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Bauernverband

Kreisobmann Enderle kündigt Rückzug an

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Horst Hacker
am Montag, 31.01.2022 - 17:58

Alfred Enderle will sich nach 15 Jahren als Kreisobmann nicht mehr zur Wahl stellen. Auch über seine Pläne als Bezirkspräsident spricht er mit dem Wochenblatt.

Wertach/Lks. Oberallgäu Alfred Enderle wird bei den Verbandswahlen nicht mehr als Kreisobmann im Oberallgäu kandidieren. Enderle ist zwar erst 49 Jahre alt, aber schon seit 15 Jahren BBV-Kreisobmann, und seit zehn Jahren BBV-Bezirkspräsident für Schwaben.
Vom Alter her, sagt Enderle, sei er noch längst nicht zu alt für den Vorsitz des Kreisverbands. Viel wichtiger seien die 15 Dienstjahre, die er inzwischen „auf’m Buckel“ hat, wie er sagt. So sei es „höchste Zeit“, eine neue Person zu wählen, die unbelastet und mit neuen Ideen in die Gespräche gehen könnte, erinnert er sich an seine eigenen Anfänge vor 15 Jahren. In so vielen Jahren an der Spitze verfestige sich der eigene Blickwinkel, meint er. Man habe viele Erfahrungen mit Einrichtungen und Personen und sei dadurch „halt eingefahren“ und „nicht mehr so begeisterungsfähig“. Ein Neuer hingegen komme wieder mit mehr Elan und sei einfach offener, so dass sich mit ihm „neue Qualität“ ergäbe. Weil er unbelastet sei, stünden ihm „alle Türen offen“. Die Frage, ob er sich selbst belastet fühle, verneint Enderle, jedoch räumt er Widerstände ein, die an Personen hingen.

Abschied nach drei Amtsperioden

Sein Abschied vom Kreisvorsitz geschehe gänzlich aus freien Stücken, betont er unmissverständlich. Dazu gedrängt, in welcher Form auch immer, habe ihn niemand. Im Gegenteil: Nirgendwo „bei seinen Leuten“ sei wegen seines Entschlusses Freude zu verspüren. Drei Amtsperioden seien für ihn jedoch „mehr als genug“. Noch eine aufzustocken, würde dann 20 Jahre ergeben, die für ihn auf jeden Fall viel zu lang seien.

Den jetzigen Zeitpunkt hält Enderle für einen Wechsel ausgesprochen günstig. Während damals beim eigenen Amtsantritt schwierige Zeiten vorherrschten, existierten jetzt „keine bedrohlichen Zustände“. Es gebe keine TBC, was Enderle für das Schlimmste hält, außerdem „kaum nennenswerte interne Streitereien“.
Vor zwei Jahren schon hatte der Wertacher bei der Jahresversammlung in Petersthal ein durchaus positives Bild vom Ist-Zustand des Kreisverbands gezeichnet. Auch den jetzigen Zustand sieht er ähnlich positiv. Der Verband habe sich so weiterentwickelt, dass er sich „auf der Höhe der Zeit“ befindet. Zum Beispiel würde man ganz prima mit einer App kommunizieren.
Vergleichbar verhalte es sich nach Enderles Worten mit der momentanen Ausbildungssituation. Er lobte die Klassen an der Kemptener Berufs- und Landwirtschaftsschule, wo seit Jahren eine stattliche Zahl wirklich tüchtiger Jungbauern ausgebildet werde. Damit stehe das Oberallgäu in Bayern an der Spitze. So habe er den Eindruck, dass es nicht schwer sei, geeignete Nachfolgekandidaten ausfindig zu machen.

Druck auf die Landwirte steigt

Wie damals in Petersthal zeigt sich Enderle auch heute noch besorgt, dass die Landwirte vom Lebensmittelhandel und vom Aktionismus der Umweltschützer zerrieben werden könnten. Der Handel mache ständig mehr Druck, dass es auch noch billiger gehen könnte. Ständig zunehmende Auflagen für mehr Umweltschutz würden immer mehr Bauern überfordern, und wenn sich hier nicht bald Verbesserungen durchsetzen ließen, vielleicht sogar zu „ersticken“.

Aktuell hält es Enderle für ganz wichtig, dass die produzierenden Landwirte mehr öffentliche Wahrnehmung und Wertschätzung erfahren. Damit die Betriebe nicht untergehen, sei mehr Zeit und mehr Geld nötig, um in der Öffentlichkeit wirksam agieren zu können und die Interessen und Belange unserer Landwirtschaft mehr in den Focus der Öffentlichkeit zu rücken.
Was das Amt des Bezirkspräsidenten betrifft, will Enderle abwarten, wie die Wahlen auf Kreisebene verlaufen. Erst dann will er entscheiden, ob er im Bezirk noch einmal antritt.