischen Kriterien weitere Gebietskategorien wie die Zugehörigkeit zu Berggebieten für die Neuabgrenzung aus.

Grundsätzlich müssen künftig 60 % einer Gemarkung nach den neuen Kriterien benachteiligt sein, eine Abgrenzung von Einzelflächen oder Einzelbetrieben ist nicht möglich. Als Berggebiete gelten nunmehr Gemarkungen mit einer Höhenlage von durchschnittlich mehr als 700 m oder von mehr als 600 m, wenn sich die Hangneigungen im Mittel auf mindestens 15 % belaufen.

Durch diesen Kniff wurden die benachteiligten Berggebiete in Bayern auf 459.625 ha verdoppelt. Eine weitere Kategorie sind die aus erheblichen naturbedingten Gründen benachteiligten Gebiete. Für die Feinabstimmung kommen dafür aber nur Gemarkungen infrage, bei denen die Ertragsmesszahl der Böden im Mittel weniger als 46 Punkte beträgt. Durch diese Feinabstimmung ergibt sich ein Gebietsverlust von 212.000 ha.

Mit einem Griff in die Trickkiste sorgte die Staatsregierung jedoch dafür, dass zahlreiche neue benachteiligte Gebiete definiert werden konnten, nämlich solche Gemarkungen, in denen neben den biophysikalischen Kriterien auch andere spezifische Gegebenheiten zu einer Benachteiliung der Landwirtschaft führen, wenn sie mindestens 60 % der gesamten Gemarkungsfläche betreffen: Die Notwendigkeit der Landwirtschaft zum Erhalt oder zur Verbesserung der Umwelt, zum Erhalt des ländlichen Lebensraums oder des Fremdenverkehrspotenzials, außerdem kleine, ungünstig zugeschnittene oder schlecht erreichbare Schläge, eine mittlere Ertragsmesszahl von weniger als 44,5 Punkten pro Ar, Hochwassergefahren oder ein besonders hoher Dauergrünlandanteil.

Um anhand dieser spezifischer Kriterien in ein benachteiligtes Gebiet zu fallen, muss in der Gemarkung zusätzlich mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllt sein: ein Anteil von Schutzgebieten von mehr als 62,5 %, ein Anteil besonderer Landschaftstypen von mehr als 65 %, ein hoher Anteil an besonders schützenswerten Landschaften oder ein Anteil von Nebenerwerbsbetrieben von mehr als 70 %.

„Damit haben wir in Bayern bei der Abgrenzung der benachteiligten Gebiete das Maximum von 10 % der Landesfläche voll ausgeschöpft“, stellte Dippold fest. Im Endergebnis gehören künftig 1.967.793 ha landwirtschaftliche Nutzfläche in die Kategorie der benachteiligten Gebiete. Davon entfallen 459.625 ha auf Berggebiete, 805.943 ha auf aus erheblichen naturbedingten Gründen benachteiligte und 702.135 ha auf neue, aus anderen spezifischen Gründen benachteiligte Gebiete. Insgesamt erweitert sich damit die Gebietskulisse in Bayern um 7812 ha landwirtschaftliche Nutzfläche.

Die Neuabgrenzung der benachteiligten Gebiete tritt mit Jahresbeginn 2019 in Kraft. Über alle drei Gebietskulissen will Dippold zufolge der Freistaat dasselbe Auszahlungsmodell legen, das möglichst auf den einzelbetrieblichen Ertragsmesszahlen basieren soll. Betriebe mit einem hohen Dauergrünlandanteil sollen mehr Ausgleichszahlungen erhalten als Betriebe mit einem geringeren Dauergrünlandanteil. Der Auszahlungsbetrag für Betriebe in benachteiligten Gebieten wird sich auf mindestens 25 € pro Hektar belaufen. MA